BAHNINDUSTRIE: Trump beflügelt Stadler Rail

Stadler Rail könnte von Donald Trumps Investitionsprogramm in die Infrastruktur profitieren. Erhält das Unternehmen weitere Aufträge, steht der Bau einer eigenen Fabrik zur Debatte.

Thomas Griesser Kym
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Visualisierung eines Stadler-Zugs für das Silicon Valley. Für die Endmontage benötigt Stadler in den USA eine grössere Halle. (Bild: pd)

Visualisierung eines Stadler-Zugs für das Silicon Valley. Für die Endmontage benötigt Stadler in den USA eine grössere Halle. (Bild: pd)

Aus geschäftlicher Sicht könnte sich die Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten für Stadler Rail als Glücksfall entpuppen. Der Republikaner hat Investi­tionen über 550 Mrd. $ in die amerikanische Infrastruktur angekündigt, wozu auch das Bahn­system zählt. «Wenn Trump ­tatsächlich die verrottete Eisenbahninfrastruktur auf Vordermann bringt, ist das positiv» sagt Stadler-Patron Peter Spuhler.

Die USA sind für Stadler Rail ein relativ neuer geographischer Markt. Zwar hat man dort schon 2002 den ersten Auftrag erhalten, seither sind aber lediglich ein halbes Dutzend weitere Order dazu gekommen. Doch wegen Finanzierungsproblemen in osteuropäischen Märkten und Sät­tigungserscheinungen in Westeuropa will Spuhler in Amerika vorwärts machen. Vergangenen August setzte er dort einen Meilenstein: Für 551 Mio. $ kann Stadler 16 sechsteilige Doppelstöcker für das Silicon Valley bauen. Wegen des Buy America Act (diese Gesetz wird angewendet, wenn Bundesgelder fliessen) muss das Ostschweizer Unternehmen 60% der Wertschöpfung in den USA erbringen.

«Schon noch ein paar Grossaufträge»

Seit einiger Zeit ist Stadler in einer Halle bei Salt Lake City im Staat Utah eingemietet, wo ge­genwärtig acht Triebzüge für die Verbindung zwischen Fort Worth und dem Flughafen Dallas/Fort Worth endmontiert werden.

Für den Auftrag der Bahngesellschaft Caltrain aus dem Silicon Valley benötigt Stadler aber eine grössere Halle. Laut Spuhler prüft das US-Management Stadlers mehrere Varianten: eine Halle mieten, eine selber aufbauen oder eine bauen lassen und dann mieten. Wichtig sei, die Kosten günstig zu halten. Die Konzentration gilt weiterhin dem Grossraum Salt Lake City, denn: «Wir haben an diesem Standort gute Bedingungen und bilden dort Mitarbeitende aus.» Ein Entscheid soll Anfang 2017 fallen.

Momentan hat Stadler in Utah 40 bis 50 Mitarbeitende, doch dürfte der Personalbestand «irgendwann dreistellig» werden. Falls sich das US-Geschäft wie von Spuhler erhofft nachhaltig entwickelt, steht ohnehin der Bau eines eigenen, grösseren Werks in Utah im Vordergrund. «Dafür brauchen wir aber schon noch ein paar Grossaufträge», sagt Spuhler. Ein nächster Investitionsschritt in die Fertigung vor Ort würde auch Kosten senken, wie Spuhler sagt, denn momentan werden die in der Schweiz gefertigten Drehgestelle und Wagenkasten zu hohen Transportkosten und zeitraubend in die USA zur Endmontage verschifft. Aktuell beteiligt sich Stadler in Amerika an drei, vier Ausschreibungen. Vor kurzem kam bei einem Auftrag für Strassenbahnen für Seattle ein Konkurrent zum Zug.

Der Politik Trumps schaut Spuhler gelassen entgegen, zumal Stadler schon in den USA präsent ist. Zudem gibt es keinen amerikanischen Hersteller moderner Aluminiumzüge. Bei diesen hängen die USA also von ausländischen Bahnbauern ab, und Stadlers Rivalen heissen folglich Siemens oder Bombardier.

Stadlers Ostschweizer Werke haben viel Arbeit

Über den Geschäftsgang generell sagt Spuhler, der Auftragseingang dieses Jahr sei «recht gut». Die Ostschweizer Werke seien rappelvoll. So ist in Altenrhein die Produktion der 33 vierteiligen Doppelstöcker für die schwedische Bahngesellschaft Mälab angelaufen. Und das Werk am Hauptsitz in Bussnang, von dem es im Sommer hiess, es brauche noch zusätzliche Aufträge, hat dank der Bestellung von 58 Triebzügen des Typs Flirt für Abellio in England (ebenfalls ein neuer Markt) alle Hände voll zu tun.

Probleme bereiten Stadler nach wie vor die Währungen, wie Spuhler sagt. «Wegen der Frankenstärke mussten wir unsere Preise zurücknehmen, was die Marge ­reduziert hat.» Alles in allem sei Stadler aber «zufriedenstellend durch die Krisenjahre gekommen, und wir verdienen auch genug Geld, um unsere Inves­titionen zu finanzieren», sagt Spuhler. Zudem habe man keine Leute entlassen und nie kurz gearbeitet. Punkto Marge sagt der Unternehmer noch, «da müssen wir durch», und er gehe davon aus, dass sich die Lage bei den Wechselkursen in Zukunft auch wieder entspannt.

Besser läuft auch das Sorgenkind, das Werk im weissrussischen Minsk. Dieses kann für St. Petersburg 23 Strassenbahnen bauen, und Stadler sei an weiteren Projekten in Russland, der Ukraine und in Tschechien dran.