Axpo verliert in der Strom-Super-League

Die Rezession hat 2009 den Verbrauch und die Marktpreise von Strom sinken lassen. Alpiq meisterte diesen Einbruch besser als die Axpo.

Hanspeter Guggenbühl
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Zürich. Die Stromunternehmen Atel und EOS vereinten sich 2009 zur Alpiq, zum grössten Schweizer Stromkonzern. Gemeinsam mit der Nummer zwei, der Axpo, dominiert Alpiq das Schweizer Stromgeschäft: Die beiden kontrollieren 70% der Stromproduktion und des Stromabsatzes im Inland. Zudem produzieren beide wachsende Mengen an Strom im Ausland und mischen im europäischen Stromhandel mit.

Alpiq als Krisengewinnerin

Die Wirtschaftskrise bewältigten die beiden Stromgiganten unterschiedlich, wie ihre Geschäftszahlen für 2009 zeigen:

• Die Alpiq hat ihren Stromabsatz um 4% erhöht, obwohl der europäische Stromverbrauch um 4% schrumpfte. Der Absatz der Axpo hingegen sank um 6%. Den Anteil ihrer Eigenproduktion am gehandelten Strom konnten beide Konzerne steigern, weil sie ihre Kraftwerk-Kapazität im Ausland vergrösserten, und weil 2009 mehr Wasser auf die Turbinen der Schweizer Kraftwerke floss.

• Die sinkenden europäischen Marktpreise verminderten den wertmässigen Umsatz im Stromgeschäft – bei der Alpiq stärker (–9% auf 12,8 Mrd. Fr) als bei der Axpo (–2% auf 6,7 Mrd. Fr). Grund: Die Alpiq verkauft einen höheren Anteil ihres Stroms auf dem europäischen Markt als die Axpo, die mehr Strom zu stabilen Tarifen in ihre inländischen Versorgungsmonopole liefert.

• Der Betriebsgewinn im Energiegeschäft schrumpfte bei der Alpiq um 7% auf 1,06 Mrd. Fr. und damit weniger stark als bei der Axpo (–28% auf 848 Mio. Fr.). Grund: Im Unterschied zur Axpo konnte die Alpiq die tieferen Margen, welche die sinkenden Preise den Stromverkäufern bescherten, mit der höheren Absatzmenge teils kompensieren. Zudem profitiert die Alpiq mit ihren – durchschnittlich – tiefen Stromproduktionskosten davon, dass die Stromtarife im welschen Versorgungsmonopol

der EOS deutlich höher sind als im Nordostschweizer Versorgungsmonopol der Axpo-Tochter NOK.

Milliarden für neue Kraftwerke

Im laufenden Geschäftsjahr erwartet die Alpiq ein ähnliches, die Axpo ein schlechteres Geschäftsergebnis als 2009. So meldete die Axpo-Tochter EGL gestern, dass sich ihr Jahresgewinn 2010 voraussichtlich halbieren wird, nachdem er schon 2009 geschrumpft war.

Mittelfristig hingegen rechnen beide führenden Schweizer Stromkonzerne mit steigender Nachfrage nach Strom und investieren Milliarden kräftig in neue Produktionsanlagen.

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