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AUTOBAU: Carlos Ghosn bleibt Herrscher bei Renault

Der Konzernchef hält sich an der Macht – nach einem Spitzenresultat und einer Lohnsenkung.
Stefan Brändle, Paris

Es war eng, aber es hat gereicht: Nach etlichen Zugeständnissen bleibt Carlos Ghosn Alleinherrscher beim französisch-japanischen Autoverbund Renault-Nissan. Dessen Verwaltungsrat hat den charismatischen, seit 2005 tätigen Konzernchef mit libanesischen und brasilianischen Wurzeln für weitere vier Jahre im Amt bestätigt. Auch die französische Regierung, die 15 Prozent des ­Renault-Kapitals und 22 Prozent der Stimmrechte hält, stimmte der Verlängerung zu.

Eine Selbstverständlichkeit war das nicht. Ghosn war in den vergangenen Jahren wegen womöglich manipulierter Abgastests unter Druck geraten. Der heutige Staatspräsident Emmanuel Macron hatte sich zudem als früherer Wirtschaftsminister persönlich am Spitzenlohn Ghosns gestört: Er erhielt bisher 8 Millionen Euro als Chef von Nissan und 7 Millionen als Renault-Chef – zusammen also 15 Millionen Euro.

Glänzende Geschäfte und Rochaden an der Spitze

Jetzt akzeptiert Ghosn eine Senkung seiner Renault-Bezüge um 30 Prozent. Dass er seinen Job rettete, hat er aber auch dem glänzenden Geschäftsgang zu verdanken. In einer weltweit günstigen Autokonjunktur legte Renault gestern einen um die Hälfte auf 5,1 Milliarden Euro gesteigerten Reingewinn vor. Dazu trägt wie üblich die Überkreuzbeteiligung mit Nissan bei, von der Renault seit Jahren mit Milliardensummen profitiert.

Auch der Umsatz stieg, und zwar um 15 Prozent auf 58,8 Milliarden Euro. Schon vergangenen Monat hatte Ghosn vollmundig verkündet, 2017 sei Renault-Nissan mit 10,6 Millionen verkauften Autos erstmals zum weltgrössten Autobauer aufgestiegen. Die Volkswagen-Gruppe verkaufte vergangenes Jahr 10,5 Millionen Autos – plus 200000 Lastwagen, was dem deutschen Konzern noch einmal knapp die Führungsposition gewährleistet.

Ghosn setzte den angeblichen Spitzenplatz in Paris mediengerecht ein, um seinen Job zu wahren. Präsident Macron hätte es nicht ungern gesehen, wenn sich Ghosn auf das Präsidium des Verwaltungsrats beschränkt und einen Nachfolger für das operative Geschäft ernannt hätte. Der meist zitierte Name war Stefan Müller. Der deutsche Ex-Manager von VW und BMW war 2012 zu Renault gestossen und leitete dort das Europageschäft; laut «Le Monde» galt er als Ghosns «am meisten motivierter» Kronprinz.

Doch Müller ist nun, wie Renault bestätigte, aus der Firma ausgeschieden. Die genannten «gesundheitlichen Gründe» scheinen eher aus Frustration zu bestehen: Müller musste einsehen, dass er nicht weiterkommen würde. Ghosn hält sich vier weitere Jahre im Amt, und zudem ernannte er gestern einen neuen Vizechef in der Person Thierry Bollorés. Dieser diskrete, aber gut vernetzte Wettbewerbsdirektor bei Renault genoss auch den Vorzug der Regierung. Sie plädierte unverhohlen für einen Franzosen als Vizechef, der automatisch als aussichtsreichster Anwärter auf den Chefposten im Jahr 2022 gilt.

Stefan Brändle, Paris

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