Ausverkauf bei einer Ikone der US-Finanzwelt

Der Verkauf des internationalen Geschäfts von Merrill Lynch an Julius Bär ist gleich zweifach Folge der 2007 ausgelösten Immobilienkrise in den USA.

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BOSTON. Merrill Lynch, gegründet 1914, war lange eine der grossen Investmentbanken an der Wall Street. Noch heute ist sie einer der grössten Vermögensverwalter der Welt. Doch die Immobilienkrise, die 2007 ausbrach, hat Merrill Lynch ihre Unabhängigkeit gekostet. Die Bank hatte grosse Mengen an Immobilienschrottpapieren in den Büchern, ohne sie abzusichern. Ein neuer Chef – der ehemalige Börsenchef John Thain – versuchte ab Anfang 2008 mit Notverkäufen von Beteiligungen das Schiff wieder flottzumachen, konnte aber das Ruder nicht mehr herumreissen. Merrill Lynch hat laut der Agentur Bloomberg in der Immobilienkrise 51 Mrd. $ verloren. Im September 2008, einen Tag vor der Pleite der Rivalin Lehman Brothers, wurde Merrill Lynch von der Bank of America übernommen, für 50 Mrd. $ in Aktien. Ein Jahr später hiess es, Regierungsbehörden und Investoren hätten die Bank of America zu diesem Schritt gedrängt.

Auch der jetzige Verkauf des internationalen Geschäfts von Merrill Lynch an Julius Bär ist letztlich eine Folge der Immobilienkrise. Die Bank of America erarbeitete zuletzt zwar wieder Gewinne; sie leidet aber immer noch an der Übernahme der Immobilienfirma Countrywide Financial aus dem Jahr 2008. Noch 2011 musste die Bank of America 8,8 Mrd. $ Verluste aus der Übernahme Countrywides abschreiben.

Kritiker sehen für Julius Bär auch hohe Risiken. Merrill Lynchs Kerngeschäft, die Vermögensverwaltung auf dem amerikanischen Markt, ist seit langem hochprofitabel. Im Ausland floriert das Geschäft hingegen weniger gut. «Das Geschäft von Lynch ist nicht so gewinnträchtig. Zudem scheint der Kaufpreis angesichts der Integrationskosten ziemlich hoch», sagt Vontobel-Analystin Teresa Nielsen. Die Börse zweifelt ebenfalls: Die Bär-Aktie verlor 7,4%. (Dye)