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BÄCKEREI SCHWYTER: Neue Hüter für die Backkunst

Das Ostschweizer Traditionsunternehmen Schwyter regelt die Nachfolge. Der Verkauf an den Aargauer Mühlenunternehmer Valentin Stöckli soll das Bäckerwissen bewahren und die Position im Markt stärken.
Thorsten Fischer
In der St. Galler Backstube von Schwyter (von links): Geschäftsführer Frank-Peter Rihlmann, der neue Besitzer Valentin Stöckli sowie die bisherigen Unternehmer und Eigner Matthias und Gaby Schwyter. (Bild: Urs Bucher)

In der St. Galler Backstube von Schwyter (von links): Geschäftsführer Frank-Peter Rihlmann, der neue Besitzer Valentin Stöckli sowie die bisherigen Unternehmer und Eigner Matthias und Gaby Schwyter. (Bild: Urs Bucher)

Thorsten Fischer

Der Stabwechsel bei der Bäckerei Schwyter sticht gleich doppelt hervor: Zum einen, weil eine ­traditionsreiche Ostschweizer Bäckerei in neue Hände übergeht. Zum andern, weil solche ­zukunftsträchtigen Lösungen nicht mehr selbstverständlich sind. Über Schliessungen lokal verwurzelter Bäckereien, wegen hohem Konkurrenzdruck oder mangels Nachfolge, ist immer wieder zu lesen.

Bei Schwyter – seit bald 115 Jahren in der Stadt St. Gallen und zunehmend in der weiteren Ostschweiz zu Hause – dominiert aber die Zuversicht. Durch den Verkauf an Valentin Stöckli, Besitzer der Obermühle Boswil im Aargau, konnte die Nachfolge ­definitiv geregelt werden – und erst noch mit einer branchen­nahen Unternehmensgruppe. Nachdem gestern Morgen die Mitarbeitenden informiert worden waren, gaben die Gründer­familie Schwyter und der neue Eigentümer vor den Medien Auskunft. Und zwar in der 2014 neu erstellten Backstube im Osten der Stadt St. Gallen. Auch dies bereits ein Zeichen, dass die Bäckerei Schwyter den Fortbestand des Unternehmens mit inzwischen gut 120 Arbeitsplätzen schon in den Vorjahren fest im Auge hatte.

Stellen, Standorte und Name bleiben erhalten

Eine familieninterne Nachfolge hatte sich nicht abgezeichnet, wie Matthias und Gaby Schwyter, Vertreter der zweiten Generation, erklärten. Sie selbst leiteten den Familienbetrieb während über 50 Jahren. In einem nächsten Schritt wurden sorgfältig mögliche externe Käufer geprüft. Der Entscheid für den Aargauer Mühlenunternehmer Stöckli fiel, «weil er neben seiner unternehmerischen Erfahrung auch glaubwürdig zusicherte, das Traditionsunternehmen in eine nachhaltige Zukunft führen zu wollen.» Die Familie Schwyter bezeichnet ihn als interessierten und engagierten Nachfolger, der die Bäckerei mit ihren Arbeitsplätzen und Standorten weiterhin erfolgreich lenken könne.

Stöckli, geschäftsführender Inhaber der Firmengruppe ­Obermühle, betrachtet den Kauf als strategisch passenden Schritt. «Die Obermühle Boswil ist eine Lebensmittelherstellerin, welche schon seit längerer Zeit Erfahrung in der Brot- und Backwarenherstellung hat.» Die Über­nahme der bekannten Ostschweizer Bäckerei Schwyter sei ein weiterer Schritt in der Diversifikation im Lebensmittelbereich. Zum Verkaufspreis haben die beiden Familienunternehmen Stillschweigen vereinbart.

Zur Aargauer Obermühle-Gruppe gehört unter anderem auch die Frifag Märwil AG. Das Thurgauer Unternehmen produziert Geflügelfleisch und bezieht Futtermischungen aus dem Mutterhaus, der Obermühle. Mit den 120 Arbeitsplätzen von Schwyter beschäftigt die Gruppe künftig deutlich über 500 Mitarbeitende.

Die Kontinuität sicherstellen wird Geschäftsführer Frank-­Peter Rihlmann, der mit den Schwyterschen Grundsätzen bestens vertraut sei, wie betont wird. Dazu gehörten die in der Produktion seit alters gepflegte lange Teigruhe – denn Kundentreue sei nur zu erreichen, wenn täglich Backwaren von höchster Qualität angeboten würden. «Unser Ziel ist, die Stellung von Schwyter mit innovativen Produkten und Dienstleistungen weiter auszubauen», sagt Stöckli.

«Emotionen sind dabei»

Zur Kontinuität trägt auf personeller Ebene bei, dass die Familie Schwyter dem Unternehmen weiterhin verbunden bleibt und auch im neuen Verwaltungsrat vertreten ist, konkret mit Patrick Schwyter aus der dritten Generation. Matthias Schwyter verhehlt indessen nicht, dass der Verkauf trotz positiver Weichenstellung einen Einschnitt darstellt. «Trotz sachlicher Gründe sind Emotionen dabei.» Die Bäckerei ist seit 1903 in St. Gallen beheimatet und zweifellos Teil der Stadt. Nicht nur das Stammhaus an der Neugasse machte sich einen Namen. In der Stadt selber werden heute acht Quartiere mit Brot und Backwaren versorgt. Hinzu kommen Filialen im Appenzellerland, im Rheintal und in Eggersriet.

2014 investierte Schwyter in eine neue Backstube im Osten St. Gallens. Im Frühling 2018 wird dann im neu gestalteten St. Galler Hauptbahnhof der 15. Standort eröffnet. Ein weiteres Geschäft ist der Catering-Service, der wichtiger Bestandteil des Unternehmens bleiben soll.

«Mit viel Freude haben wir über drei Generationen hinweg die Entwicklung des Betriebs gestaltet und begleitet», halten Gaby und Matthias Schwyter im Namen der ganzen Familie fest. Nun sei es an der Zeit, jüngere Hände ans Werk zu lassen.

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