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Raiffeisen: Die Basis verlangt Antworten

Der Verwaltungsrat von Raiffeisen verschiebt den Décharge-Entscheid. Kritiker der Bank dürfte dies nicht besänftigen.
Philipp Felber
Unter Druck: Raiffeisen-CEO Patrik Gisel. (Bild: Ralph Ribi, St. Gallen, 2. März 2018)

Unter Druck: Raiffeisen-CEO Patrik Gisel. (Bild: Ralph Ribi, St. Gallen, 2. März 2018)

Heute kommt es zum Showdown bei der Raiffeisen: 164 Delegierte bestimmen über das Schicksal des angeschlagenen Verwaltungsrats. Die Finanzaufsicht Finma kritisierte am Donnerstag den Verwaltungsrat in der Causa Vincenz scharf. Der ohnehin schon grosse Druck stieg noch mal an. Der Verwaltungsrat hat sich diesem in einem Punkt nun gebeugt: Die Frage, ob dem Verwaltungsrat die Décharge erteilt werden soll, wird auf die ausserordentliche Delegiertenversammlung im Herbst verschoben. Der Verwaltungsrat hat dies gestern im Vorfeld der Delegiertenversammlung in Lugano auf den letzten Drücker entschieden, wie aus bankinternen Kreisen zu vernehmen war.

Der Druck an der Delegiertenversammlung auf den Verwaltungsrat wird dadurch nicht weniger: Es stehen Wahlen an. Auch wenn etliche der von der Finma kritisierten Mitglieder ihren Rücktritt angekündigt haben, müssen sie wiedergewählt werden. So steigt die Gefahr, dass die Delegierten ein Exempel statuieren und Verwaltungsräte abstrafen. Der Finma-Bericht zur Ära Vincenz dürfte die Stimmung unter den 164 Delegierten in dieser Woche noch einmal verschlechtert haben. Die Finma kritisierte Pierin Vincenz und den Verwaltungsrat mit deutlichen Worten. Der Verwaltungsrat habe seine Funktion als Oberleitungs-, Aufsichts- und Kontrollorgan der Bank insbesondere im Zeitraum von 2012 bis 2015 «ungenügend wahrgenommen», schreibt die Finma. Unter den Delegierten brodelt es deshalb. «Wir erwarten Antworten. Sowohl von der Geschäftsleitung wie auch vom Verwaltungsrat», sagt ein Delegierter, der namentlich nicht erwähnt werden will. Auch mit der Geschäftsleitung geht er hart ins Gericht. Er würde auch dort gerne einen Neuanfang sehen.

Die Bodenhaftung verloren

CEO Patrik Gisel wird zwar im Finma-Bericht nicht erwähnt. Doch gerade im Zusammenhang mit der Beteiligung an Investnet wird er sich auch in Zukunft Kritik gefallen lassen müssen. «Die Delegierten sind erschüttert von den Ereignissen», sagt er. Man müsse nun versuchen, den Reputationsschaden klein zu halten. «Viele Kunden rufen uns an und machen sich Sorgen», sagt der Delegierte. Und das nur, weil man in der Bankzentrale die Bodenhaftung verloren habe. Bei der Wahl des Verwaltungsrats erwartet der Delegierte Gegenwehr. Bereits im Vorfeld der Versammlung wurde publik, dass sich die Delegierten an der Erhöhung der Entschädigung für den Verwaltungsrat stören. Auf das letzte Jahr hin stieg die Vergütung des VR um 700 000 Franken auf 2,4 Millionen Franken. Dazu kommen Sozialleistungen von fast einer halben Million Franken. Den grössten Teil erhielt der mittlerweile zurückgetretene VR-Präsident Johannes Rüegg-Stürm: rund 550 000 Franken.

Die Bank begründete die Erhöhung mit einem zunehmenden Aufwand für den VR. Schon vor 2017 stieg die Vergütung des VR an. 2012, zu Beginn der Periode, in der die Finma ungenügende Kontrolle feststellte, lag die Gesamtvergütung inklusive Sozialleistungen bei 1,4 Millionen Franken. Nach 2012 ging es steil bergauf: 2013 betrug die Vergütung inklusive Sozialleistungen fast 2 Millionen Franken. Im Jahr 2015 lag dieser Wert bei fast 2,2 Millionen Franken. Die höheren Entschädigungen werden in den Geschäftsberichten nicht erklärt. Während der von der Finma kritisierten Periode stiegen die Bezüge von Rüegg-Stürm von 300 000 Franken auf 480 000 Franken.

Dies kann die Delegiertenversammlung zwar nicht rückgängig machen. Doch die Tatsache, dass die Vergütungen so stark anstiegen, während der Verwaltungsrat gleichzeitig bei den Geschäften von Pierin Vincenz nicht genau genug hingeschaut hat, dürfte dem Rat noch mehr Kritik einbringen.

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