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Interview

«Bei uns beraten keine Roboter»: Neuer TKB-Chef über die Digitalisierung im Bankengeschäft

Thomas Koller hat am Bankplatz in Weinfelden zum Jahreswechsel die Leitung der Thurgauer Kantonalbank übernommen. Er führt die Bank mitten hinein ins digitale Zeitalter. Der Mensch steht für ihn unverzichtbar im Zentrum.
Stefan Borkert, Thomas Griesser Kym
Thomas Koller ist der neue CEO der TKB. (Bilder: Reto Martin)

Thomas Koller ist der neue CEO der TKB. (Bilder: Reto Martin)

Der Bankrat der Thurgauer Kantonalbank (TKB) setzt auf Kontinuität. Nach dem Weggang von Heinz Huber, der Chef von Raiffeisen Schweiz wurde, hat nun dessen ehemaliger Stellvertreter und Leiter Privatkunden, Thomas Koller, den Vorsitz der Geschäftsleitung der TKB übernommen.

Thomas Koller, warum sind ausgerechnet Sie der richtige Mann an der Spitze der TKB?

Die Thurgauer Kantonalbank ist mir ans Herz gewachsen. Seit acht Jahren bin ich Leiter Privatkunden. Ich kenne das Geschäft, den Thurgau und viele Menschen hier. Ich bin oft in den 29 Geschäftsstellen, habe viel Kontakt zu Kunden und Mitarbeitern. Als Präsident der TKB-Jubiläumsstiftung bin ich auch mit dem kulturellen Leben vertraut. Die neue Funktion ist noch vielseitiger und ich komme mit neuen Themen wie Strategieentwicklung, Kommunikation, Personalführung, Regulierung oder Finanzen in Berührung. Zudem kann ich die Werte, für welche die TKB steht, und die Kultur der Bank mitprägen.

Was hat dagegen gesprochen, diese Position zu übernehmen? Sie hatten sich ja noch zwei Wochen Bedenkzeit erbeten.

Natürlich will so eine Entscheidung auch wohl überlegt sein. Ich wollte mich mit meiner Familie und mit Freunden beraten, mir selbst Gedanken machen. Dann war die Entscheidung nicht mehr schwer. Ich war ja schon Stellvertreter von Heinz Huber und habe breite Bankerfahrung. Ich fühle mich der Aufgabe gewachsen und glaube, dass ich etwas bewegen kann.

Mit Bewegung haben Sie ein zentrales Stichwort geliefert. Die Strategie der TKB läuft aus. Sie haben selbst daran mitgearbeitet. Wohin soll sich die TKB in den kommenden Jahren unter Ihrer Führung bewegen?

Die neue TKB-Strategie ist nur ein Projekt von CEO Thomas Koller.

Die neue TKB-Strategie ist nur ein Projekt von CEO Thomas Koller.

Dieses Jahr werden wir die Strategie für die nächsten Jahre festlegen. Wir wollen unsere führende Stellung halten und auf Kundenorientierung setzen. Auch als Arbeitgeberin wollen wir als Bank attraktiv bleiben. Die konkreten Schwerpunkte legen wir dann zusammen mit dem Bankrat fest.

Vermutlich wird die Digitalisierung aber schon eine Rolle spielen.

Das Thema beschäftigt uns als Bank, aber auch andere Unternehmen und unsere Gesellschaft immer mehr. Digitalisierung ist meiner Ansicht nach ein langfristiger Prozess.

Sie können nicht einfach den Schalter umlegen und sagen, so, jetzt sind wir digital.

Kunden wollen aber immer mehr Bankdienstleistungen digital abwickeln. Dieser Entwicklung tragen wir Rechnung, etwa mit dem elektronischen Kundenportal. Bei gewissen Dienstleistungen braucht es aber weiterhin den direkten Kundenkontakt.

Kunden wollen aber immer mehr Bankdienstleistungen digital abwickeln. Dieser Entwicklung tragen wir Rechnung, etwa mit dem elektronischen Kundenportal. Bei gewissen Dienstleistungen braucht es aber weiterhin den direkten Kundenkontakt.

Kundennähe bedeutet auch ein dichtes Netz an Geschäftsstellen im Thurgau. Wird sich an der physischen Präsenz der TKB etwas ändern? Zusammenlegungen sind auch bei anderen Banken im Kanton ein grosses Thema.

Für die TKB ist das engmaschige Geschäftsstellennetz ein wichtiger Faktor für den Erfolg, auch in Zukunft. Aber ja, auch wir überprüfen unsere Präsenz regelmässig. Wichtig ist, dass wir unser Angebot in den Geschäftsstellen entlang der Kundenbedürfnisse ausgestalten und neben qualifizierter Beratung auch einfache Selbstbedienungsmöglichkeiten anbieten.

So ganz lassen Sie aber die Mitbewerber nicht aus den Augen. Vor vier Jahren haben Sie eine neue Geschäftsstelle in Altnau eröffnet.

Das stimmt. Und auf diese Investition bin ich auch persönlich stolz. Die Geschäftsstelle Altnau entwickelt sich überdurchschnittlich gut. Sie hat eine Lücke zwischen Kreuzlingen und Romanshorn geschlossen.

Das hört sich nicht nach grossem Aufbruch oder einem Paukenschlag an. Was also wollen Sie als neuer TKB-Chef konkret bewegen?

Kontinuität und Berechenbarkeit sind wichtige Werte der TKB. Das bedeutet aber nicht Stillstand.

Wir wollen Bewährtes erhalten und Neues ermöglichen.

Wir wollen unser Angebot im Bereich Vorsorgen und Anlegen weiter ausbauen. Im Hypothekarbereich lancieren wir im Jahresverlauf eine Versicherungslösung und ein Angebot für ältere Leute. Gegen Ende Jahr führen wir ein neues E-Banking ein. Auch für die Wirtschaft bleiben wir eine verlässliche Partnerin.

Um auch in diesem Zusammenhang noch einmal auf die viel zitierte Digitalisierung zurückzukommen: Wie schlagen Sie den Bogen vom so genannten Roboterberater zum direkten Kundenkontakt und zum Kontakt zu den Mitarbeitern?

Bei uns beraten keine Roboter. Wir setzen ganz bewusst auf den persönlichen Kontakt von Mensch zu Mensch. Dabei nutzen wir natürlich auch neue Technologien, um den Kunden einen spürbaren Mehrwert zu bieten und um Prozesse effizienter zu gestalten. Nähe zu Kunden ist wichtig. Für mich steht der Mensch im Zentrum. Das gilt auch im Umgang mit den Mitarbeitern. Hier setzen wir auf flache Hierarchien und Eigenverantwortung.

Fürchten Sie multinationale Technologiekonzerne wie etwa Amazon, Google oder Apple, die ins Bankgeschäft einsteigen?

Wir beobachten das natürlich intensiv. Das ist klar. Diese Konzerne sind allerdings in erster Linie im Bezahlgeschäft aktiv. Ob man sein Eigenheim über Amazon finanzieren will, das wage ich mindestens im Moment noch stark zu bezweifeln.

Regionalbanken wie Valiant oder auch die Bank Linth strecken ihre Fühler bereits ebenfalls in den Thurgau aus.

Das zeigt mir, dass der Thurgau attraktiv ist. Die Bevölkerung wächst. Auch die TKB ist in den letzten Jahren stetig gewachsen. Unsere langjährige Präsenz und die lokale Verankerung helfen uns dabei. Und 2021 ist übrigens das 150-Jahr-Jubiläum der TKB.

Thomas Koller erholt und bewegt sich gern in den Bergen und der Natur.

Thomas Koller erholt und bewegt sich gern in den Bergen und der Natur.

Sie stehen als Vorsitzender der Geschäftsleitung im Rampenlicht, haben mehr Termine. Wie halten Sie sich fit und schalten ab?

Die Bewegung in der Natur macht mir Freude. Ich gehe regelmässig frühmorgens Joggen. Dann bin ich gerne in den Bergen. Im Winter auf Skitour und im Sommer beim Wandern. Ich muss aber nicht auf jeden Gipfel, sondern der Weg ist für mich das Ziel. Im Lebensverlauf möchte ich alle bewirteten SAC-Hütten in der Schweiz besuchen. 20 von 140 habe ich schon.

Der Insider

Thomas Koller, neuer Chef der Thurgauer Kantonalbank (TKB).

Thomas Koller, neuer Chef der Thurgauer Kantonalbank (TKB).

Der Start als neuer Vorsitzender der Geschäftsleitung der TKB fällt für Thomas Koller zusammen mit seinem 50. Geburtstag. Der Bankfachmann ist ein Insider der Kantonalbank. Er verantwortete seit 2011 in der Geschäftsleitung der TKB das Privatkundengeschäft. Zuvor war Thomas Koller Leiter einer grösseren Raiffeisenbank im Raum Flawil. Seine Banklehre absolvierte der Innerhödler vor mehr als 30 Jahren beim Bankverein in Wil. Der diplomierte Betriebswirtschafter und Finanzplaner war für das Institut im Anlagegeschäft tätig. Ausserdem engagierte er sich nebenberuflich als Fachdozent. Er ist Vater von drei Kindern. (bor)

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