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AUSVERKAUF: Schleichender Niedergang eines kleinen Imperiums

Die grossen Schweizer Zeitungsverlage haben ihre Wurzeln fast unisono in grossen Städten. Eine von wenigen Ausnahmen war bis gestern der Wiler Zehnder-Verlag mit seinen Gratiszeitungen. Nun ist er verkauft.
Hans Suter
Wochenzeitungen verkauft: Jacqueline und Andreas Zehnder. (Bilder: PD)

Wochenzeitungen verkauft: Jacqueline und Andreas Zehnder. (Bilder: PD)

Er wirkt gepflegt, hat ein sicheres, zuweilen bestimmtes Auftreten und wirft seine Netze zielsicher dort aus, wo Anzeigen zu holen sind: Andreas Zehnder (52), Verleger aus Wil. Er war bis gestern Herr über zwei Dutzend Gratis-Wochenzeitungen mit mehreren Splits in einer Gesamtauflage von gut 720000 Exemplaren.

Dass er seine Zeitungen ausgerechnet an einen Verlag von Christoph Blochers Gnaden verkauft – an die BaZ Holding («Basler Zeitung») –, mag auf den ersten Blick erstaunen. Denn Zehnder ist kaum je als politischer Mensch aufgefallen. Den Umgang mit Geld und Macht hingegen ist er sich gewohnt. Das dürfte ihn auf dem einen und anderen Umweg in die Arme des verlegerischen Umfelds des SVP-Chefstrategen und ehemaligen Bundesrats Blocher geführt haben. Dem Vernehmen nach hat Zehnder seine Titel bereits früher einem grossen Verlag angedient, war aber nicht erfolgreich. Nun hat es geklappt. Zehnder ist die Titel los und verkleinert sein Unternehmen damit weiter. Über den Preis wurde Stillschweigen vereinbart. Ebenso darüber, ob auch ein WIR-Anteil fliesst.

Zehnder ist sich gewohnt, mit harten Bandagen zu kämpfen. In seinen verlegerischen Ansichten ist der smarte Unternehmer allerdings in den 1990er-Jahren stecken geblieben. Er gönnte seinen Mitbewerbern nichts, nur schon Brosamen waren der Milde zu viel. Konkurrenzkampf ist Konkurrenzkampf. Diesen führte er allerdings nur auf der Ebene der Inserate. Journalistisch vermochten die Gratisblätter wenig zu bewirken und sind in der Fachwelt kaum je eine Diskussion wert.

Aufgefallen sind hingegen die Methoden, mit denen Inserenten dazu gebracht wurden, Anzeigen zu schalten. Wie sich dies nach dem Verkauf der Titel an die BaZ Holding ändern wird, bleibt abzuwarten. Anzunehmen ist, dass Jacqueline und Andreas Zehnder im Innersten keine rosige Zukunft für die Titel sehen, sonst hätten sie nicht verkauft. Die Zeitungsdruckerei schlossen sie bereits vor gut einem Jahr und lassen seither bei Tamedia drucken.

Das Verlegerehepaar konzentriert sich nun auf die verbleibende Druckerei mit Zeitschriftenverlag. Die Zahl der Mitarbeitenden reduziert sich um weitere 190 auf noch 66 Personen, die sich 45 Vollzeitstellen teilen. Vater Rolf-Peter Zehnder, der Pionier des Gratiszeitungen-Imperiums, beschäftigte zu seinen besten Zeiten rund 500 Personen in Sparten wie Druck, Verlag, Gastronomie und Fitness.

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