Bankkunden als Produkteentwickler

Thomas Griesser Kym
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Digitalisierung Die St. Galler Kantonalbank (SGKB) beschreitet neue Wege in der Digitalisierung. Zur Kreierung eines Produkts für das elektronische Sparen wählt sie einen Entwicklungsprozess, den sie als «einzigartig und innovativ» beschreibt. Konkret hat die Bank junge erwachsene Kunden direkt angeschrieben oder via Facebook gesucht, die gemeinsam mit der Bank die Beta-Version des Produktes entwickeln. 60 Kunden nehmen teil. Normalerweise entwickeln Firmen Beta-Versionen und stellen sie einem begrenzten Kreis von Nutzern zum Test zur Verfügung. Aufgrund ihrer Rückmeldungen wird die Version bis zur Marktreife laufend verbessert.

Die SGKB dagegen hat den 60 Kunden jüngst die Alpha-Version ihres geplanten E-Sparen-Produkts vorgestellt. Diese ist in einem sehr frühen Stadium mit erst wenig Funktionen. Im nächsten Schritt wird das Projektteam der SGKB, das aus drei Bankmitarbeitenden und zwei externen Entwicklern besteht, auf Basis der Alpha-Version die Beta-Version entwickeln. Diese wird dann erneut mit Kunden getestet und verbessert mit dem Ziel, nach ein bis zwei weiteren Versionen das Produkt lancieren zu können. Für die externen Entwickler greift man auf die Squeng AG und deren Gründer Paul Sevinç zurück. Er ist Co-Gründer der Doodle AG, die den gleichnamigen Online-Terminplaner entwickelt hat.

Speziell ist laut der SGKB einmal, dass die Kunden ab einem sehr frühen Stadium mitentwickeln. Bisher war das eher seitens der Fintech-Industrie bekannt, die mit der Bankbranche bei technologischen Neuentwicklungen konkurriert. Ausserdem ist das Endprodukt nicht im Voraus definiert. Vielmehr werden im Laufe der Entwicklung der Beta-Version die zu schaffenden Funktionen vom Projektteam und den 60 Kunden definiert, priorisiert und umgesetzt.

Die Bank erhofft sich ein Produkt, das exakt auf die Wünsche und Vorstellungen der Kunden zugeschnitten ist. Denn diese bringen bereits während der Entwicklung ein, was gut oder schlecht ist respektive was fehlt oder überflüssig ist. Durch die Nutzung des Produkts ab der Alpha-Version erhält die Bank kontinuierlich Fehlermeldungen, Verbesserungsvorschläge, Ideen und Kritik. All das wird ausgewertet und fliesst in die weiteren Entwicklungsschritte ein. Die SGKB verspricht sich viel vom Einbezug der 60 Kunden: «Es sind auch kreative Ideen zu erwarten, auf die wir mit einem rein bankinternen Team nicht gestossen wären», sagt Sprecher Adrian Kunz.

Im Ergebnis möchte die SGKB «ein Produkt lancieren, das für Zielkunden attraktiv ist und deren Bedürfnisse von Beginn weg trifft». Das soll auch die Akzeptanz dieses neuartigen Produkts erhöhen, wovon wiederum die Bank profitieren dürfte. Im Visier hat man primär Junge zwischen 16 und 25 Jahren, die das Produkt motivieren soll, «auf spielerische Art auf ein Ziel hinzusparen».

Thomas Griesser Kym