Axpo macht mehr Gewinn - trotzdem gibt es keine Dividende für die Kantone

Der Stromkonzern Axpo hat im Geschäftsjahr 2018/19 (per Ende September) deutlich mehr verdient. Der Gewinn stieg auf 865 Millionen Franken, verglichen mit 131 Millionen im Vorjahr, wie der grösste Schweizer Stromkonzern am Mittwoch bekannt gab.

Leo Eiholzer
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Der Stromkonzern Axpo hat vom Anstieg der Preise am europäischen Strommarkt profitiert und deutlich mehr Gewinn ausgewiesen - im Bild Strommasten in Beznau.

Der Stromkonzern Axpo hat vom Anstieg der Preise am europäischen Strommarkt profitiert und deutlich mehr Gewinn ausgewiesen - im Bild Strommasten in Beznau.

KEYSTONE/ENNIO LEANZA

Thomas Sieber, Verwaltungsratspräsident und Konzernchef ad interim, sagte es gleich zu Beginn der Bilanzpressekonferenz: «Wäre es ein Fussballspiel, war in diesem Geschäftsjahr jeder Schuss ein Tor.» Die Axpo präsentierte nach mehreren harten Jahren mit Verlusten von bis zu 1,25 Milliaden starke Zahlen. Der Energiekonzern schreibt ein positives Betriebsergebnis von 850 Millionen Franken vor Zinsen und Steuern. Ohne einmalige Sondereinflüsse sind es 542 Millionen Franken. Das ist ein Anstieg von 56 Prozent zum Jahr davor.

Der Erfolg erstreckt sich über alle Geschäftsbereiche, geht aber massgeblich auf das Rekordergebnis beim Handelsgeschäft zurück. Die Sparte Handel und Betrieb steigerte ihr Ergebnis von 230 auf 323 Millionen Franken. Dafür sind vor allem langfristige Strom-Abnahmeverträge bei Solar- und Windparks verantwortlich. Der Löwenanteil davon wurde in Skandinavien und auf der iberischen Halbinsel abgeschlossen. Die Einmaleffekte sind im wesentlichen Aufwertungsgewinne. Mit der Steigerung der europäischen Strompreise hat der Energiekonzern auch die Anlagen in den Büchern aufgewertet.

Die Axpo ist voll im Besitz mehrerer Kantone. Zürich, der Aargau, St. Gallen und der Thurgau halten die grössten Anteile. Trotz des guten Ergebnisses erhalten diese keine Dividende. «Wir haben den Aktionären ganz klar kommuniziert, dass wir im Geschäftsjahr 2021 eine Dividende erarbeiten können. Ab dann sehen wir den Spielraum gegeben», sagte Verwaltungsratspräsident Thomas Sieber.

Im Schweizer Markt ist das Produktionsgeschäft von Axpo nach wie vor nicht profitabel. Das gute Ergebnis wurde im Ausland erzielt. «Es gibt einen Drei-Jahres-Verzug in der Preisentwicklung. Deshalb gehen wir davon aus, dass wir im übernächsten Jahr in Richtung des Break-Even kommen werden», sagte Finanzchef Joris Gröflin mit Blick auf die Schweiz.

Tamedia-Manager übernimmt als Konzernchef

Konzernchef Sieber legte wert darauf, dass die Axpo nun die «Phase des Turnarounds abgeschlossen» habe. «Wir mussten uns mit Restrukturierungen und sogar mit dem Überleben befassen. Jetzt beginnt ein neuer Zyklus», sagte Sieber. In diesen Zyklus führt die Axpo ein neuer Chef. Der bisherige CEO Andrew Walo gab im Sommer seinen Rücktritt bekannt. Er hatte das Unternehmen an der Talsohle übernommen und ein hartes Sparpaket umgesetzt.

Der neue Mann an der Spitze heisst Christoph Brand. Er ist bisher stellvertretender Konzernchef von Tamedia. Davor war er CEO von Sunrise. Sieber machte bereits gestern klar, dass er nächstes Jahr nicht erneut ein derart herausragendes Resultat erwarte. «Die Bäume wachsen nicht in den Himmel. Wir wollen 2019/2020 erneut ein gutes Ergebnis erzielen, werden aber das Resultat dieses Jahres sicher nicht einfach so wiederholen können.»