BAHNMARKT: Stadler Rail hat Kraft getankt

Den Margendruck hat der Ostschweizer Schienenfahrzeughersteller Stadler Rail zwar nicht völlig abgeschüttelt. Doch der Eintritt in neue Märkte zahlt sich aus. Der Auftragseingang 2016 ist massiv gewachsen.

Thorsten Fischer
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Stadler-Rail-Chef Peter Spuhler vor den Medien im Werk Bussnang: «Wir haben die Währungskrise relativ gut überstanden.» (Bild: Michel Canonica)

Stadler-Rail-Chef Peter Spuhler vor den Medien im Werk Bussnang: «Wir haben die Währungskrise relativ gut überstanden.» (Bild: Michel Canonica)

Thorsten Fischer

Die Welt des Schienenfahrzeugherstellers Stadler Rail ist technisch anspruchsvoll und präzise. Sie ist aber auch bunt: Je nach Land und Auftraggeber strahlen die diversen Züge in den unterschiedlichsten Lackierungen – rot, gelb, dezentes Türkis oder neutrales Weiss. Besonders deutlich wird die Vielfalt der Aufträge jeweils an der Jahresmedienkonferenz am Hauptsitz in Bussnang, wenn Gruppenchef und Eigentümer Peter Spuhler die neusten internationalen Erfolge der Gruppe Revue passieren lässt.

Die Produktvielfalt tut auch den Zahlen gut: Nach dem vom Währungsschock geprägten Jahr 2015 weist Stadler für das abgeschlossene Geschäftsjahr 2016 einen rekordhohen Auftragseingang von 4,9 Mrd. Fr. aus. Ein Jahr zuvor waren es mit 2,1 Mrd. Fr. eingegangenen Aufträgen deutlich weniger. Der Umsatz im Jahr 2016 (2,1 Mrd. Fr.) und das zugehörige Jahresergebnis konnten trotz des anhaltend starken Frankenkurses auf dem Durchschnittswert gehalten werden.

Vorstoss mit dem Giruno

«Die Wechselkursverwerfungen haben zwar zu einem Einbruch der Margen geführt», hielt Spuhler fest. Doch das Massnahmenpaket habe gewirkt und Stadler gestärkt durchs angespannte Umfeld gebracht. Bezahlt gemacht hat sich laut dem Stadler-Chef die breitere Abstützung durch den Eintritt in neue Märkte und die Lancierung neuer Produkte. Stadler stehe «nach wie vor auf sprichwörtlich gesunden Beinen». Ein Schwung, der gerade in den vergangenen Wochen sichtbar wurde.

Im Mai rollte in Bussnang der neue Hochgeschwindigkeitszug EC250 Giruno vor 500 Gästen aus Wirtschaft und Politik an die Öffentlichkeit. Kurz darauf sahen sich 40000 Besucherinnen und Besucher in den Produktionswerken in Bussnang, Altenrhein und Winterthur um – aus Anlass des 75-Jahr-Firmenjubiläums. Mittlerweile beschäftigt Stadler Rail an verschiedenen Standorten weltweit über 7000 Mitarbeitende. Jüngst gab es Zuwachs durch das Joint Venture mit Solaris Bus & Coach in Polen sowie die Gründung des Engineering-Standortes in Chemnitz.

Weitere Abklärungen in Altenrhein

Von den über 7000 Mitarbeitenden sind 3000 in der Schweiz angestellt. Der Margendruck durch Währung und Lohnkosten bleibt hierzulande hoch. Spuhlers erklärtes Anliegen ist es aber, am Standort Schweiz festzuhalten – was bedingt, dass so effizient wie möglich produziert werden kann. In diesem Zusammenhang sieht Stadler Rail auch die vor einigen Wochen bekannt gegebene «Optimierung der Produktionsbedingungen» für das Kompetenzzentrum der Doppelstocktriebzüge in Altenrhein. So evaluiert das Unternehmen, ob ein Neubau in St. Margrethen machbar ist. Wie es an der Medienkonferenz hiess, prüft Stadler inzwischen auch eine Kompromisslösung. Man wolle «nicht mit Pauken und Trompeten aus Altenrhein ausziehen», betonte Spuhler. Allenfalls könnten die Teilbereiche Aluminium-Detailfertigung, Engineering/Büro und Service in Altenrhein verbleiben. Die Mehrheit der aktuell 950 Stellen in Altenrhein würde aber auch im Fall eines Kompromisses an den neuen Standort in St. Margrethen ziehen. Standortfragen stellen sich zudem in den USA. Letztes Jahr bestellte das US-Bahnunternehmen Caltrain 16 elektrische Doppelstocktriebzüge. Ab 2020 werden damit Stadler-Züge auf der Strecke von San Francisco nach San Jose im Silicon Valley fahren – und dort regelmässig auch Mitarbeiter von Apple, Google und Facebook befördern.

Das Projekt Caltrain ist durch regionale, bundesstaatliche und staatliche Gelder finanziert. Eine Mittelzusage aus dem Budget des Department of Transportation (DOT) erfolgte laut Stadler Rail Anfang Juni. Nun geht es darum, eine Werkhalle in den USA zu finden oder aufzubauen. Eine Möglichkeit ist der Standort Clearfield im Bundesstaat Utah. Laut Spuhler wird derzeit aber noch eine weitere Variante geprüft. Der Entscheid soll so rasch wie möglich fallen.