Automobilzulieferer
ZF Friedrichshafen erhält Grossauftrag von VW – Rückgewinnung von Bremsenergie erhöht Reichweite der Elektroautos

Jetzt kommt die Elektromobilität in Fahrt. ZF hat vom VW-Konzern einen Millionenauftrag erhalten. Künftig arbeitet in den Volkswagen-Modellen ID.3 und ID.4 serienmässig ein regeneratives Bremssystem von ZF Friedrichshafen.

Stefan Borkert
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Das neueste Bremsregelsystem von ZF optimiert die Rückgewinnung von Bremsenergie zur Erhöhung der Reichweite von E-Fahrzeugen.

Das neueste Bremsregelsystem von ZF optimiert die Rückgewinnung von Bremsenergie zur Erhöhung der Reichweite von E-Fahrzeugen.

PD

ZF etabliert sich mit einem weiteren Serienauftrag als Technologie- und Systemlieferant für die Elektromobilität: In mehreren Millionen Fahrzeugen des Volkswagen-Konzerns, etwa in den Modellen ID.3 und ID.4 und im gesamten MEB (Modularer E-Antriebs-Baukasten) sollen serienmässig die neueste Generation eines ZF-Bremsregelsystems eingesetzt werden. Es optimiert die Rückgewinnung von Bremsenergie und erhöht damit die Reichweite von elektrischen Fahrzeugen, schreibt ZF in einem Communiqué.

Unterstützung bei Fahrassistenzfunktionen

Mit einer optimierten Software-Schnittstelle lässt sich das neue Bremssystem einfacher in die Elektronikarchitektur der Autos einbinden und vernetzen. Das ZF-System unterstützt dabei auch Fahrerassistenzfunktionen wie die automatische Notbremsung und ersetzt vormals notwendige mechanische Komponenten durch Softwarefunktionen, was Gewicht und Kosten spart. Gegenüber dem Fachblatt «Automobilproduktion» sagt der ZF-Vorstandsvorsitzende Wolf-Henning Scheider:

Wolf-Henning Scheider, CEO ZF Friedrichshafen

Wolf-Henning Scheider, CEO ZF Friedrichshafen

PD
«Der aktuelle Lieferauftrag von Volkswagen zeigt, wie auch unsere Kompetenzen für Bremssysteme sowie für Systemvernetzung einen Beitrag leisten, die Reichweite der Elektrofahrzeuge unserer Kunden zu erhöhen.»

Technisch basiert die ZF-Bremsregelung auf einer Kombination von elektronischem Bremskraftverstärker (EBB) und elektronischer Stabilitätskontrolle (ESC). Zusammen bilden die beiden Komponenten eine Bremsarchitektur, die einen elektrischen Bremskraftverstärker für verbesserte Bremsbetätigung und elektronische Stabilitätskontrolle kombiniert, heisst es weiter. Manfred Meyer, Leiter Engineering des Geschäftsfelds Aktive Sicherheit, Bremssysteme und Lenkungssysteme von ZF betont:

ZF-Chefingenieur Manfred Meyer

ZF-Chefingenieur Manfred Meyer

PD
«Das ZF-Bremssystem kann die intelligente Integration in einem Elektroauto auf unterschiedliche Weise nutzen. So kann beispielsweise auf eine mechanische Parksperre im Antrieb verzichtet werden.»

Eine Softwarefunktion sorge dafür, dass das Fahrzeug im Parkmodus sicher von der elektrischen Parkbremse festgehalten werde. Diese Funktion werde innerhalb des ESC und in der EBB-Einheit gesteuert. Das spare Gewicht und Kosten.

Produktion der Bremssysteme in Polen

Welche Umsätze sich ZF von der Lieferung der Bremssysteme erhoffen kann, dazu machte das Unternehmen keine Angaben. In einem Bericht des Fernsehsenders SWR heisst es, dass der ZF-Betriebsrat die umfangreiche Zusammenarbeit mit VW begrüsse. Er bedauere aber gleichzeitig, dass die Bremssysteme nicht an einem deutschen Standort, sondern im ZF-Werk Gliwice in Polen hergestellt werden.

Auch am geplanten Stellenabbau will ZF trotz des Grossauftrags festhalten und bis zu 15'000 Arbeitsplätzen in den kommenden Jahren streichen, heisst es im SWR-Bericht weiter. Im vergangenen August hatte der Autozulieferer mitgeteilt, er habe im ersten Halbjahr 2020 einen Verlust in Höhe von 177 Millionen Euro gemacht. Die Coronapandemie und die damit verbundene Wirtschaftskrise hätten zu massiven Umsatzeinbrüchen geführt.

Die ZF Friedrichshafen AG

Das Forschungs- und Entwicklungszentrum am Konzernsitz von ZF in Friedrichshafen.

Das Forschungs- und Entwicklungszentrum am Konzernsitz von ZF in Friedrichshafen.

PD

Die ZF Friedrichshafen AG mit Sitz in Friedrichshafen ist der weltweit fünftgrösste Automobilzulieferer und zählt zu den weltweit führenden Unternehmen auf dem Gebiet der Antriebs- und Fahrwerktechnik. Der ZF-Konzern gab an, im Geschäftsjahr 2020 an rund 260 Standorten in 41 Ländern mit 160'000 Mitarbeitenden vertreten zu sein.