Bei Volkswagen stehen die Zeichen auf einen Wechsel

BERLIN. Den Geburtstag wollte sich Ferdinand Piëch wohl nicht verderben. Am Freitag wird der VW-Patriarch 78 Jahre alt. Da war es besser, dass sich das Präsidium des Aufsichtsrates schon gestern in Piëchs Heimatstadt Salzburg traf, um die Weichen für die Zukunft des Konzerns zu stellen.

Stefan Uhlmann
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BERLIN. Den Geburtstag wollte sich Ferdinand Piëch wohl nicht verderben. Am Freitag wird der VW-Patriarch 78 Jahre alt. Da war es besser, dass sich das Präsidium des Aufsichtsrates schon gestern in Piëchs Heimatstadt Salzburg traf, um die Weichen für die Zukunft des Konzerns zu stellen. Der von Piëch zuletzt düpierte VW-Vorstandschef Martin Winterkorn war hinzu zitiert worden.

Doch die Zeit drängte auch aus anderem Grund. Am 5. Mai ist die Hauptversammlung angesetzt. Undenkbar, dass Aufsichtsratschef Piëch und Winterkorn nebeneinander sitzen. Ein dürrer Satz hatte genügt, um Europas grössten Autobauer in einen Machtkampf zu stürzen. «Ich bin auf Distanz zu Winterkorn», hatte Piëch dem Spiegel gesagt. Damit hat er nicht nur dem Vorstandsvorsitzenden das Vertrauen entzogen, sondern auch VW-Miteigentümer verärgert und die Arbeitnehmervertreter auf die Palme gebracht. Piëchs Cousin Wolfgang Porsche sprach von einer nicht abgestimmten Privatmeinung, ähnlich reagierte das Emirat Katar als Grossaktionär. Klare Stellungnahmen pro Winterkorn liessen sich aus beiden Einlassungen aber nicht ablesen. Der Familienclan Porsche/Piëch hält knapp 51% der VW-Stimmrechte, das Land Niedersachsen hat 20%, Katar über seinen Staatsfonds QIA 17 Prozent. Der Rest der Aktien befindet sich in Streubesitz.

Hinweise auf die Entmachtung Winterkorns hatte es bereits gegeben. Im Juli übernimmt BMW-Entwicklungschef Herbert Diess die Verantwortung für die Kernmarke VW, die Winterkorn ebenfalls innehatte. Und Porsche-Vorstandschef Matthias Müller, der noch im Januar erklärte, er sei mit 61 Jahren zu alt für den Topjob in Wolfsburg, liess bei der Bilanzpressekonferenz von Porsche im März mit der gegenteiligen Bemerkung aufhorchen, er sei für nichts zu alt und stehe für jedes Amt zur Verfügung.

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