Autobauer Fiat will Chrysler ganz

Fiat-Chef Sergio Marchionne will einer der wenigen globalen Autobauer sein. Mit der Komplettübernahme von Chrysler rücken die Italiener diesem Ziel näher.

Wolf H. Wagner
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FLORENZ. 2020 soll es in der Erwartung Marchionnes nur noch sechs grosse Autokonzerne geben, und Fiat soll dazu gehören. Derzeit besitzt der Turiner Autobauer bereits 59% der Chrysler-Aktien. Gestern gab Fiat-Präsident John Elkann bekannt, man wolle nun auch die übrigen 41% des US-Autobauers übernehmen. Die erforderlichen 10 Mrd. $ sollen von einem Bankenkonsortium, bestehend aus Bank of America, Deutscher Bank, BNP Paribas und Goldman Sachs, abgesichert werden. 3,5 bis 4 Mrd. $ braucht Fiat zum Erwerb der Aktien, das restliche Geld soll der Tilgung von Chrysler-Schulden dienen.

Den Giganten die Stirn bieten

«Wir sind überzeugt, dass wir jetzt voranschreiten und mit Fiat und Chrysler eine gemeinsame Zukunft gestalten müssen», sagt Elkann. Mit Marken wie Fiat, Alfa Romeo, Maserati, Jeep und Dodge will der Fiat-Chrysler-Konzern den Mitbewerbern wie Volkswagen, General Motors, Toyota oder Daimler auf dem Weltmarkt Paroli bieten. Bis 2014 sollen etwa 20 neue Modelle der diversen Fiat-Töchter auf den Markt kommen.

Sorge um die Fiat-Standorte

Sowohl die italienischen Ministerien für Wirtschaft und Industrie als vor allem auch die Gewerkschaften zeigen sich besorgt über den Fortbestand der italienischen Standorte. Der Minister für wirtschaftliche Entwicklung, Flavio Zanotta, hatte Fiat erst kürzlich aufgesucht. «Fiat produziert hier immerhin 420 000 Autos jährlich, das sind 30 Prozent des Binnenmarktes, also keine gering zu schätzende Grösse», sagt Zanotta.

Fiat muss allerdings noch Auflagen des Gerichts von Delaware erfüllen, das der Komplettübernahme Chryslers durch die Italiener erst zustimmen muss. Dazu gehören erhebliche Zahlungen ins amerikanische Sozialsystem. Die Gesamtsumme könnte für den Turiner Konzern dadurch doch noch höher werden als die angenommenen 4 Mrd. $.

Elkann garantiert aber volle Unterstützung des Plans, so dass die Übernahme Mitte Juli abgeschlossen sein könnte. Auch kündigte Elkann an, Marchionne werde den Konzern weiterhin führen. Gerüchte hatten besagt, der Chef könnte Mitte 2015 abtreten.