Negativzinsen: Ostschweizer Banken wollen Kleinsparer verschonen

Für Kleinsparer seien keine Negativzinsen geplant, versichern Ostschweizer Banken. Doch der Druck steigt.

Kaspar Enz
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Bis jetzt sind es vor allem institutionelle Kunden und grosse Firmen, die Negativzinsen zahlen.

Bis jetzt sind es vor allem institutionelle Kunden und grosse Firmen, die Negativzinsen zahlen.

Bild: Corinne Glanzmann

Die anhaltende Negativzinspolitik der Schweizerischen Nationalbank kommt bei den Banken schlecht an. Denn die Zinsen unter dem Nullpunkt machen ihre Situation ungemütlich. Sie vergeben Kredite zu immer tieferen Zinsen, um keine Kunden an die Konkurrenz zu verlieren. Die Zinsen für die Einlagen der Sparer haben währenddessen praktisch den Nullpunkt erreicht. Die Margen schwinden dahin. Noch schrecken die Banken davor zurück, den Sparern Negativzinsen zu verrechnen.

Allerdings scheint diese Grenze in den letzten Monaten durchlässiger zu werden. Zumindest für hohe Guthaben verrechnen bereits viele Schweizer Banken Negativzinsen. Kleinsparer müssen sich aber noch keine Sorgen machen. Zumindest vorerst. «Wir geben unserer Kundschaft die Negativzinsen nicht grundsätzlich weiter», sagt Jolanda Meyer, Sprecherin der St.Galler Kantonalbank. Denn viele Kunden seien Kleinsparer oder KMU. «Aber wir wollen verhindern, dass wir als günstiger Parkplatz für sehr hohe Beträge benutzt werden.» Deshalb verrechne die Bank in Einzelfällen Negativzinsen. Insbesondere bei Neukunden mit viel Liquidität schaue die Bank genau hin.

SGKB sucht das Gespräch

Bevor die SGKB Negativzinsen verrechne, suche sie das Gespräch, sagt Meyer. Meist finde man eine andere Lösung als ­Negativzinsen. «Beispielsweise dass ein Teil der flüssigen Mittel angelegt wird.» So seien im Moment nur ein paar Dutzend Kunden der SGKB von Negativzinsen betroffen, oft Pensionskassen oder Stiftungen.

Individuelle Situation berücksichtigen

Ähnlich geht die Thurgauer Kantonalbank vor. Auch die TKB verrechne primär institutionellen Kunden, grossen Firmen oder sehr vermögenden Privatkunden Negativzinsen. Dies aber nicht systematisch, sagt Sprecherin Sabrina Dünnenberger. «Wir berücksichtigen die individuelle Situation und suchen nach tragfähigen Lösungen.» Derzeit seien weniger als 100 Kunden von Negativzinsen betroffen. Für Konten von Privatkunden sei weiterhin keine Einführung von Negativzinsen geplant, versichert Dünneberger.

Schädliche Zinssituation

Das will auch die Acrevis Bank nicht. «Wir sind überzeugt, dass die Negativzinsen für Gesellschaft und Wirtschaft langfristig schädlich sind», sagt Michael Steiner, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Regionalbank. «Daher werden wir uns mit allen Mitteln dagegen wehren, Negativzinsen flächendeckend einzuführen.» Allerdings verrechne auch Acrevis in Einzelfällen Negativzinsen. Wie die Kantonalbanken sind es grosse Neugeldzuflüsse und bestehende grosse Guthaben, die von Negativzinsen betroffen sein könnten. «Wir analysieren jede Kundensituation einzeln», sagt Steiner. «Zur Beurteilung setzen wir die Guthaben in Relation zur ganzen Geschäftsbeziehung.»

Minuszins ab 250000

Trotzdem scheinen Negativzinsen für immer mehr Sparer eine Realität zu werden. Auf Anfang Monat werden bei der Post­finance ab einem Barvermögen von 250000 Franken Negativzinsen fällig. Die Bündner Kantonalbank verrechnet Neukunden ab 250000 Franken schon länger Negativzinsen. Rund 2500 Kunden der Zürcher Kantonalbank sollen schon Negativzinsen zahlen.

Dass Kleinsparer bei der SGKB eines Tages Negativzinsen zahlen, hofft Jolanda Meyer nicht. «Aber je länger die Negativzinspolitik anhält, umso grösser wird der Druck.» Die SGKB beobachte die Marktentwicklung laufend. «Wenn andere Banken ihre Regeln verschärfen, müssen wir reagieren, um nicht zum Überlaufbecken für Liquidität zu werden.»

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Sharam Shad*