AUTOZULIEFERER: Den grössten Wirren getrotzt

Der Industrielle Michael Pieper sieht die Erfahrungen aus dem VW-Skandal nicht nur negativ. Er glaubt an eine Normalisierung der Gesprächskultur unter Herstellern und Zulieferern.

Daniel Zulauf
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Kenner der Branche: In Michael Piepers Artemis Holding finden sich auch einige Autozulieferer. (Bild: Ennio Leanza/Keystone (Zürich, 2. Juni 2015))

Kenner der Branche: In Michael Piepers Artemis Holding finden sich auch einige Autozulieferer. (Bild: Ennio Leanza/Keystone (Zürich, 2. Juni 2015))

Daniel Zulauf

«Wir können wieder normal miteinander reden», sagt der Industrielle Michael Pieper auf die Frage, was sich ein Jahr nach Dieselgate für seine Feintool-Gruppe und die anderen Autozulieferfirmen in seinem breitgefächerten Beteiligungsportefeuille verändert habe. Der Skandal um manipulierte Abgaswerte ist inzwischen längst über Wolfsburg hinausgewachsen und hat grosse Teile der internationalen Automobilindustrie erfasst. Geschadet hat er den Schweizer Lieferanten aber offenbar kaum, mindestens nicht sichtbar.

Feintool ist eine Firma mit 2300 Mitarbeitern und 552 Mio. Fr. Jahresumsatz, die zu mehr als 50% zu Piepers Artemis Group gehört (siehe auch Kasten). Sie hat für 2016 das beste Ergebnis in der Firmengeschichte ausgewiesen. Auch die kleinere Adval Tech ist nach einer Restrukturierungsphase wieder im Aufwind. Die Aktie hat seit Anfang 2016 um 83% zugelegt, was Grossaktionär Pieper (über 20%) mit der «konsequenten Fortführung der Fokussierungsstrategie» sowie mit dem Verkauf eines Geschäftssegmentes erklärt. Autoneum (Pieper-Anteil über 20%), die früher ein Teil des Rieter-Konzerns war (Pieper-Anteil über 11,5%), glänzte 2016 mit einer Gewinnverdoppelung, die den Aktienkurs um 38% steigen liess.

Alles andere als selbstverständlich

Die guten Geschäfte der Artemis Group in der Automobilindustrie sind mit Blick auf das turbulente Vorjahr alles andere als eine Selbstverständlichkeit. Zumal auch Pieper einräumt, dass die VW-Affäre für einige «Ernüchterung» in der Branche gesorgt habe. Die Ernüchterung unter den Zulieferbetrieben kommt für Anja Schulze, Professorin am Institut für Betriebswirtschaftslehre der Universität Zürich und Leiterin des Swiss Center for Automotive Research (swiss CAR), nicht von ungefähr. «Die Gesprächskultur mit den Herstellern ist harsch», weiss die Wissenschafterin aus eigenen Quellen in der Industrie. «Ich höre auch nichts von einer generellen Änderung der Tonalität seit Dieselgate», sagt sie.

Für eine Entspannung, wie sie Pieper erlebt und sich auch langfristig wünschen dürfte, sieht Schulze wenig Chancen. «Dafür haben die Hersteller schlicht zu viel Macht gegenüber ihren Lieferanten.»

In jüngerer Vergangenheit hätten die Automobilhersteller im Bestreben, ihre eigene Rentabilität zu steigern, immer eifersüchtiger auf die Gewinnausweise ihrer Lieferanten geschielt, schildert ein Branchenkenner die Lage. Auch seien die Hersteller bei Lieferpannen ihren Lieferanten schnell mit hohen Forderungen auf die Bude gestiegen. Dieses Risiko ist gewachsen, seit sich immer mehr Hersteller nur noch auf einen einzigen Zulieferer und diese wiederum nur noch auf einen einzelnen Unterlieferanten pro Thema (Single-Source-Strategie) festgelegt haben.

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