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Ostschweizer Bank Linth macht weniger Gewinn – neue Standorte in Frauenfeld und Winterthur wachsen über den Erwartungen

Für den Geschäftsleiter der Bank Linth, David Sarasin, hat die Bank letztes Jahr ein solides Ergebnis erzielt. Der Verlust eines grossen Kunden drückt auf das Geschäftsergebnis.

Stefan Borkert
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Die Bank Linth setzt auf Automation, Digitalisierung und Kundennähe.

Die Bank Linth setzt auf Automation, Digitalisierung und Kundennähe.

PD

Kunden gewinnen und verlieren gehört zum Alltag auch von Banken. Der Verlust eines institutionellen Grosskunden kann aber auch weh tun. Bei der Bank Linth hat ein institutioneller Grosskunde letztes Jahr die Bank gewechselt, was einen Abfluss von 382 Millionen Franken zur Folge hatte. CEO David Sarasin sieht darin allerdings einen einmaligen Vorgang, der sich bei der Bank Linth so schnell nicht wiederholen dürfte. Aber er betont, dass die Modernisierung der Geschäftsstellen abgeschlossen sei. Dass man mit einem neuen Kundenkonzept die Kosten senken konnte und dass die Konzentration auf Beratungstätigkeit sicher wieder zu Wachstum führen werde. Der gesamte Bargeldverkehr ist automatisiert worden. Sarasin kann sich auch vorstellen, dass in der Ostschweiz weitere Standorte eröffnet werden:

Der Standort Frauenfeld hat sich rascher entwickelt als gedacht.

Der Standort Frauenfeld hat sich rascher entwickelt als gedacht.

PD
«Die Standorte Frauenfeld und Winterthur haben sich praktisch doppelt so schnell entwickelt, wie wir es erwartet haben.»

Konkrete Projekte gebe es derzeit noch nicht. Immerhin sei man aber mit dem neuen Kundenkonzept so flexibel, dass die Eröffnung eines Standortes nur noch 10 bis 15 Prozent so teuer käme wie bisher. Der CEO erklärt, man habe aufgrund der Coronapandemie den nächsten Schritt der Standortstrategie schneller umgesetzt. Um das Geschäftsstellennetz weiterhin aufrechterhalten zu können, setze man mehrheitlich auf das bereits etablierte «on demand Prinzip»:

David Sarasin, CEO Bank Linth.

David Sarasin, CEO Bank Linth.

PD
«Unsere Kunden können sich so an jedem der 19 Standorte von einem Fachspezialisten nach Wahl beraten lassen. Öffnungszeiten im klassischen Sinn gehören der Vergangenheit an.»

Gewinn schrumpft um 4 Prozent

So ganz glücklich ist CEO Sarasin mit Geschäftsjahr 2020 nicht. Aber es sei immerhin ein solides Ergebnis, sagte er an einer Online-Medienkonferenz. Demnach beläuft sich der Jahresgewinn auf 25 Millionen Franken und liegt damit 4 Prozent unter dem Rekordergebnis des Vorjahres. Die Dividende soll deswegen nicht geringer werden. Der Verwaltungsrat beantragt dem Aktionariat eine unveränderte Dividende von 10 Franken je Aktie.

Beratungsgespräch in Frauenfeld.

Beratungsgespräch in Frauenfeld.

PD

2020 hat die Bank Linth einen Geschäftsertrag von 92,7 Millionen Franken erwirtschaftet, was einem Rückgang gegenüber 2019 um 5,2 Prozent entspricht. Dies sei weitgehend darauf zurückzuführen, dass die Bank vor dem Hintergrund der Coronakrise die Risikovorsorge erhöhte und Wertberichtigungen für Kreditrisiken im Umfang von 1,7 Millionen Franken vornahm, während im Vorjahr Wertberichtigungen in Höhe von 2,5 Millionen Franken aufgelöst werden konnten, erklärte der neue Finanzchef Martin Kaindl. Der Netto-Erfolg aus dem Zinsengeschäft ging um 3,1 Prozent auf 66 Millionen Franken zurück. Auf Brutto-Basis sei der Zinserfolg allerdings um 3,1 Prozent auf 67,6 Millionen Franken angestiegen, so Kaindl.

477 Covid-19-Kredite vergeben

Von 560 beantragten Covid-19-Krediten hat die Bank 477 genehmigt. Das Gesamtvolumen beläuft sich dabei auf 52 Millionen Franken. Die durchschnittliche Kredithöhe betrug 113000 Franken. Zu den Coronagewinnern will der stellvertretende Geschäftsleiter Luc Schuurman die Bank aber nicht zählen. Denn Finanzchef Kaindl sagte, dass, wenn man den zusätzlichen Aufwand rechne, unterm Strich kaum etwas übrig bliebe.

Alles was mit Bargeld zu tun erledigen die Kunden der Bank Linth an Automaten selbst.

Alles was mit Bargeld zu tun erledigen die Kunden der Bank Linth an Automaten selbst.

PD

Insgesamt verzeichnet die Bank per Ende 2020 Kundenausleihungen in Höhe von rund 6,3 Milliarden Franken, was einem Plus von 1,5 Prozent gegenüber 2019 entspricht. Die Hypothekarforderungen erhöhten sich mit gut 6 Milliarden um rund 41,6 Millionen Franken. Die Kundengelder hingegen reduzierten sich um 2,3 Prozent auf 4,7 Milliarden Franken. Die Bilanzsumme stieg um 5,2 Prozent auf 8,3 Milliarden Franken an.

Bank Linth verpasst Rekordergebnis

in Millionen Franken 2019 2020 Veränderung in %
Bilanzsumme 7887 8300 +5,2
Kundenausleihungen 6167 6258 +1,5
Kundengelder 4885 4744 -2.3
Eigenkapital 511 528 +3,3
Geschäftsertrag 98 93 -5.2
Gewinn 26 25 -4