AVALOQ: Erleichterung im Bankenmarkt

Die Softwarefirma ist so bedeutend für das Schweizer Finanzsystem, dass ihre unlängst kolportierten Liquiditätsprobleme sogar den Regulator ins Grübeln brachten. Jetzt sorgt ein neuer Aktionär für Entspannung.

Daniel Zulauf, Zürich
Drucken
Teilen

Der vor 25 Jahren aus Martin Ebners BZ Bank hervorgegangene Bankensoftwarehersteller Avaloq erhält einen neuen Grossaktionär: Für 350 Mio. Fr. kauft die US-Investmentgesellschaft Warburg Pincus 35% der Aktien. Verkäufer sind Firmengründer Francisco Fernandez und seine über 2000 Mitarbeitenden. Ihr gemeinsamer Anteil an Avaloq sinkt von 90% auf 55%. «Das ist genau die Stabilität, die wir brauchen» – so habe die Eidg. Finanzmarktaufsicht (Finma) den Deal kommentiert, sagte Fernandez.

Avaloq wird nicht direkt von der Finma beaufsichtigt, gilt aber als einer der beiden führenden Anbieter von Softwaresystemen (neben Finnova) für die hiesige Kreditwirtschaft durchaus als systemrelevant für den Bankensektor. Jede fünfte Bank in der Schweiz mit zusammen fast der Hälfte aller Bankangestellten ­betreibt ein Avaloq-System.

Entsprechend nervös reagierte die Branche letzten Herbst, als Gerüchte über Liquiditätsprobleme Avaloqs aufgekommen waren. Ein teurer Projektabbruch in Deutschland, der Avaloq laut Branchenkennern deutlich mehr als 50 Mio. € gekostet haben soll, machte die Stimmung nicht besser. Nachdem aber Avaloq schon letzten Monat beruhigende Geschäftszahlen vorgelegt hat, dürfte der nun angekündigte Deal zusätzlich für Entspannung sorgen.

«Eigene Kuhherden zur Gewinnung des Leders»

Fernandez begründet den Teilverkauf seiner Anteile (er hält nach Abwicklung der Transaktion vor den Sommerferien nur noch 28% der Aktien) mit ehrgeizigen Wachstumszielen Avaloqs, deren Erreichen einen starken Partner erfordere. Mit Warburg Pincus habe man einen «perfekten» Partner gefunden, der das Unternehmen auf dem Weg an die Börse begleiten könne. In der Mitteilung wird der zeitliche Horizont der Warburg-Pincus-Beteiligung auf rund sieben Jahre beziffert. Vor den Medien war aber von einem Börsengang in drei bis vier Jahren die Rede. In dieser Periode will Avaloq den Umsatz auf rund 1 Mrd. Fr. verdoppeln.

Weit oben auf der Prioritätenliste steht eine geografische Expansion. In der Vergangenheit war Avaloq vor allem durch den Verkauf von Gesamtlösungen (Kernbankensoftware) gewachsen. Inzwischen expandiert das Unternehmen auch stark über Business-Process-Outsourcing-Hubs, die den angeschlossenen Banken die Auslagerung von Funktionen wie Zahlungsverkehr oder Wertpapierabwicklung ermöglichen. Avaloq werde künftig stärker von den laufenden Einnahmen aus solchen Dienstleistungen als vom reinen Softwareverkauf leben, sagte Fernandez. Er sieht vor allem im deutschen Markt erhebliches Wachstumspotenzial. Angesprochen auf die Arbeitsteilung der dortigen Kreditwirtschaft sagte Fer­nandez: «Wenn die deutsche Automobilindustrie immer noch so arbeiten würde wie die Banken, müssten sie noch eigene Kuhherden zur Gewinnung des Leders für die Sitzbezüge unterhalten.»

Daniel Zulauf, Zürich