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BASEL: Novartis braucht mehr Zeit

Der Pharmakonzern präsentiert hervorragende Zahlen im dritten Quartal. Eine allfällige Abspaltung der Augenheilsparte Alcon ist vor Mitte 2019 unwahrscheinlich.
Daniel Zulauf
Der abtretende Novartis-CEO Joe Jimenez. (Bild: Patrick Straub/Keystone (Basel, 25. Januar 2017))

Der abtretende Novartis-CEO Joe Jimenez. (Bild: Patrick Straub/Keystone (Basel, 25. Januar 2017))

Daniel Zulauf

Gerade rechtzeitig, auf den Termin des angekündigten Chefwechsels Anfang Februar, gibt es Anzeichen, dass Novartis nach einer mehr als zweijährigen Phase der Stagnation wieder besser in Fahrt kommen könnte. Die Leistungswerte, die der Basler Pharmakonzern gestern zum drit-ten Quartal vorlegte, sehen jedenfalls deutlich besser aus als das bisher Gezeigte: Mit 12,4 Milliarden Dollar lagen die Verkäufe im Berichtsabschnitt 2 Prozent höher als im Vergleichsquartal des Vorjahres. Der operative Gewinn verbesserte sich um 4 Prozent und der Reingewinn sogar um 7 Prozent (2,1 Milliarden Dollar). Die Leistungssteigerung reichte, um die negative Umsatzentwicklung in der ersten Jahreshälfte ganz und die rückläufige Gewinnentwicklung wenigstens teilweise auszugleichen.

«Damit sind wir auf dem besten Weg, unsere Prognosen für das Gesamtjahr zu erfüllen, und sehen zuversichtlich unserer Wachstumsphase entgegen», liess sich der scheidende CEO ­Joseph Jimenez in der Pressemitteilung zitieren. Sein designierter Nachfolger, Vasant Narasimhan, konnte im Medien- und Analysten-Webcast auf eine ganze Reihe von pharmakologischen Neuentwicklungen verweisen, von denen sich das Unternehmen und seine Aktionäre in den nächsten Jahren starke Impulse erhoffen. Eine revolutionäre Krebstherapie, die Novartis im Berichtsquartal unter dem Namen Kymriah auf den Markt bringen konnte und vorerst noch auf eine relativ kleine Patientengruppe (Kinder und Jugendliche) beschränkt ist, soll bald ein deutlich breiteres Anwendungsgebiet erhalten. Cosentyx, ein Präparat zur Behandlung von Schuppenflechte, geht mit Siebenmeilenstiefeln der zweiten Umsatzmilliarde entgegen und kompensiert so die anhaltenden Umsatzeinbussen des patentschutzfreien Leukämiemittels Glivec. Und dann ist da noch die Pille Entresto, von der man sich in Basel einst im Stillen erhofft hatte, dass sie die Spur des umsatzstärksten Novartis-Medikamentes aller Zeiten (dem Blutdrucksenker Diovan) aufnehmen könnte. Die Herzpille war bisher eine grosse Enttäuschung, aber auch sie gab im dritten Quartal ein starkes Lebenszeichen. Nimmt man noch die Generika-Division Sandoz hinzu, die trotz des weiter verschärften Preisdruckes in den USA im dritten Quartal ebenfalls in den Wachstumsmodus umschalten konnte, erscheint Jimenez’ Optimismus nicht übertrieben.

17 Milliarden Dollar in der Bilanz

Offen bleibt vorerst aber die Frage, was mit der Augenheildivi­sion Alcon geschehen soll. Die Anfang Jahr angekündigte «strategische Überprüfung» aller Optionen einschliesslich eines Verkaufs via Börsengang hat entgegen den Erwartungen vieler Finanzmarktteilnehmer noch zu keinem endgültigen Ergebnis geführt. Dies dürfte mit ein Grund dafür gewesen sein, dass die Novartis-Aktien gestern fast 3 Prozent auf unter 83 Franken gefallen sind. Die Prüfung habe zwar bestätigt, dass Alcon über das nötige Potenzial verfüge, um in punkto Wachstum und Rentabilität als selbstständiges Unternehmen mit der Konkurrenz mindestens mitzuhalten. Doch an diesem Punkt ist die Sparte offensichtlich noch nicht angekommen. Zwar zeigen auch bei Alcon die Leistungswerte im dritten Quartal deutlich nach oben, doch die Sparte hat erneut einen operativen Verlust eingefahren. Für einen Spin-off reicht dieser Formstand von Alcon bei weitem nicht aus. «Anhaltende Umsatzsteigerungen und Margenverbesserungen über mehrere Quartale hinweg» seien nötig, damit eine solche Transaktion den Aktionären einen Mehrwert bringen könne, heisst es bei Novartis. Vor dem ersten Halbjahr 2019 sei dies unwahrscheinlich.

Vermutlich ist man in Basel zum Schluss gekommen, dass sich Alcon im gegenwärtigen Zustand nicht ohne bedeutende Wertberichtigung zu Lasten der Novartis-Bilanz verkaufen lässt. Die immateriellen Vermögenswerte der vor sieben Jahren teuer eingekauften Alcon stehen immer noch mit fast 17 Milliarden Dollar in der Novartis-Bilanz. Wenn Novartis die Revisoren und die Investoren nicht überzeugen kann, dass sich Alcon auch als eigenständiges Unternehmen im Markt behaupten kann, muss dieser Wert zu Lasten der Novartis-Aktionäre abgeschrieben werden.

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