Technologie

BASF übernimmt Display-Entwickler Rolic aus Allschwil

Die deutsche Chemiegruppe BASF übernimmt das Technologieunternehmen Rolic mit Sitz in Allschwil. Dieses ist auf die Entwicklung des Lichtmanagements moderner LCD- und OLED-Displays spezialisiert.

Stefan Schuppli
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Blick in ein Rolic-Labor.

Blick in ein Rolic-Labor.

zvg

Gestern Actelion, heute Rolic – so ist man geneigt, den jüngsten Firmendeal zu werten. Frappant: Beide Firmen in Allschwil, Nachbarn, beide sind Spin-offs, Abspaltungen von Roche in Bereichen, die der Pharmakonzern nicht mehr weiterführen wollte. Doch dann ist es vorbei mit den Gemeinsamkeiten: Actelion wurde von Johnson & Johnson übernommen, nun schluckt BASF Rolic. Zudem ist Actelion ungleich grösser und an der Börse kotiert und in einem hoch spezialisierten Bereich tätig, der nur schwierig zu beschreiben ist.

Spannende Produkte

Rolic hat ein spannendes Produktportfolio, das mehr mit unserem Alltagsleben zu tun hat, als man denkt. Da ist zum Beispiel die patentgeschützte Sicherheitstechnologie, welche Banknoten fälschungssicher macht. Kunden nennt Rolic keine. Pässe und Ausweise werden heute oft maschinell kontrolliert. Rolic hilft da mit. Hologramme sind ebenfalls Sicherheitselemente.

Eine weitere Technologie ist die Nano-Schrift, die nur mit einem Mikroskop gelesen werden kann – das klingt schon fast nach Spionageroman. Sogenannte «Privacy-Filme» verhindern, dass ein ungebetener Nachbar nicht von der Seite auf den Laptop-Bildschirm «spienzeln» kann. Auch bei 3D-Filmen und Computergames hat Rolic die Finger im Spiel. Die Lichtindustrie bedient sie mit OLED, organischen lichtemittierenden Dioden, die flexibel sind. Diese OLED sind wasser- und luftfeuchtigkeitsempfindlich, Rolic stellt dazu die nötige Ummantelung her.

Raumreserven in Allschwil

«In Allschwil haben wir Raumreserven», sagt Geschäftsleiter Norbert Münzel zur bz. Dort gibt es eine Ausbaukapazität von rund 25 Prozent. Das grosse Wachstum wird dann aber andernorts stattfinden, in den Bereichen Produktion, Logistik und Support. Diesen Ausbau könne Rolic nicht allein stemmen. «Und deshalb haben wir nach einem Partner gesucht. Das wird ein Quantensprung», so Münzel.

Rolic hat keine eigene Produktion. Kritische Schlüsselkomponenten werden in der Region Basel hergestellt. Namen nennt Münzel keine, sie sind vertraulich. «Es geht darum, das Know-how in der Schweiz zu schützen.» Rolic hält über 600 Patente. Der Umsatz wird nicht bekannt gegeben, er dürfte aber bei rund 60 Millionen Franken liegen. Auch der Verkaufspreis wird nicht bekannt gegeben.

Seit Rolic 1994 gegründet wurde, verdankt das Unternehmen seine Erfolgsgeschichte Karl Nicklaus: Als visionärer Alleineigentümer ermöglichte er durch sein Engagement den kommerziellen Durchbruch und das organische Wachstum des Unternehmens. Bei den offiziellen Unterzeichnungsfeierlichkeiten am Dienstag in Basel sagte Nicklaus: «Während der letzten 20 Jahre hat die Rolic selbstständig ihren Weg in die führenden Technologieunternehmen gefunden. Nun ist die Zeit gekommen, dass Rolic in eine grössere industrielle Unternehmung integriert wird, welche die notwendige Unterstützung für weiteres kontinuierliches Wachstum in den sich dynamisch ändernden Technologie-Märkten sicherstellt.» Wirklich erfolgreich wurde Rolic 2008. Der Umsatz hat sich seither verdoppelt.

Bei BASF stösst Rolic zur Geschäftseinheit Electronic Materials Business. «Rolic bleibt als eigenständige Firma mit einem hohen Grad an Selbstständigkeit erhalten. Die Integration erfolgt mit dem Fokus, das Rolic-Geschäft zu stärken und weiter auszubauen», sagt BASF-Sprecher Franz Kuntz auf Anfrage.