Ausbau der Fabrik im Berg

Nach fast 30 Jahren trennt sich Beat de Coi von seiner Firma Cedes in Landquart. Künftig konzentriert er sich stärker auf die Chipfabrik im Gonzen bei Sargans. Der Ostschweizer Unternehmer hegt grosse Pläne für die Espros Photonics AG.

Patrick Stahl
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Die Espros Photonics AG stellt im Gonzen bei Sargans Chips her. Nun will ihr der Firmengründer Beat De Coi neuen Schub geben. (Bild: Urs Bucher)

Die Espros Photonics AG stellt im Gonzen bei Sargans Chips her. Nun will ihr der Firmengründer Beat De Coi neuen Schub geben. (Bild: Urs Bucher)

Herr De Coi, Sie verkaufen die Cedes AG. Warum?

Beat De Coi: Der Hauptgrund ist die Regelung der Nachfolge bei Cedes. Nebeneffekt ist, dass ich mehr Zeit in mein zweites Unternehmen investieren will, die Espros Photonics AG in Sargans.

Im Verkaufsprozess hat Assa Abloy den Zuschlag gemacht. Wie kann der schwedische Konzern von Cedes profitieren?

De Coi: In der Automatisierung, und dazu zählen auch automatische Türen und Tore, sind heute noch allenthalben Sensorik und Antrieb zwei getrennte Dinge, die nur mit einer einfachen Schnittstelle miteinander verbunden sind. Diese Trennung kann durch Integration der Sensorik in den Antrieb und dessen Steuerung aufgehoben werden. Ich bin überzeugt: Dies wird bahnbrechende Neuerungen ermöglichen. Cedes hält wichtige Patente für diese Integration.

Was bedeutet der Verkauf für die weltweit 450 Mitarbeiter der Cedes?

De Coi: Eine grosse Chance. Mit einem Konzern wie Assa Abloy bieten sich Aufstiegsmöglichkeiten, die Cedes nicht bieten kann. Assa Abloy ist Weltmarktführer für Türautomation und Zutrittssicherheit und hat 44 000 Mitarbeitende in über 70 Ländern. Zudem eröffnet der Zugang zu dieser internationalen Gruppe eine massive Erweiterung des Geschäftsfeldes Doors & Gates. Das bedeutet Wachstum.

Viele Beispiele zeigen, dass blühende Firmen oft verwelken, wenn sie unter den Fittichen ausländischer Konzerne stehen. Warum soll das bei Cedes anders werden?

De Coi: Weil Cedes eine Ergänzung für Assa Abloy ist und nicht etwas mehr vom Gleichen wie oft bei anderen Übernahmen. Letztlich liegt es aber an den Mitarbeitenden und am Management der Cedes, was sie aus dieser grossen Chance machen.

Sie bleiben vorerst mindestens für drei Jahre dem Unternehmen erhalten. Was wird Ihre Aufgabe sein?

De Coi: Ich werde mich vor allem mit Produktdefinition und Entwicklung auseinandersetzen.

2006 gründeten Sie die Espros Photonics (EPC) als Spin-off, um Chips für das Mutterunternehmen Cedes zu entwickeln, die damals noch nicht auf dem Markt erhältlich waren. Hat sich EPC mittlerweile von der Cedes emanzipiert?

De Coi: Absolut. Vor ein paar Jahren hatten wir ausschliesslich Cedes als Kunden, so quasi als Versuchskaninchen. Heute hat EPC mehr als hundert Kunden.

EPC liefert Chips für neue Technologien wie Drohnen oder selbstfahrende Autos. Was können Ihre Chips, was andere nicht können?

De Coi: Sie funktionieren auch bei voller Sonneneinstrahlung und sind etwa 50mal empfindlicher als jene der Konkurrenz. Das senkt den Stromverbrauch, was gerade bei batteriebetriebenen Geräten sehr wichtig ist.

Die EPC-Chips werden etwa auch in der Biotechnologie verwendet. Wo konkret zum Beispiel?

De Coi: Wearables wie zum Beispiel Smart Watches haben auf der Unterseite optische Sensoren eingebaut, die gewisse Körperfunktionen überwachen können. Aber die Chips dienen beispielsweise auch in Massenspektrometern, die zur Erkennung von Sprengstoff oder Drogen bei Sicherheitschecks etwa an Flughäfen eingesetzt werden.

Das Spin-off wuchs langsamer als ursprünglich gedacht. Sie hatten 2006 damit gerechnet, innert weniger Jahre auf 500 Mitarbeiter in der Region zu wachsen. Warum stieg die Chipproduktion weniger rasch?

De Coi: Es war alles ein bisschen schwieriger und dauerte länger, als ich mir das vorgestellt habe. Zudem legten wir wegen der Finanz- und Wirtschaftskrise 2007 und 2008 Teile der Produktion auf Eis. Jetzt bauen wir aus. Unser konservativer Businessplan sieht ein Wachstum im zweistelligen Prozentbereich vor.

Das Herz der EPC schlägt seit jeher in der Mountain Fab im Gonzen, wo die Chips entwickelt und mittlerweile auch produziert werden. Wie stark ist das Werk ausgelastet?

De Coi: In gewissen Bereichen sind wir bereits bei 80 Prozent angelangt, in anderen sind es nur 20 Prozent. Und wir haben noch eine ganze Etage im Rohbau leerstehen. Als erstes werden wir diese für unsere Endfertigung herrichten. Zudem werden wir einige neue Prozesse in den Reinraum unter Tag einführen. Es werden einige Anlagen und Maschinen sein, die unsere Lieferfristen markant verkürzen.

Sie haben bisher laut eigener Angabe 70 Millionen Franken in das Unternehmen gesteckt. Zahlen sich diese Investitionen je aus?

De Coi: Absolut. Die Märkte, die wir mit unserer Technologie erreichen können, sind enorm. 2014 wurden 70 Millionen Autos hergestellt. Jedes Auto braucht bis zu 20 3D-Kameras. Auch wenn ein Kamerachip letztlich nur ein paar Dollar kostet, sprechen wir von einem Marktvolumen von mehreren Milliarden Dollar pro Jahr. Und das ist nur einer von vielen neuen Märkten, die so richtig boomen.

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