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AUSBLICK: Ostschweiz mausert sich zur Heimat der Sensoren

Vernetzt die Ostschweiz ihre Technologien weiter, hebt sie sich noch vielversprechender ab, sagt Beat Ulrich, scheidender Standortförderer des Kantons St. Gallen.
Thorsten Fischer
Was Zukunftstechnologien angeht, sieht Beat Ulrich die Region bereits jetzt gut aufstellt. (Bild: PD)

Was Zukunftstechnologien angeht, sieht Beat Ulrich die Region bereits jetzt gut aufstellt. (Bild: PD)

Thorsten Fischer

Eigene Firmen zu gründen liegt im Trend. Ein Blick in die Ostschweizer Kantone St. Gallen, beide Appenzell und Thurgau zeigt das eindrücklich. «Frischen Wind gebracht hat die Digitalisierung. Sie erlaubt es, Dinge neu anzugehen, und meist braucht man nicht gleich zu Beginn eine teure Infrastruktur», sagt Beat Ulrich. Er ist noch bis Ende Monat Leiter Standortförderung im Amt für Wirtschaft und Arbeit des Kantons St. Gallen sowie Delegierter der St. Gallen Bodensee Area. Nach 14 Jahren im Dienst der Standortförderung wird er auf Anfang Juli eine neue Herausforderung antreten (siehe Kasten).

Ob mit oder ohne Digitalisierung: Für Ulrich stand stets im Zentrum, attraktive Möglichkeiten für Firmen und ein Netzwerk zu schaffen – damit in der Ostschweiz entweder Firmen neu gegründet werden oder von aussen in die Region kommen. «Ebenso zentral ist es, die bestehenden Firmen in der Region zu pflegen – die Haupttätigkeit eines jeden Standortförderers», sagt Ulrich. Ziel sei, Arbeitsplätze in der ­Region zu sichern und aufzubauen: «Das ist die Währung, in der unsere Wirtschaftsförderung rechnet.»

Schweiz hat schnelle, sichere Datenleitungen

Mit Blick auf den digitalen Wandel hat die Schweiz grundsätzlich gute Karten, zeigt sich Ulrich überzeugt. Zum einen, weil sie auf eine stark vernetzte Infrastruktur und schnelle, sichere Datenleitungen bauen kann. Zum andern, weil das Know-how vorhanden ist. Hier windet Ulrich den Universitäten, Fachhochschulen und vielen Initiativen ein Kränzchen, von St. Gallen über Buchs bis nach Rapperswil-Jona. Sämtliche Aktivitäten aufzulisten, würde den Rahmen sprengen – das belegt, wie vielfältig die zukunftsgerichteten Bemühungen in der Region sind.

Stellvertretend genannt werden kann etwa der studentische Verein Start Global der HSG, der jährlich den internationalen Start Summit durchführt. Oder das Institut für Jungunternehmen IFJ, das mit der privaten nationalen Initiative Venture Kick betraut ist. Nach oben strebt auch die Plattform Startfeld in St. Gallen, die mit ihrer Infrastruktur und Dienstleistungen Gründer unterstützt.

Für Ulrich ist es ebenso ein wichtiges Zeichen, wenn Ausgliederungen und Gründungen von Hochschulen und Studenten am Markt Erfolg haben. Umantis (Personalmanagement), Adcubum (Versicherungssoftware) oder Abacus (KMU-Software) sind ein paar solche Namen. Auf St. Gallen bezogen sagt Ulrich: «Im Verhältnis zur Grösse der Stadt und Region ist die Firmen- und Know-how-Bilanz sowie die Anzahl Initiativen ausserordentlich stark.» Allerdings handle es sich meist – und das sei leider noch typisch für die Ostschweiz – um Einzelinitiativen. Wenn man es schaffen würde, alles zu bündeln, könnte man zur bedeutenden Start-up-City werden, betont er.

Sensoren prägen zunehmend den Alltag

Dennoch kann man die Frage stellen, wie sich eine einzelne Region wie die Ostschweiz konkret abheben will – denn digital und fortschrittlich wollen schliesslich alle sein. «Dass sich die Schweiz als Ganzes als Digitalisierungsstandort vermarktet, ist auf dem internationalen Parkett sinnvoll», sagt Ulrich. Innerhalb dieser Initiative gebe es aber genügend Vertiefungskompetenzen in den Regionen. Diese gelte es am richtigen Ort auszuspielen.

Für die Ostschweiz, deren Wirtschaft sehr diversifiziert ist, sieht er zwei Schwerpunkte und Stärken: Die Informationstechnologie (IT) und die Präzisionsindustrie. «Verbindet die Region beides miteinander, lassen sich noch zukunftsträchtigere Projekte entwickeln», ist sich Ulrich sicher. Das grosse Thema der kommenden Jahre sei die Sensorik. Von den selbstlenkenden Autos bis zu intelligenten Kleidern, die uns im Alltag unterstützen: Ohne Sensoren und die Auswertung der Daten läuft nichts.

Im Thema Sensorik kann sich der Standort konkret profilieren. Firmen, die sich mit dem Thema vertieft auseinandersetzen, sind mit ihrer Hard- und Software demnach genau am richtigen Ort. Laut Ulrich mausern sich die Länder im Bodenseeraum immer mehr zum Sensor Valley des Kontinents: Nirgendwo in Europa gebe es in diesem aufstrebenden Technologiesektor so viele Unternehmen wie hier. «Es wäre toll, wenn sich hier Firmen und Hochschulen zu einem Valley zusammen finden würden.»

Ob es insgesamt gleich einen Digitalisierungsminister wie in Dänemark braucht, lässt Ulrich offen. Doch er erinnert daran, dass mit einem solchen Posten ein wichtiges Signal nach aussen gesetzt würde: «Es zeigt, dass ein Land das Thema proaktiv angeht. Und zugleich allfällige Ängste der Transformation aufnimmt und gewillt ist, den Wandel auch in dieser Hinsicht erfolgreich zu gestalten.»

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