Bankgeschäft für Kunden: Die St.Galler Kantonalbank macht mobil

Noch sind sie in der Minderheit, doch immer mehr Menschen erledigen ihre Bankgeschäfte auf dem Smartphone. Dieser Trend fordert die Geldhäuser in der Digitalisierung. Berater aus Fleisch und Blut sowie Filialen wird es aber weiterhin geben.

Thomas Griesser Kym
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Üben sich im Mobile Banking: SGKB-Chef Bilanz-PK St.Galler KantonalbankCEO Roland Ledergerber und VR-Präsident Thomas Gutzwiller. (rechts)Michel Canonica / TAGBLATT

Üben sich im Mobile Banking: SGKB-Chef Bilanz-PK St.Galler Kantonalbank
CEO Roland Ledergerber und VR-Präsident Thomas Gutzwiller. (rechts)
Michel Canonica / TAGBLATT

Mobile First: Dieser Grundsatz zieht auch bei der St. Galler Kantonalbank (SGKB) ein. Im Klartext: Der Kunde soll Bankdienstleistungen immer und überall auf seinem Smartphone nutzen können. Momentan sind Leute, die das wollen und brauchen, noch in der Minderheit. «Aber die Gewichte verschieben sich», sagt Roland Ledergerber, Präsident der Geschäftsleitung. Diesem Trend folgt die SGKB, indem sie immer mehr digitale Angebote lanciert. Zum Beispiel einen «digitalen Finanz- und Lebensplaner». Auf dieser App, die derzeit entwickelt wird und die man als Beta-Tester ausprobieren und mitentwickeln kann, kann der Kunde seine finanzielle Lage und seine Pläne eingeben und erfahren, ob sich seine Wünsche realisieren lassen – und bei Bedarf seinen Berater kontaktieren, der weiterhilft.

Der Kunde entscheidet

Die SGKB fährt hingegen eine hybride Strategie, wie Ledergerber an der Bilanzmedienkonferenz sagte. Will heissen: Der Kunde entscheidet, ob er mit der Bank digital oder persönlich in Kontakt steht. Für das Persönliche will die Bank bekanntlich 30 bis 35 neue Kundenberater rekrutieren. Vergangenes Jahr hat man «aus weit über 400 Bewerbungen» 10 neue Berater eingestellt und mit weiteren 6 Vakanzen gefüllt. Die Digitalisierung wirkt sich auch in den Filialen aus: Die SGKB baut nach und nach ihre Standorte um, wobei der klassische Schalter wegfällt. Die Zukunft gehört einerseits einer erweitern Automatenzone und andererseits der persönlichen Beratung.

In der Filiale Flawil hat diese Zukunft bereits Einzug gehalten, wobei das neue Konzept «sehr gut aufgenommen» worden ist, wie Ledergerber sagt. Dieses Jahr folgen die Standorte Goldach und Herisau. Wo sieht Ledergerber künftig noch Bedarf der Kunden an Beratung durch Menschen aus Fleisch und Blut? «Vor allem bei Ereignissen, die vielleicht einmal im Leben aktuell sind, beispielsweise Hauskauf, Vorsorge und Pensionierung, Erbschaft oder Fragen eines Unternehmers betreffend Nachfolge, Erweiterung oder Übernahme.»

Das Kreditportefeuille ist gesund

Mit der Geschäftsentwicklung der SGKB im vergangenen Jahr zeigt sich Verwaltungsratspräsident Thomas Gutzwiller «sehr, sehr zufrieden». Die Bank hat den Bruttogewinn um gut 5 Prozent auf 211 Millionen Franken und den Konzerngewinn um 1,7 Prozent auf 159 Millionen gesteigert, und dies trotz des «anspruchsvollen Umfelds», wie Ledergerber sagt. Konkret drücken die Tiefzinsen auf die Zinsmarge, die Börsentalfahrt gegen Ende Jahr hat die Anleger zurückhaltender werden lassen, der Immobilienmarkt zeigt Sättigungs- und Abschwächungserscheinungen, und Lohnerhöhungen um 1,3 Prozent sowie der personelle Aufbau – total hat die SGKB gut 20 Stellen in Vollzeit gerechnet neu geschaffen – kosten Geld.

Die negative Performance der Börsen hat die Kundenvermögen um 6 Prozent oder 2,5 Milliarden Franken erodieren lassen (wobei im recht guten Januar ein Teil wieder wettgemacht wurde), und der Zuwachs an Ausleihungen von netto 1,8 Prozent auf gut 26 Milliarden Franken liegt unter dem Zielwert. Das hat auch damit zu tun, dass die Nachfrage nach Unternehmenskrediten schwächelt, weil viele Firmen eine hohe Liquidität haben und nun auch noch die Konjunkturaussichten für 2019 etwas weniger verheissungsvoll sind. Dennoch zeigt sich Ledergerber mit dem Wachstum der Ausleihungen «zufrieden, da es qualitativ gut ist». Das Kreditportefeuille sei denn auch in einem ausgezeichneten Zustand, der Grossteil sind Hypotheken, auf dem Immobilienmarkt sehe man keinerlei Anzeichen einer Blasenbildung, und die Bank hat Wertberichtigungen und Rückstellungen im grossen Stil reduzieren können. Das hat jene 15 Millionen Franken gut kompensiert, die es die Bank gekostet hat, weil Kunden auslaufende Hypotheken zu tieferen Konditionen verlängert haben.

Zuversicht für das laufende Jahr

Als positiv streicht Ledergerber auch den Zufluss an Neugeld von netto 2,8 Milliarden hervor, ein Plus von 6,5 Prozent. Er sieht dies als direkte Folge des Ausbaus der Angebotspalette und des neuen Preismodells im Anlagegeschäft. Wobei es für einige Kunden auch teurer geworden ist, für andere wiederum günstiger. Die Zahl der Vermögensverwaltungsmandate stieg um 16 Prozent oder 605, und die Bank brachte auch mehr eigene Fonds an den Mann und an die Frau. «Sehr gut gewachsen» sei zudem die Private-Banking-Tochter in Deutschland.

Für das laufende Jahr geht Ledergerber trotz einer nochmaligen leichten Abschwächung am Immobilienmarkt und der reduzierten Konjunkturprognose für die Schweizer Wirtschaft (erwartet wird ein Wachstum von 1,5 Prozent nach 2,5 Prozent im Vorjahr) von einem «stabilen operativen Geschäft» aus. Weil die Auflösung von Wertberichtigungen geringer ausfallen dürfte, wird mit einem leicht tieferen Konzerngewinn gerechnet.

Die Geschäftsleitung verliert Albert Koller

Der Generalversammlung vom kommenden 24. April wird wie im August kommuniziert eine Kapitalerhöhung beantragt, an der sich der Kanton nicht beteiligt, wodurch sein Anteil von 54,8 Prozent auf das gesetzliche Minimum von 51 Prozent fallen wird. Traktandiert sind die Zuwahl der Digitalexpertin Andrea Cornelius in den Verwaltungsrat sowie eine Dividende von 16 Franken je Aktie.

Albert Koller scheidet Mitte nächsten Jahres bei der SGKB aus. (Bild: PD)

Albert Koller scheidet Mitte nächsten Jahres bei der SGKB aus. (Bild: PD)

Eine weitere Personalie ist für die Geschäftsleitung angekündigt: Albert Koller, Leiter Privat- und Geschäftskunden, wird per Juni 2020 aus der Bank austreten. Der 54-Jährige, der seit 1990 für die SGKB arbeitet und seit elf Jahren in der Geschäftsleitung sitzt, will sich künftig Verwaltungsratsmandaten widmen. Die Bankspitze bedauere den Entscheid Kollers, doch habe man genügend Zeit, um seine Nachfolge zu regeln. Dem Kanton fliessen von der SGKB als Dividende, Steuern und zur Abgeltung der Staatsgarantie fast 80 Millionen Franken zu.