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AUSBLICK: «Investiert bleiben!»

Von einem guten Wirtschaftsjahr 2018 geht Norbert Rücker aus. Der Julius-Bär-Ökonom macht sich geopolitisch keine gröberen Sorgen, legt den Finger aber doch auf mehrere Brennpunkte.
Martin Sinzig

2018 dürfte erneut ein Jahr für Aktien sein. Das erwartet Norbert Rücker. Der Leiter Makro- und Rohstoff-Research der Bank Julius Bär sprach diese Woche auf dem Lilienberg ob Ermatingen vor Kunden der Niederlassungen St. Gallen und Kreuzlingen.

Norbert Rücker, wie wird das Wirtschaftsjahr 2018 voraussichtlich ausfallen?

Gut. Das momentane Umfeld zeichnet sich global durch ein sehr synchrones Wachstum aus. Die Regionen USA, Europa, Asien, aber auch die Schwellenländer Lateinamerikas zeigen alle eine solide Dynamik. Dasselbe gilt auch für die einzelnen Segmente der Wirtschaft: Die Konsumenten sind ausgabenfreudig, und die Unternehmen investieren. Diese Situation haben wir selten, und sie sorgt für ein starkes, anhaltendes Wirtschaftswachstum.

Was heisst das für die Schweiz?

Die Schweiz sitzt mittendrin in Europa, und sie profitiert von dieser Situation. Das spiegelt sich in den verschiedenen Wirtschaftsindikatoren, die alle in den vergangenen zwei Jahren auf sehr gute Niveaus angestiegen sind. Wir erwarten, dass die Schweizer Volkswirtschaft leicht über zwei Prozent wachsen wird über die kommenden Quartale.

Die US-Wirtschaft scheint sich zu beschleunigen.

Dieser Schwung dürfte im ersten halben Jahr anhalten. Die Gründe orten wir im schwachen US-Dollar, im starken Privatkonsum und in der positiven Stimmung der Industrie. Das unterscheidet die USA von Europa: Hier gehen wir eher davon aus, dass sich das Wachstum verlangsamen, aber immer noch auf attraktiven Niveaus bleiben wird.

Welche politischen Risiken sollte man beachten?

Beispielsweise die Wahlen in Italien, allerdings bereiten sie uns weniger grosse Sorgen. Wir denken, dass die grosse Koalition in der Mitte gewinnen wird, und wir sehen, dass populistische Randparteien wie der Movimento 5 Stelle ihren Tonfall gemässigt haben. Auch die Geopolitik führt regelmässig zu Aufregung. Die Vergangenheit hat aber gezeigt, dass Vorkommnisse wie jüngst die Iran-Proteste oder Spannungen in den Kurdengebieten meistens sehr kurzlebig waren. Diese Ereignisse beeinflussen vorübergehend die Stimmung, haben aber selten spürbare fundamentale Konsequenzen.

Darüber hinaus: Welche grossen Linien verfolgen Sie?

Das grosse geldpolitische Experiment ist über dem Zenit, angeführt von der amerikanischen Notenbank, die ihre Bilanz zurückfährt. Das beobachten wir, und es ist nicht anzunehmen, dass dies zu grossen Verwerfungen führen wird, solange es gemächlich stattfindet. Ein weiteres Thema ist China. Das Land steckt mitten im Wandel von einer investitionsgetriebenen zu einer konsumorientierten Wirtschaft und hat das enorm starke Verschuldungswachstum der vergangenen Jahre zu verdauen. Die Reformbemühungen sind zwar erfolgreich, aber mit Risiken behaftet.

Welche Rolle spielt der Brexit?

Der Brexit ist weiterhin für Ungewissheit verantwortlich, ebenso die Frage, ob Nafta überleben wird. Die Wahrscheinlichkeit ist gross, dass das nordamerikanische Freihandelsabkommen gekündigt wird. Auch spezifische Entwicklungen verfolgen wir, so stellen wir zum Beispiel fest, dass die Automärkte, angeführt von den USA, aber auch in China, eine gewisse Schwäche zeigen.

Welche Botschaft geben Sie den Anlegern mit?

Investiert bleiben! Wir denken, dass 2018 nach wie vor ein Jahr für Aktien sein wird. Das sehr solide gesamtwirtschaftliche Umfeld spiegelt sich in den Gewinnen der Unternehmen. Die Erwartungen an ein weiteres Gewinnwachstum sind hoch, wurden aber in der jüngsten Vergangenheit immer bestätigt. Die Bewertungen sind überdurchschnittlich, aber nicht exzessiv, und die Börsenrally der vergangenen Jahre war denn auch weniger durch eine massive Aufwertung getrieben als durch das Gewinnwachstum.

Interview: Martin Sinzig

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