Auslieferung riskiert

US-Steuerstreit: Der in Deutschland verhaftete 50-Jährige wäre der zweite Schweizer, dem nach einer Auslieferung in die USA ein Prozess droht.

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Die St. Galler Privatbank Wegelin & Co. geschäftete über 250 Jahre lang. (Bild: Ralph Ribi (Ralph Ribi))

Die St. Galler Privatbank Wegelin & Co. geschäftete über 250 Jahre lang. (Bild: Ralph Ribi (Ralph Ribi))

Die US-Justiz gibt nicht auf. Roger Keller wäre der zweite Schweizer, der sich nach einer Auslieferung vor den US-Behörden verantworten müsste. Dass es sich beim in Frankfurt verhafteten 50jährigen Schweizer um Banker Roger Keller handelt, bestätigt offiziell niemand. «Das EDA kann zum jetzigen Zeitpunkt keine solche Verhaftung bestätigen. Abklärungen sind im Gange», sagt eine Sprecherin des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten. Auch die Schweizerische Bankiervereinigung weiss von nichts: «In die Details des Falles sind wir nicht involviert», sagt eine Sprecherin.

«Kein Kommentar»

Die Wen AG, die sich um die Verwaltung und Abwicklung von Rechten und Pflichten im Zusammenhang mit der früheren Geschäftstätigkeit von Wegelin & Co. kümmert, sei im Verfahren nicht involviert, sagt ein Mitarbeiter der Wen AG. Deshalb: Kein Kommentar. Bei der Notenstein Privatbank AG heisst es auf Anfrage: Die angeklagten Banker hätten nie für Notenstein gearbeitet. Kommunikationschefin Dominique Meier betont, Notenstein habe das Nicht-USA-Geschäft von Wegelin übernommen und habe deshalb von den US-Strafbehörden nichts zu befürchten.

Etwas zu befürchten hat aber Roger Keller, der in Stäfa im Kanton Zürich lebt. In den letzten Jahren, nach seiner Zeit bei Wegelin, war er selbständig in der Finanz- und Vermögensberatung tätig. Wieso er jetzt nach Deutschland reiste, ist unklar. Der Frankfurter Oberstaatsanwalt Alexander Badle gibt keine Auskunft, wohin Keller unterwegs war.

Sicherer Hafen Schweiz

In der Schweiz lief Keller nicht Gefahr, in die Hände der US-Justiz zu fallen. Denn: Die Bundesverfassung hält fest, dass Schweizer nur mit Einverständnis ausgeliefert werden dürfen. Im Zusammenhang mit dem US-Steuerstreit lieferte die Schweiz deshalb trotz Auslieferungsvertrag mit den USA bislang niemanden aus.

Der erste Schweizer, der nach seiner Auslieferung aus Italien in den USA vor Gericht stand, war Raoul Weil. Der ehemalige UBS-Manager wurde im November 2014 freigesprochen. Seit 2008 sind in den USA 38 Banker, Anwälte und Berater wegen Steuervergehen angeklagt worden. Bei rund zwei Dutzend stehen Gerichtsverfahren an, darunter Mitarbeiter der drei grössten Schweizer Banken. (miz/seb./rob)

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