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Baarer Kryptofirma Envion wird liquidiert – Was geschieht mit den Investorengeldern?

Das Kantonsgericht Zug hat die Liquidation der Envion AG angeordnet. Nun stellt sich die Frage, was mit den eingesammelten Millionen passiert. Unter den Investoren befinden sich viele Schweizer.
Maurizio Minetti
Mit mobilen Mining-Containern wollte Envion Geld verdienen. (Bild: PD)

Mit mobilen Mining-Containern wollte Envion Geld verdienen. (Bild: PD)

Die junge Geschichte der Baarer Envion AG neigt sich bereits dem Ende zu. Das Zuger Kantonsgericht hat am 14. November 2018 die Liquidation der Firma angeordnet, wie am Montag bekannt geworden ist. Die Liquidation erfolge durch das Konkursamt des Kantons Zug, bestätigt das Gericht auf Anfrage unserer Zeitung. Grund für den Gerichtsentscheid soll offenbar das Fehlen einer Revisionsstelle sein.

Die Envion AG wurde erst vor einem Jahr gegründet. Das Geschäftsmodell sah vor, dass Envion Container für die Herstellung von Kryptowährungen betreibt. Diese Mining-Container sollten jeweils dort eingesetzt werden, wo der Strom gerade am günstigsten ist. Im Januar 2018 beschaffte sich die Firma mit einem sogenannten Initial Coin Offering (ICO) bei 37'000 Investoren Kapital in Form von Kryptowährungen. Wer als Investor an einem ICO partizipiert, ­bezahlt üblicherweise mit herkömmlichen Kryptowährungen wie Bitcoin und Ether und erhält im Gegenzug sogenannte Token. Der grösste Teil des eingesammelten Geldes wurde später in US-Dollar getauscht. Mit einem Volumen von rund 100 Millionen US-Dollar war es damals eines der grössten ICOs weltweit.

Doch schon kurz nach dem ICO brach zwischen den Envion-Gründern um Michael Luckow und dem CEO ein Streit aus. CEO war der ehemalige TV-Journalist Matthias Woestmann. Seitdem decken sich die beiden Parteien mit Klagen ein. Woestmann ­beschuldigt die Gründer, bis zu 40 Millionen weitere Token ohne Genehmigung des Verwaltungsrats erzeugt zu haben und den daraus resultierenden Gewinn über verschiedene Kryptobörsen «gewaschen» zu haben. Luckow weist die Vorwürfe zurück und spricht von einem «putschartigen Ausschluss der Gründer».

Finma ermittelt weiterhin

Die Finanzmarktaufsicht Finma hat bereits im Juli ein Enforcement-Verfahren gegen Envion eingeleitet und Woestmann seiner Funktion enthoben. Derartige vorsorgliche Massnahmen erlässt die Finma auf der Grundlage ihres Auftrages, die Anleger zu schützen. Die Token haben nach Auffassung der Finanzmarktaufsicht eine anleihenähnliche Form. Die Herausgabe erfordert darum eine besondere Lizenz.

Man sei über das Urteil des Zuger Kantonsgerichts im Bild, heisst es bei der Finma auf Anfrage. Es handle sich dabei um eine zivilgerichtliche Massnahme, die vom Finma-Verfahren unabhängig sei, präzisiert ein Sprecher. Das Enforcement-Verfahren der Finma gegen Envion laufe weiter.

Nun stellt sich die Frage, was mit den Mitteln aus dem ICO nach der Liquidation der Firma passiert. Der Berliner Rechts­anwalt István Cocron führt Schadenersatzklagen für Envion-Anleger. Seiner Schätzung zufolge ist das ursprünglich 100 Millionen US-Dollar grosse Vermögen wegen des Wertzerfalls der Kryptowährungen auf rund die Hälfte geschrumpft.

Unter den Investoren, die um ihr Geld bangen, befänden sich viele Schweizer: «Wir vertreten etwas mehr als hundert Anleger. Ein Drittel davon kommt aus der Schweiz», sagt Cocron. Er stehe mit Schweizer Rechts­anwälten in Kontakt, um die Inter­essen der Investoren auch im Rahmen des Liquidationsverfahrens gewährleisten zu können.

Anwalt István Cocron. (Bild: PD)

Anwalt István Cocron. (Bild: PD)

Cocron erachtet die Chance, dass die Investoren ihr Geld zurück­bekommen, als gut. «Nach den Angaben im Prospekt von Envion sind die Token mit einem US-Dollar pro Token nach 30 Jahren zur Rückzahlung fällig. Durch das ­Liquidationsverfahren dürfte die Fälligkeit aber bereits jetzt eingetreten sein.» Das Problem sei ­allerdings, dass eine Liquidation viele Jahre dauern könne. Ausserdem lägen mehrere Millionen der eingesammelten Gelder nicht auf den Konten von Envion, sondern bei den Gründern.

Premiere im Konkursrecht

Der Fall dürfte weltweit eine Premiere im Bereich des Schuld­betreibungs- und Konkursrechts sein. Cocron geht davon aus, dass dies die erste Liquidation einer AG ist, deren Gläubiger in erster Linie Inhaber tokenisierter Rechte sind.

Die Liquidation ist allerdings noch nicht definitiv. Der Entscheid kann noch ans Obergericht weitergezogen werden. Die einzige Partei, die das Urteil weiterziehen kann, ist die von der Finma als Untersuchungsbeauftragte eingesetzte Anwaltskanzlei GHR. Dort heisst es auf Anfrage, der Gegenstand der Untersuchung sei vertraulich. Das Obergericht äussert sich ebenfalls nicht dazu, ob ein Weiterzug bereits erfolgt ist oder nicht.

Die Gründer selbst sind zwar nicht am Verfahren beteiligt, warnen aber trotzdem vor einer Liquidation. In einer Mitteilung lässt sich Michael Luckow zitieren: «Wir wollen keine Liquidation. Wir haben alles dafür getan, um eine Liquidation zu verhindern. Eine Liquidation wäre das Werk und das Ziel von Matthias Woestmann, der davon zum Schaden der Investoren profitieren könnte. Seine Vorstellung ist, dass Investoren ihre Kryptowährungen zurückerhalten, aber aufgrund deren Preisverfalls dann freie Mittel in der Envion AG für ihn persönlich zur Verfügung ­stehen.» Woest­mann selbst gibt sich in einer separaten Mitteilung überzeugt, dass die Gläubiger der Envion AG ihr Geld zurückerhalten werden.

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