Automobilzulieferer
ZF Friedrichshafen fährt gewaltig ins Minus – Hoffnung auf kräftige Erholung – ZF will Standorte verkaufen

Im Coronajahr 2020 hat ZF Friedrichshafen einen Verlust in Höhe von 741 Millionen Euro eingefahren. Bis 2023 soll der Entwicklungsstandort Kressbronn am Bodensee geschlossen und verkauft werden.

Stefan Borkert
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ZF befindet sich in einer Phase der Neuausrichtung auf Elektromobilität.

ZF befindet sich in einer Phase der Neuausrichtung auf Elektromobilität.

Bild: PD

Als letzte Woche ZF Friedrichshafen die Geschäftszahlen für das Jahr 2020 vorgestellt hatte, da war die Stimmung bei Vorstandschef Wolf-Henning Scheider nicht so schlecht, wie das Ergebnis vermuten liess. 2019 konnte das Unternehmen noch einen Gewinn von 400 Millionen Euro verkünden. Im Coronajahr waren es 741 Millionen Euro Verlust. Der Umsatz brach ebenfalls ein, und zwar um elf Prozent, und betrug noch knapp 33 Milliarden Euro. Scheider ist optimistisch, dass sich die Wirtschaft noch dieses Jahr kräftig erholt. Und ausserdem seien im zweiten Semester 2020 bereits wieder schwarze Zahlen geschrieben worden.

ZF beschäftigt weltweit gut 153'000 Mitarbeitende an 260 Standorten in 40 Ländern. Der Konzern hat sich ein hartes Sparprogramm auferlegt und befindet sich in einer Neuausrichtung. So gab das Unternehmen als Grund für das Minus unter anderem hohe Rückstellungen für den Stellenabbau an. Weltweit sollen 15'000 Jobs abgebaut werden. Fast 6500 sind bereits dem Rotstift zum Opfer gefallen.

Fehlende Mikrochips bereiten Sorgen

Konzernchef Wolf-Henning Scheider, ZF Friedrichshafen.

Konzernchef Wolf-Henning Scheider, ZF Friedrichshafen.

Bild: PD

ZF setzt für die Zukunft ganz auf die Elektromobilität. Scheider sagte, dass er mit einer deutlichen Erholung dieses Jahr und einem Umsatz von gegen 39 Milliarden Euro rechne. Allerdings bereiten dem Unternehmen die Lieferengpässe bei Mikrochips Sorgenfalten. Immerhin sind bis Ende 2020 bereits Aufträge mit einem Gesamtvolumen von 14 Milliarden Euro eingegangen. Dabei handelt es sich in erster Linie um elektrische Antriebskomponenten. Laut Scheider ging der wachsende Auftragseingang auch mit Beginn des Jahres 2021 weiter.

ZF schliesst Standort am Bodensee und plant weitere Schliessungen

Derweil sorgen Schlagzeilen der Regionalzeitung «Südkurier» für Unruhe. Der Entwicklungsstandort Kressbronn soll demnach bis in zwei oder drei Jahren geschlossen werden. Die Entwicklerteams will man nach Friedrichshafen verlegen und den Standort Kressbronn verkaufen. Insgesamt geht es um 250 Mitarbeitende. Nach Angaben der Zeitung werden wohl weitere Standortschliessungen folgen. Dabei soll es sich um zwei britische Standorte und einen in Frankreich handeln. Konzernchef Scheider bestätigte demnach, dass man Standorte, die nicht rentabel seien, in Frage stelle.