BANKGESCHÄFT: Stabilität in unsteten Zeiten

Verwerfungen in Politik und an Finanzmärkten lassen die Appenzeller Kantonalbank unbeeindruckt.

Thomas Griesser Kym
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Thomas Griesser Kym

Über ein Drittel der Beschäftigten der Appenzeller Kantonalbank haben bei dieser die Lehre gemacht, fast alle Mitarbeitenden sind im Appenzellerland zu Hause. «Wir kennen Land und Volk, und Volk und Land kennen uns.» Mit diesen Worten erklärt Direktor Ueli Manser, warum die Appenzeller KB ein «sehr erfolgreiches Jahr» hinter sich hat – ein turbulentes Jahr, wie Bankratspräsident Roman Boutellier vor der Presse sagte und aufzählte: Migration, Italien-Referendum, Brexit, Trump. All das habe zu grosser Verunsicherung geführt und zu Volatilität an den Börsen.

Dennoch hat die Appenzeller KB 2016 ihre Bilanzsumme erstmals über die Marke von 3 Mrd. Fr. gehievt. Der Löwenanteil des Wachstums entfällt auf die Hypotheken, deren Volumen um 131 Mio. auf fast 2,5 Mrd. Fr. stieg. Fast ebenso stark nahmen die Kundengelder zu, die wichtig sind für die Refinanzierung der Hypotheken. Manser beobachtet eine nach wie vor rege Bautätigkeit im Appenzellerland. Dass auf Halde gebaut werde und die Nachfrage das Angebot nicht mehr absorbieren könnte, befürchtet er nicht: «Gerade in ­Appenzell-Innerrhoden ist die Wohneigentumsquote hoch. Es gibt zwar noch ein paar Objekte zu kaufen, aber problematisch ist die Lage nicht.» Ausserdem seien vor allem Innerrhoden, aber auch Ausserrhoden nach wie vor «gefragt als Wohnzone. Wenn man sich etwas Zeit lässt, stossen Neubauten auch auf Nachfrage.» Ferner gebe es im Appenzellerland relativ wenig Renditeobjekte, also Mehrfamilienhäuser.

Das Kreuz mit den Negativzinsen

Operativ, auf Stufe Geschäftserfolg, sieht das Bild der Appenzeller KB auf den ersten Blick ­weniger rosig aus. Der Geschäftsaufwand stieg wegen Investitionen in die Informatik und eines leichten Ausbaus des Personalbestandes. Gleichzeitig konnte die Bank aber dank tieferer Zinsaufwände ihren Erfolg aus dem Zinsengeschäft steigern und auch im Handel mit Fremdwährungen sowie im Börsengeschäft zulegen. In diesem Zusammenhang merkte Manser an, dass «immer mehr Kunden die Appenzeller KB auch als Anlagebank entdecken».

Punkto Negativzinsen sagte Manser, die Appenzeller KB habe vergangenes Jahr auf Guthaben bei der Schweizerischen Nationalbank etwa 50000 Fr. bezahlen müssen. Die Appenzeller KB selber nimmt Kleinkunden von Negativzinsen aus und ist «auch gewillt, das so beizubehalten». Wenn aber Neukunden grössere Summen bei ihr parkieren wollen, werden diese abgelehnt oder mit Negativzinsen belastet.