Banken werfen Arbonia das Geld hinterher

Der Gebäudezulieferer Arbonia verbessert seine Kreditbedingungen. Das Unternehmen hat einen Konsortialkredit vorzeitig und zu vorteilhafteren Konditionen refinanziert. Das Volumen beträgt eine Viertelmilliarde Franken. So wäre Arbonia beispielsweise für allfällige Akquisitionen gerüstet.

Thomas Griesser Kym
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Türenproduktion bei der Arbonia-Gesellschaft RWD Schlatter in Roggwil.

Türenproduktion bei der Arbonia-Gesellschaft RWD Schlatter in Roggwil.

Bild: Urs Bucher

Der bisherige Konsortialkredit der Arbonia hatte eine fünfjährige Laufzeit bis 14. September 2021. Sein Volumen betrug 350 Millionen Franken. Nun hat Arbonia diesen Kredit vorzeitig refinanziert, und dies zu vorteilhafteren Konditionen und Zusicherungen, die sich positiv auf den Finanzaufwand auswirken werden, wie Arbonia mitteilt.

Die neue Kreditfazilität beträgt noch 250 Millionen Franken. Sie ist in Form eines Konsortialkredits mit einem Konsortium aus Schweizer und ausländischen Banken aufgelegt worden, unter Führung der UBS, Credit Suisse und Zürcher Kantonalbank.

Arbonia spricht von einem Vertrauensbeweis der Banken

Laut Arbonia war der Konsortialkredit deutlich überzeichnet. Die Banken wären also bereit gewesen, der Firma weitaus mehr Mittel zur Verfügung zu stellen, da sie selber im Geld schwimmen und für dieses Verwendung suchen.

Die Überzeichnung sowie die besseren Konditionen, geringeren Zusicherungen und die Option, dass Arbonia die Laufzeit des Vertrags von fünf Jahren zwei Mal um je ein Jahr verlängern kann, belegen laut dem Unternehmen: Der Bankenmarkt habe Vertrauen «in die starke Bilanz, die gute Positionierung sowie die aussichtsreichen Perspektiven der Arbonia».

Kreditpolster als Sicherheit für die Restrukturierung

Als zweites wichtiges Finanzierungsinstrument verfügt Arbonia über ein Schuldscheindarlehen in Höhe von 125 Millionen Euro. Dieses wurde im April 2018 aufgenommen und ist eingeteilt in drei Tranchen mit Laufzeiten von fünf, sieben und zehn Jahren.

Warum hat Arbonia den neuen Konsortialkredit bei 250 Millionen Franken festgezurrt, also 100 Millionen weniger als der alte? Arbonia-Sprecherin Fabienne Zürcher sagt auf Anfrage, als man den alten Kredit vereinbart hatte, 2015/16, hatte das Unternehmen unter seinem Chef Alexander von Witzleben eine umfangreiche Restrukturierung eingeleitet:

«Für diese Phase brauchten wir einen Kredit, und Sicherheit ging vor.»

Arbonia hält sich Handlungsoptionen offen

Mittlerweile ist die Restrukturierung praktisch abgeschlossen. Arbonia hat über die vergangenen Jahre diverse Geschäftsfelder abgestossen, andere durch Zukäufe gestärkt und Teile des Geschäfts, beispielsweise den Fensterbau der Ego Kiefer, ins Ausland verlagert. Fabienne Zürcher sagt:

«Jetzt brauchen wir nicht mehr so hohe Kreditsicherheiten wie vorher. Zumal es uns geschäftlich gut geht und die Aussichten positiv sind.»

Mit der tieferen Kreditfazilität spart Arbonia Zinsen, wie Zürcher sagt. Dennoch: Auch eine Viertelmilliarde ist eine Stange Geld. Wofür benötigt man diese?

«Wir wollen uns alle Möglichkeiten offen halten, zum Beispiel falls sich eine Akquisition anbietet.»

Vor allem der deutsche Baumarkt brummt

Über den Geschäftsgang sagt Fabienne Zürcher, in erster Linie die Fenster und Türen liefen sehr gut.

«Corona spüren wir nicht, denn die meisten Baustellen sind ja offen geblieben.»

Vor allem der deutsche Markt boome, dort gebe es viel Nachholbedarf bei Renovationen. Gut laufe beispielsweise auch Polen. Schwächer sei das Geschäft dagegen in der Sparte Heizung, Lüftung, Klima (HLK), namentlich in den Südländern Spanien, Italien und Frankreich. Fabienne Zürcher sagt:

«Aber das können wir gut wettmachen.»

Insgesamt sei Arbonia «sehr gut» unterwegs. Und auf bestem Weg, im ganzen Jahr 2020 das Mitte August formulierte Ziel zu erreichen, eine betriebliche Marge auf Stufe Ebitda «mindestens auf Vorjahresniveau» zu erreichen. 2019 waren das 9,5 Prozent des Umsatzes.