Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

BANKEN: Vertrauenskredit für die CS

Der Umbau des Finanzkonzerns geht in die letzte Phase. Das Minus-Ergebnis gefällt aber nicht allen. Ebenso wenig, dass sich die Grossbank zunehmend auf die Betreuung Superreicher konzentriert. Für Anleger scheint die Credit Suisse aber auf dem richtigen Weg.
Daniel Zulauf
Noch scheint wenig klar, ob sich die Strategie der Credit Suisse als Erfolg herausstellen wird. (Bild: Philipp Schmidli (Zürich, 6. Februar 2018))

Noch scheint wenig klar, ob sich die Strategie der Credit Suisse als Erfolg herausstellen wird. (Bild: Philipp Schmidli (Zürich, 6. Februar 2018))

Daniel Zulauf

Spannend werden Marathonläufe typischerweise erst auf dem letzten Streckendrittel. Das ist der Moment, in dem sich die Spreu vom Weizen trennt. An dieser Wegmarke ist auch Credit-­Suisse-Chef Tidjane Thiam angelangt. Mit seiner Strategie, die er sich am 20. Oktober 2015 vom Verwaltungsrat genehmigen liess, lief der 56-Jährige lange Zeit einem Rückstand nach. Inzwischen scheinen ihm die Investoren den Erfolg aber zuzutrauen.

Mit den gestern vorgelegten Jahreszahlen überraschte die Bank die Börse zum wiederholten Mal positiv. Der Aktienkurs notierte zeitweise fast 4 Prozent über dem Vortagesschluss. Der Marktwert des Konzerns hat sich derweilen auf deutlich mehr als 40 Milliarden Franken etabliert. Verglichen mit der Zeit, als Thiam in das Rennen gestartet war, ist das zwar noch kein Fortschritt, aber immerhin signalisiert der Markt, dass er in Zukunft keine Vernichtung von Eigenkapital ­beziehungsweise von Aktionärswert mehr erwartet.

Im Geschäft mit Neugeldern lauern beträchtliche Risiken

So schnell wie die Bank ursprünglich voranzukommen hoffte, geht es aber offensichtlich nicht vorwärts. Dies zeigt der vorliegende Geschäftsabschluss auch auf der Grundlage der bereinigten Zahlen, welche die ausserordentlichen Verlustquellen im laufenden Jahr (Wertberichtigung von 2,3 Milliarden Franken auf US-Steuerguthaben) und im vergangenen Jahr (Busse von 2,5 Milliarden Dollar aus dem US-Hypothekargeschäft) herausrechnen. Der von der Bank selber ausgewiesene «bereinigte» Vorsteuergewinn von 2,8 Milliarden Franken liegt zwar weit über dem vergleichbaren Vorjahresergebnis (615 Millionen Franken), doch die diesem Leistungswert zugrunde liegende Methodologie hat etwas Realitätsfernes. So werden Restrukturierungskosten (455 Millionen Franken) und die Kosten für juristische Streitfälle (493 Millionen Franken) herausgerechnet, die bei allen Grossbanken seit Jahren zum Alltag gehören. Aussagekräftiger ist die Umsatzentwicklung, die im Berichtsjahr sowohl auf adjustierter Basis als auch auf nichtadjustierter Basis leicht positiv war. Wachstum verzeichnete die Bank im Berichtsjahr insbesondere im Vermögensverwaltungsgeschäft, wo beträchtliche Neugelder angezogen werden konnten. Doch in diesem Geschäft lauern beträchtliche ­Risiken, wie ein spektakuläres Gerichtsurteil in der vergangenen Woche in Erinnerung ruft. Ein Genfer Strafgericht verurteilte einen ehemaligen CS-Vermögensverwalter und Betreuer ultrareicher Kunden aus Russland und Osteuropa zu fünf Jahren Haft, nachdem er diesen zur Vertuschung eigener Fehler hohe Verluste von insgesamt 140 Millionen Franken aufgebürdet hatte. Dem Mann war es gelungen, mit betrügerischen Methoden die Kontrollen der Bank zu umgehen. Darauf kann sich das Institut ­juristisch zwar beziehen, doch die Reputation nimmt dennoch ­erheblichen Schaden.

Auch im Schweizer Geschäft gewinnt die Credit Suisse mit ihrer Strategie nicht nur Freunde. Die starke Fokussierung auf das hochrentable Geschäft mit ultrareichen Kunden zwingt die Bank ihre inländischen Aktivitäten mit kleineren Kunden so zu gestalten, dass sie im konzerninternen Vergleich nicht abfallen. Von den 1,4 Millionen Kunden, welche die Bank in der Schweiz betreut, werden inzwischen mehr als zwei Drittel von Mitarbeitern in Call-Centern bedient. Für viele Schweizer ist diese Behandlung mindestens noch stark gewöhnungsbedürftig. Folgenlos bleiben dürfte sie für die Credit Suisse nur dann, wenn der Service zum Standard in der Branche wird. Wenig Freude dürften die kleinen Aktionäre auch an der ­Dividende haben, die sich mit 0,25 Franken pro Aktie ziemlich bescheiden ausnimmt. In den Vorjahren konnten die CS-Aktionäre jeweils zwischen einer Bardividende oder einer Aktiendividende wählen. Jeweils etwa ein Viertel nahm die Bardividende in Anspruch. Nun muss dieses Geld unter allen Aktionären verteilt werden, weil es keine Aktiendividende mehr gibt. Dass damit endlich auch die Inflation ein Ende nimmt, welche die Bank durch die Ausgabe immer neuer Titel zur Sicherstellung von ­Aktienansprüchen ihrer Mitarbeiter zugemutet hatte, dürften vor allem die grossen Aktionäre positiv zu werten wissen.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.