Ausverkauf bei amerikanischen Staatsanleihen

BOSTON. Über ein Jahr lang hat die US-Notenbank (Fed) für niedrige Zinsen gesorgt und Staatsanleihen aufgekauft, um Geld in den Wirtschaftskreislauf des Landes zu pumpen. Das könnte spätestens nächstes Jahr enden, wie Fed-Chef Ben Bernanke vergangene Woche zu verstehen gab.

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BOSTON. Über ein Jahr lang hat die US-Notenbank (Fed) für niedrige Zinsen gesorgt und Staatsanleihen aufgekauft, um Geld in den Wirtschaftskreislauf des Landes zu pumpen. Das könnte spätestens nächstes Jahr enden, wie Fed-Chef Ben Bernanke vergangene Woche zu verstehen gab. Seither herrscht Nervosität an den Finanzmärkten. Die Aktienbörsen reagieren auf die Ungewissheit.

Kleine Tür, grosse Herde

Vor allem aber hat an der Wall Street ein Ausverkauf von Staatsanleihen begonnen. Mit seinem Aufkaufprogramm QE3 (Quantitative Easing, Phase drei) im Volumen von 85 Mrd. $ pro Monat hatte Bernanke die Anleger gelockt, ihr Kapital in Staatsanleihen investieren. Deren Preise stiegen entsprechend rasant. Nach Bernankes Worten, die steigende Zinsen und ein Ende der Konjunkturspritzen der Fed ab 2014 erwarten lassen, kehrt das Bild. Analyst Justin Lederer von Cantor Fitzgerald beschreibt die Flucht aus den Anleihen so: «Die Tür nach draussen ist nicht sehr gross, und alle wollen zur selben Zeit durch.»

Die Marktforscher Trim Tabs aus Kalifornien schätzen, dass die Investoren in den letzten vier Jahren 1200 Mrd. $ in Anleihen angelegt haben, auf der Suche nach einem sicheren Hafen. Seit Monatsbeginn aber haben sie bereits Anleihen für 48 Mrd. $ wieder verkauft. Das hat die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihe, die weltweit als Massstab für die Entwicklung auf dem Anleihemarkt gilt, auf ein 22-Monats-Hoch gepeitscht. Gestern lag die Rendite bei 2,56%, geringfügig unter dem Höchst seit August 2012 von 2,67%. Steigen die Renditen, so sinkt der Wert der Staatsanleihen. Und die Anleger flüchten in andere Papiere.

Zwang zum Verkauf

Die meisten Experten machen Bernankes Äusserungen für den Ausverkauf verantwortlich. Die Flucht aus den Anleihen ist teils aber auch darauf zurückzuführen, dass die Investoren Kasse machen wollen, bevor die Konjunkturstützen der Fed wegfallen. Und auch Angst spielt eine Rolle: Spekulanten, selbst institutionelle Anleger und Hedge-Fonds, dürften derzeit Anleihen abstossen wollen, die sie fremd finanziert gekauft hatten. Nomura-Stratege George Goncalves sagt: «Diese Bewegungen sind mehr als pure Hektik. Einige Leute müssen einfach verkaufen.» (Dye)