Banges Warten in Eurozone

In der Eurokrise geht es nur in kleinen Schritten vor und zurück. Deutschland verspricht Hilfe. Gleichzeitig stuft Moody's in einem Schlag 21 Banken herab.

Thorsten Fischer
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Warten – wegen Streik: Flugpassagierin diese Woche in Athen. (Bild: ap)

Warten – wegen Streik: Flugpassagierin diese Woche in Athen. (Bild: ap)

BRÜSSEL. Die Liste ist lang: Die Ratingagentur Moody's hat die Bonität der Royal Bank of Scotland (RBS) ebenso wie jene der Bausparkasse Nationwide um zwei Stufen gesenkt. «Glimpflicher» kamen die Lloyds TSB Bank und die Grossbritannien-Sparte der spanischen Bank Santander davon. Sie rutschten nur eine Stufe ab. Insgesamt hat Moody's die Kreditwürdigkeit von zwölf britischen und neun portugiesischen Banken gesenkt. In Portugal traf es etwa die Banco Espirito Santo oder die Banco BPI.

Die Gründe sind unterschiedlich, aber immer Spiegel der grossen Ängste in Europas Finanzwelt. In Grossbritannien geht Moody's davon aus, dass die grössten Banken zwar durch den Staat gestützt würden, kleinere Institute aber fallengelassen werden könnten. In Portugal kreidete die Ratingagentur die hohe Staatsverschuldung und trübe Wirtschaftsaussichten an. Der Chef der Bank of England, Mervyn King, stuft die Krise laut Agentur DPA «als möglicherweise schlimmer als die Depression der 1930er-Jahre» ein.

Vor Ort in Griechenland

Das zusehends gespannte Verhältnis zwischen Deutschland und Griechenland hat sich gestern eine Spur erhellt: In Athen wurde anlässlich des Besuchs des deutschen Wirtschaftsministers Philipp Rösler beim griechischen Amtskollegen Michalis Chrysochoidis eine Erklärung unterzeichnet. So will Deutschland das Land bei Finanzierungen gewerblicher Investitionsprojekte unterstützen. Zusätzlich will die deutsche Regierung auf EU-Ebene für neue Fördermöglichkeiten werben. Mit Rösler waren gut 70 Unternehmer aus Deutschland nach Griechenland gereist.

Irland schöpft Zuversicht

Grössere Schritte plant inzwischen Irland. Es will als erstes der angeschlagenen Euroländer den Rettungsschirm verlassen. Schon im kommenden Jahr möchte die Regierung wieder Staatsanleihen am Markt ausgeben. Das Ziel nannte der irische Premierminister Enda Kenny im Fernsehsender Bloomberg. Irland sei «bestens positioniert», um dem Internationalen Währungsfonds als erster Krisenstaat «Goodbye zu sagen». Nach hartem Sparkurs sind erneut Einsparungen von 4 Mrd. € geplant. Sie sollen das Haushaltsdefizit weiter drücken. Wichtig für die Rückkehr an den Markt ist die Heraufstufung der Kreditwürdigkeit des Landes durch die Ratingagenturen. Irlands Premier Kenny rechnet jedenfalls fest damit.

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