Erstmals weniger Auslandgelder auf Schweizer Konten als Schweizer Vermögen

Bei der Verwaltung grenzüberschreitender Vermögen ist die Schweiz nach wie vor weltweit führend. In den hiesigen Bankdepots lagen Ende 2018 aber erstmals mehr Gelder aus dem Inland als aus dem Ausland.

Balz Bruppacher
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Vermögen von Ausländern auf Schweizer Konten sind seit Jahrzehnten ein Hauptpfeiler des hiesigen Finanzplatzes. Im Bild zu sehen: sämtliche Schweizer Banknoten. (Bild: Gaëtan Bally/Keystone (12. August 2010))

Vermögen von Ausländern auf Schweizer Konten sind seit Jahrzehnten ein Hauptpfeiler des hiesigen Finanzplatzes. Im Bild zu sehen: sämtliche Schweizer Banknoten. (Bild: Gaëtan Bally/Keystone (12. August 2010))

Seit zwei Jahrzehnten veröffentlicht die Schweizerische Nationalbank (SNB) Zahlen über die Wertschriftenbestände in den Kundendepots der Banken. Es handelt sich um die wichtigste offizielle Kennziffer über das Vermögensverwaltungsgeschäft des Finanzplatzes. Der monatlich erscheinenden Statistik ist zu entnehmen, dass es im vergangenen Jahr zu einem Bruch kam: Erstmals lagen Ende 2018 mehr Gelder aus dem Inland als aus dem Ausland in den Bankdepots. Von den insgesamt verwalteten Wertschriften in der Höhe von 5785 Milliarden Franken gehörten 2908 Milliarden Kunden aus dem Inland und 2877 Milliarden ausländischen Kunden.

Ein Jahr zuvor waren die ausländischen Vermögen mit einem Anteil von 50,9 Prozent noch knapp in der Mehrheit gewesen. 2005 hatten die von den Banken verwalteten Gelder aus dem Ausland mit 59,0 Prozent den höchsten Stand erreicht. Seit 2012 sinkt der Anteil kontinuierlich.

Ausländische Kunden haben mehr Aktien

Weil die SNB-Statistik aber weder die Kursentwicklung der Börsen noch die Wechselkursveränderungen berücksichtigt, sind Interpretationen des Bedeutungsverlusts der ausländischen Vermögen mit Vorsicht zu geniessen. Denn der Anteil der Aktien in den ausländischen Depots ist höher als bei der Schweizer Kundschaft. Gleiches gilt auch für den auf Fremdwährungen entfallenden Anteil. Die Börsenbaisse und die Frankenhausse bremsten die ausländischen Vermögen mit anderen Worten stärker als die inländischen.

Besonders deutlich wird diese Diskrepanz bei den Daten des Monats Dezember, als die Aktienbörsen stark unter Druck gerieten. Während die Wertschriftenbestände der inländischen Depotinhaber um 58 Milliarden oder 1,9 Prozent auf 2908 Milliarden Franken schrumpften, machte der Aderlass in den Depots der ausländischen Kundschaft 144 Milliarden Franken aus. Das entsprach einem Rückgang innert Monatsfrist um 4,8 Prozent auf 2877 Milliarden Franken.

Finanzkrise hat Spuren hinterlassen

Dass die Finanzkrise und die Aufhebung des Steuerbankgeheimnisses für Ausländer deutliche Spuren im Geschäft der hiesigen Banken mit reichen Kunden aus dem Ausland hinterlassen haben, zeigt der längerfristige Vergleich. Seit den Höchstständen im Oktober 2007 haben sich die von Ausländern gehaltenen Wertschriften in den Bankdepots um 356 Milliarden Franken auf 2877 Milliarden Franken verringert. Das entspricht einem Rückgang von 11 Prozent. Die Vermögen der inländischen Kundschaft nahmen hingegen um einen ­Drittel oder 721 Milliarden auf 2908 Milliarden Franken zu.

Bargeld: Tausendernoten neu rückläufig

Zwischen 2004 und 2017 ist der Umlauf der Schweizer Tausendernoten kontinuierlich gestiegen auf einen Höchststand von knapp 50 Millionen Stück. Letztes Jahr kam es erstmals wieder zu einem leichten Rückgang. Die Zahl der Tausendernoten verringerte sich innert Jahresfrist um 900 529 oder 1,8 Prozent auf 48621 860, wie der jüngsten Statistik der Schweizerischen Nationalbank zu entnehmen ist. Das ist auf den ersten Blick überraschend, tragen doch die anhaltenden Negativzinsen kaum dazu bei, Bargeldreserven aufzulösen. Der Blick auf die Entwicklung der einzelnen Notenabschnitte im Jahr bringt jedoch eine plausible Erklärung für den leichten Knick beim Umlauf der Tausendernote: Die 200er-Note hat der grössten Note nämlich insofern den Rang abgelaufen, als sich der Umlauf innerhalb eines Jahres um 7,8 Prozent erhöhte. Der Boom dürfte darauf zurückzuführen sein, dass im vergangenen August die neue 200er-Note herausgegeben wurde. Die Zurückhaltung beim Tausender könnte zugleich damit zu tun haben, dass die Liebhaber des grössten Notenabschnitts auf den kommenden Dienstag warten, wenn die Nationalbank die neue Tausendernote präsentiert. (bbp)