Bauern müssen Salat vernichten

Zum Ende der Bewirtschaftungsphase fallen auch die Einfuhrzölle auf den Eisbergsalat. Zu früh für die Ostschweizer Produzenten: Sie müssen mit tiefen Importpreisen konkurrieren. Manchmal lohnt sich nicht einmal die Ernte.

Kaspar Enz
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Die Ernte des Eisbergsalats könnte in der Ostschweiz noch bis Mitte November dauern. (Bild: pd)

Die Ernte des Eisbergsalats könnte in der Ostschweiz noch bis Mitte November dauern. (Bild: pd)

Jimmy Mariéthoz, Präsident der Gemüsebörse Ostschweiz und Liechtenstein, schlägt Alarm: Viele Ostschweizer Gemüsebauern müssen ihren Eisbergsalat vernichten, noch auf dem Feld. «Das kommt billiger, als den Salat noch zu ernten», sagt Mariéthoz.

Zollschutz fällt weg

Denn die Ostschweizer Gemüsebauern müssen ab sofort mit Importware konkurrieren. Ab dieser Woche nämlich fällt der Importzoll auf Eisbergsalat weg. Laut den Bestimmungen der Welthandelsorganisation müssen diese Zölle im Herbst wegfallen, wenn die bewirtschaftete Phase vorüber ist. Wann genau dieser Phasenwechsel eintritt, bestimmt das Bundesamt für Landwirtschaft aufgrund eines Vorschlags der Branchenverbände aus allen Regionen. «Dabei kommt meistens eine Kompromisslösung heraus», sagt Jimmy Mariéthoz. Die Westschweizer Gemüsebauern hatten dieses Jahr eine eher frühe und geringe Ernte.

Für die Ostschweizer Produzenten kommt der festgelegte Zeitpunkt aber zu früh. «Es gab dieses Jahr viel Eisbergsalat in der Ostschweiz, aber er kam recht spät», sagt Jimmy Mariéthoz. Hier dauere die bewirtschaftete Phase noch bis Mitte November. Rund 25 Prozent der Ostschweizer Ernte sei betroffen. Inländischer Eisbergsalat sei also noch in grossen Mengen vorhanden. Doch «viele Grosshändler sind sofort auf die Importware umgestiegen.»

Die Ostschweizer Gemüsebauern müssten nun kämpfen, um ihren Salat noch zu verkaufen, oft zu sehr tiefen Preisen – oder den Salat vernichten. «Die Ernte ist teurer als der Preis, den sie erhalten würden», sagt Mariéthoz. «Wenn sie den Salat vernichten, machen sie geringere Verluste.» So komme es zu einem Verlust an qualitativ einwandfreien Nahrungsmitteln.

Partnerschaften aufbauen

Nicht alle Abnehmer seien gleich nach dem Phasenwechsel auf Importware umgestiegen wie die grossen Zwischenhändler. «Die Migros Ostschweiz und Aldi führen weiter Schweizer Eisbergsalat», lobt Jimmy Mariéthoz. Dieses Bewusstsein wünscht er sich für die gesamte Branche. «Wir müssen eine bessere Partnerschaft zwischen Handel und Produzenten aufbauen. Der Eisbergsalat ist ein wichtiges Produkt für die Ostschweiz.»

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