Corona-Virus: Banken zeigen sich bereit zur Hilfe für Firmenkunden - Vorerst keine Flüge mehr zwischen Altenrhein und Wien

Im Falle von Liquiditätsengpässen als Folge des Corona-Virus wollen die St.Galler und die Thurgauer Kantonalbank Betrieben beistehen. Die Linienflüge der Fluggesellschaft People's ab St.Gallen-Altenrhein in die österreichische Hauptstadt sind bis auf weiteres eingestellt.

Thomas Griesser Kym, Stefan Borkert
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Banken versprechen Firmenkunden in Not als Folge der Corona-Kreise rasche und unbürokratische Hilfe.

Banken versprechen Firmenkunden in Not als Folge der Corona-Kreise rasche und unbürokratische Hilfe.

Bild: Christian Beutler/Keystone

«Im ersten Semester werden wir eine deutliche Delle sehen in der Entwicklung der Ostschweizer Wirtschaftsleistung». Das sagt Alessandro Sgro, Chefökonom der IHK St.Gallen-Appenzell. Das sei wegen der Folgen der Corona-Krise «unvermeidlich». Für eine Prognose für das ganze Jahr hingegen sei es viel zu früh.

Klar ist laut Sgro, dass es beispielsweise für den Tourismus oder die Unterhaltungsbranche düsterer aussehe als für die in der Ostschweiz starke Exportindustrie. Zwar könnte diese von Engpässen in der Lieferkette aus dem Ausland beeinträchtigt werden, aber gerade in China gebe es erste Anzeichen, dass die Produktion langsam wieder Fahrt aufnehme. Auch sei es möglich, dass verschobene Aufträge später nachgeholt würden.

«Es gibt aktuell Lichtblicke», bilanziert Sgro und äussert die Hoffnung, dass es in China nicht zu einer zweiten Corona-Welle komme. Für sinnvoll erachtet der IHK-Chefökonom die gestern getroffenen Massnahmen des Bundesrats, um der Wirtschaft unter die Arme zu greifen, etwa Vereinfachungen bei der Kurzarbeit. Sgro appelliert aber auch an die Eigenverantwortung der Firmen. Dass diese Reserven aufgebaut hätten, sei gerade in Krisenzeiten zentral.

Einzelne Hilferufe an die St.Galler Kantonalbank

Die St.Galler Kantonalbank (SGKB) hat bereits «einzelne Anfragen» von Firmenkunden erhalten, denen das Corona-Virus zusetzt, wie Banksprecher Adrian Kunz sagt. Konkret gehe es um mögliche Hilfe der Bank bei einem Liquiditätsengpass. Kunz sagt, «die Kundenberater der Bank stehen im engen Kontakt mit den Firmenkunden», und im Falle von Liquiditätsengpässen «werden wir mit den Unternehmen rasch und kulant individuelle Lösungen suchen».

In der Summe sei das Kreditportefeuille der SGKB nach wie vor «sehr gesund», und ihre Firmenkunden seien «finanziell gut aufgestellt». Kunz sagt aber auch: Die Folgen des Virus werden «in vielen Fällen schwerwiegend sein und in einzelnen Fällen existenzbedrohend».

Auch die Thurgauer Kantonalbank zeigt sich hilfsbereit

IHK-Chefökonom Sgro sagt, die Zahl der Konkurse könnte bei einer länger anhaltenden Krise, wonach es zurzeit aussehe, «leider zunehmen». Aber in erster Linie werde es Firmen treffen, die schon vorher am Limit waren. «Unternehmen mit einem nachhaltig innovativen Geschäftsmodell hingegen können mit Krisen gut umgehen.»

Für die Thurgauer Kantonalbank (TKB) sagt deren Sprecherin Aline Fürer, «uns ist bewusst, dass die aktuelle Situation für viele Unternehmen besonders herausfordernd ist». Die TKB stehe mit ihren Kunden in Kontakt und suche «im Bedarfsfall gemeinsam nach tragfähigen und individuellen Lösungen».

Linienmaschinen der People's bleiben am Boden

Inzwischen hat Österreich drastische Massnahmen ergriffen und führt Grenzkontrollen zur Schweiz ein. Dazu gehört bis auf weiteres ein Flugverbot in die Schweiz. Das trifft auch den Flughafen St. Gallen-Altenrhein mit der Airline People’s. Diese fliegt mehrmals täglich zwischen Altenrhein und Wien. People’s ist auch der Markenname der Altenrhein Luftfahrt GmbH. Das Unternehmen ist eine österreichische Fluggesellschaft mit Sitz in Schwechat bei Wien. Seine Basis befindet sich in Altenrhein.

Thomas Mary, Finanzchef und Sprecher der People’s Air Group sagt, dass am kommenden Montag die letzte Landung eines Flugzeugs aus Wien in Altenrhein erfolge. Dann kehre das Flugzeug zu technischen Wartungsarbeiten nach Wien zurück. Ausserdem werde der People’s-Shuttlebusbetrieb, der zwischen Altenrhein und Vorarlberg verkehrt, bis auf weiteres eingestellt.

Passagiere können kostenlos umbuchen oder stornieren

Mary sagt, die vom Flugverbot betroffenen Passagiere würden kontaktiert und über die Änderungen informiert. «Die Fluggäste können ihren Flug kostenlos auf einen anderen People’s-Flug umbuchen oder gebührenfrei stornieren», ergänzt er. Ob sich die Stornierungen im Endeffekt negativ auf das Geschäft auswirken, sei noch nicht abschätzbar. Das hänge vom Buchungsverhalten nach der Krise ab.

Dass die aktuelle Corona-Krise People’s in Gefahr bringe, sieht er nicht. «Ein Grounding ist nicht zu befürchten», bleibt Mary optimistisch. Immerhin seien Flüge innerhalb der Schweiz vom Flugverbot ja nicht betroffen. Das seien etwa 25'000 Flugbewegungen pro