BANKEN
Weiter gute Geschäfte über die Grenze: Hypo Vorarlberg wächst in der Schweiz

Die Schweizer Niederlassung der Vorarlberger Bank ist 2020 kräftig gewachsen. Die Bank richtet sich vor allem an Unternehmen mit Auslandsbezug. Deren Geschäfte liefen trotz Corona gut.

Kaspar Enz
Merken
Drucken
Teilen
Grenzkontrolle unter Pandemiebedingungen in Lustenau.

Grenzkontrolle unter Pandemiebedingungen in Lustenau.

Bild: Keystone/Gian Ehrenzeller

Seit Corona in der Region angekommen ist, ist ein Grenzübertritt nicht mehr ganz so einfach wie zuvor: Mal sind sie geschlossen, mal gelten Quarantäneregeln. Probleme, mit denen sich auch viele Kunden der Schweizer Niederlassung der Hypo Vorarlberg herumschlagen müssen. Dabei handle es sich um Unternehmer und Firmen, die einen Auslandsbezug haben, sagt Walter Ernst. «Und das sind recht viele in der Region», sagt Ernst. Der einstige Direktor der Vadian Bank ist vergangenes Jahr bei der Hypo in St.Gallen eingestiegen und übernimmt im Sommer die Leitung der Niederlassung.

Allerdings hätten sich die Kunden bald an die Situation gewöhnt. «Skype und MS-Teams waren schnell installiert», sagt Ernst. Auch die Bank hatte sich angepasst. Die Hypo Vorarlberg hat Standorte in Österreich, Italien und der Schweiz. «Konzernweit galten jeweils die Regeln der strengsten Region», sagt Ernst. «Deshalb waren wir hier wohl die Ersten, die mit Masken arbeiteten.»

Risikovorsorge erhöht

Die Geschäfte der meisten Kunden liefen aber trotz Corona weiter. Zwar erhöhte man die Risikovorsorge um 0,8 Millionen. Die Hypo gewährte auch Covid-Notkredite im Umfang von fünf Millionen Franken. Genutzt wurde davon aber kaum etwas.

«In den direkt betroffenen Branchen haben wir kaum Kunden.»

Das sieht man auch den Ergebnissen an. Die Bilanzsumme der Schweizer Niederlassung stieg um 12 Prozent auf 984 Millionen Franken. Die Kundenausleihungen nahmen um 56 Millionen zu. Der Zinsertrag stieg um 0,5 Millionen auf 8,9 Millionen Franken. Die Bank betreut zwölf Millionen mehr Kundengelder.

Walter Ernst, designierter Niederlassungsleiter der Hypo Vorarlberg Bank in St.Gallen.

Walter Ernst, designierter Niederlassungsleiter der Hypo Vorarlberg Bank in St.Gallen.

Bild: PD

Das sei nicht zuletzt der neuen Strategie geschuldet. Lange habe sich die Hypo in der Schweiz vor allem an Unternehmen gerichtet. Nun hat sie auch die Unternehmer selbst als Kunden entdeckt. «Ob es um eine Tochtergesellschaft in Deutschland oder die Finanzierung eines Ferienhauses in Österreich geht, das können wir zusammen mit unseren Konzernkollegen alles von hier aus machen. Und zwar mit demselben Ansprechpartner», sagt Ernst. «Das kann sonst kaum jemand.»

Auch 2021 starkes Wachstum

Das scheint sich herumzusprechen. «In den ersten Monaten des neuen Jahres sind wir doppelt so schnell gewachsen wie im Vorjahr», sagt Ernst. Um das Wachstum zu bewältigen, wird auch das Personal ausgebaut. Das sei auch der wesentliche Grund, weshalb das Geschäftsergebnis 2020 leicht zurückgegangen ist, um 0,6 auf 3,9 Millionen Franken.

Um auf Wachstumskurs zu bleiben, will Ernst die Vorteile der grenzüberschreitenden Bank noch stärker nutzen. Für die Vermögensverwaltung habe die Hypo Vorarlberg in Bregenz ein hervorragendes Team. «Es kennt sich gerade beim Thema nachhaltiges Anlegen aus», sagt Ernst – in Österreich müssen institutionelle Anleger seit Jahren nachhaltige Kriterien anwenden, für Private gilt die EU-Richtlinie seit März. Ein Wachstumsmarkt, ist Ernst überzeugt. Auch in der Schweiz. «Die Nachfrage ist hoch, das Angebot und Know-how aber noch deutlich zu klein.»

Bank des Bundeslandes

Die Hypo Vorarlberg Bank wurde Ende des 19. Jahrhunderts vom Landtag Vorarlbergs gegründet und ist noch heute mehrheitlich im Besitz des österreichischen Bundeslandes und ist dort die grösste Universalbank mit 15 Geschäftsstellen in Vorarlberg. Die Bank ist auch in Süddeutschland und Italien tätig. In der Schweiz ist sie mit der Niederlassung in St.Gallen seit 23 Jahren präsent.

Auch die Bilanzsumme des Mutterhauses ist 2020 gewachsen. Der Gewinn hat sich im Vergleich zu 2019 aber beinahe halbiert. Grund sei eine konservative Risikopolitik: Man wollte genug Puffer für allfällige Ausfälle von Krediten beiseitelegen. Gerade der Wintertourismus in Vorarlberg hatte stark unter der Pandemie gelitten. (ken)