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BARGELDLOS: Das Ende der Geldautomaten droht

Vor 50 Jahren ging der erste Geldautomat (ATM) in Betrieb. Die Angst vor Jobverlusten als Folge hat sich allerdings nicht bestätigt. Dennoch könnte der ATM ein Auslaufmodell sein.
Adrian Lobe
Automaten in Gefahr: 86 Prozent des Bargelds wurden in Indien für ungültig erklärt. (Bild: Shaukat Ahmed/Getty (Ajmer, 16. November 2016))

Automaten in Gefahr: 86 Prozent des Bargelds wurden in Indien für ungültig erklärt. (Bild: Shaukat Ahmed/Getty (Ajmer, 16. November 2016))

Adrian Lobe

An einem Frühjahrstag im Jahr 1965 wollte der Schotte John Shepherd-Barron bei der Bank Geld abheben. Das war damals noch ein recht bürokratischer Vorgang, der am Schalter von Mensch zu Mensch abgewickelt wurde. Doch Shepherd-Barron verpasste die Öffnungszeiten seiner Bankfiliale und stand vor verschlossenen Türen. Prompt ging ihm das Bargeld aus. Zu Hause in der Badewanne, so erzählte er es später der BBC, kam ihm eine Idee. ­Warum gibt es Automaten, aus denen man Schokoladentafeln ziehen kann, aber kein Gerät für Bargeld?

Geld abheben mit radioaktiven Schecks

Shepherd-Barron, Manager der Sicherheitsdruckerei De La Rue, die auch Banknoten und Aktien druckte, entwickelte das Konzept eines Automaten (Automated Teller Machine, ATM), der Schecks prüfen und entwerten konnte und im Gegenzug Bargeld ausspuckte, und stellte dieses der Grossbank Barclays vor, die nicht lange zögerte und zugriff. Bei einem Pink Gin unterschrieb der Schotte einen Vertrag beim Chef der Grossbank. EC-Karten mit Magnetstreifen gab es damals nicht. In Shepherd-Barrons ersten Automaten mussten Kunden einen Scheck schieben, der mit der leicht radioaktiven Substanz C14 imprägniert war. Der kühl kalkulierende Schott hatte berechnet, dass man 136 000 solcher Schecks essen müsste, bevor die Radioaktivität einen Effekt auf die Gesundheit hätte.

Eigentlich sollten diese Schecks eine sechsstellige Geheimnummer (PIN) zur Identifizierung der Kunden haben, doch weil sich Shepherd-Barrons Frau nur vier Ziffern merken konnte, wurden diese vier Ziffern zum Weltstandard. 1967 ging in London der erste Geldautomat in Betrieb. Damals war die Auszahlung auf zehn Pfund begrenzt. Ende 1967 führte die Schweizerische Bankgesellschaft (SBG) in Zürich den ersten Geldautomaten ein, bei dem Bankkunden mit einer Lochkarte aus Papier und einer persönlichen Geheimzahl 200 Franken auf einmal beziehen konnten. Im Mai 1968, als die Studenten im Pariser Quartier Latin gegen das Kapital auf die Barrikaden gingen, stellte die Kreissparkasse Tübingen den ersten Geldautomaten in Deutschland auf.

Geldautomaten sind mittlerweile aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Es gibt heute über drei Millionen ATMs, die auf dem ganzen Globus verteilt sind, von der Wall Street bis hin zu Andenhochdörfern. Der frühere amerikanische Notenbankchef Paul Volcker sagte einmal: «Die einzige nützliche Sache, die Banken erfunden haben, ist der ATM.» Mehr Lob von höchster Stelle hätte Shepherd-Barron wohl nicht zuteilwerden können.

Regierungen wollen Bargeld abschaffen

Doch schon damals war die Sorge gross, dass die Maschine den Bankangestellten ersetzen könnte. Diese Befürchtungen haben sich grosso modo nicht bestätigt. Zwischen 1995 und 2010 stieg die Zahl der ATM in den USA von 100 000 auf 400 000. Trotzdem blieb die Beschäftigungskurve relativ stabil. Die Zahl der «teller», der Bankkassierer und Schalterbeamten, nahm um die Jahrtausendwende sogar zu. Dadurch, dass die Betriebskosten sanken, wurden neue Geldinstitute gegründet. Zwischen 1988 und 2004 stieg die Zahl der Banken um 40 Prozent. Die Automatisierung im Bankwesen hat nicht zum Jobverlust geführt, sondern neue Jobs geschaffen. Zwar ist diese Gleichung nach der Bankenkrise nur mit Ausnahmen gültig, doch am Beispiel ATM lassen sich einige Lehren für die Automatisierungsdebatte ziehen. Die Tage des Geldautomaten könnten dennoch gezählt sein, wenn die Regierungen ihren Plan umsetzen, das Bargeld abzuschaffen. Die indische Regierung unter Premierminister Narendra Modi hat im November über Nacht die ­beiden Rupien-Scheine mit dem grössten Nennwert und damit rund 86 Prozent des im Umlauf befindlichen Bargelds für ungültig erklärt. Die EU plant, den 500- Euro-Schein 2018 aus dem Verkehr zu ziehen. Und in Deutschland sind seit wenigen Tagen anonyme Barzahlungen nur noch bis 10 000 Euro zulässig.

In Schweden werden inzwischen 80 Prozent aller Zahlungen mit Kreditkarte oder kontaktlos mit mobilen Bezahl-Apps abgewickelt. Das im Umlauf befindliche Bargeldvolumen hat sich in den vergangenen sieben Jahren um 40 Prozent reduziert.

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