Mit weltweit einzigartiger Technologie aus der Ostschweiz: St.Galler Biotechfirma stellt seltene Weihrauchessenz für den Vatikan her

Besuch vom Vatikan bei der St.Galler Biotechfirma Mivital. Der Gesandte reist zurück mit Weihrauch, Gold und Myrrhe in flüssiger Form.

Stefan Borkert
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Biochemiker Basir Jalili im Labor der Mivital AG. Hier können Essenzen in einem Spezialverfahren produziert werden. Eine seltene Weihrauchessenz, hergestellt bei Mivital, speziell für den Vatikan.
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Biochemiker Basir Jalili im Labor der Mivital AG. Hier können Essenzen in einem Spezialverfahren produziert werden. Eine seltene Weihrauchessenz, hergestellt bei Mivital, speziell für den Vatikan.

Biochemiker Basir Jalili im Labor der Mivital AG. Hier können Essenzen in einem Spezialverfahren produziert werden. Eine seltene Weihrauchessenz, hergestellt bei Mivital, speziell für den Vatikan.

Bilder Urs Bucher

So ein Nummernschild mit SCV sieht man nicht alle Tage. Vor dem Startfeld in St.Gallen steht eine schwarze Limousine mit einem Kennzeichen des Vatikan, ergänzt durch ein altertümlich anmutendes Prägesiegel. «Ja, wir hatten hohen Besuch aus dem Vatikan», sagt Daniel Strasser, Gründer und Geschäftsführer der Mivital AG. Mivital hat dieses Jahr einen der weltweit wichtigsten Pharmapreise gewonnen. «Das hat uns einen herzhaften Schub gegeben», sagt Strasser. Eben ist er aus Singapur zurückgekommen, wo Mivital inzwischen eine Niederlassung gegründet hat. Eine weitere ist in Toronto, Kanada.

Was das Biotech-Unternehmen besonders macht, ist, dass Strasser und sein Team ein Verfahren entwickelt haben, das patentiert und weltweit einzigartig ist. Mit ihrer Mizellen-Technologie können Wirkstoffe im Körper viel effizienter transportiert werden, als es normalerweise der Fall ist. «Wir haben die Bioverfügbarkeit gezielt erhöht», so Strasser. Tatsächlich hat eine Studie des Krebsforschungsinstituts in Tennessee den Einsatz von Wirkstoffen wie Kurkumin in der Krebsprävention und Krebsbekämpfung untersucht. Die Forscher fanden heraus, dass Kurkumin, das in einer Mizellen-Lösung von Mivital gebunden wurde, 75-mal potenter ist als das Originalmaterial.

Weihrauch von gesegneten und geheimen Orten

Und in diesem Zug kommt wieder der Vatikan ins Spiel. Dort hatte man von der einzigartigen Technologie gehört. Also wurde ein Sekretär des päpstlichen Gesundheitsressorts mit Voranmeldung nach St.Gallen entsandt, mit 300 Gramm Weihrauchharz im Gepäck. Die Heilkraft von Weihrauch erfährt derzeit eine Renaissance und ist auch wissenschaftlich belegt. In katholischen Kirchen wird Weihrauch schon immer eingesetzt, eben als Rauch. Neben dem normalen Weihrauch erntet der Vatikan an geheimen Orten jährlich total 30 Kilogramm von unikatem Boswellia sacra, also gesegneten Weihrauch.

Daniel Strasser, Gründer Mivital St.Gallen.

Daniel Strasser, Gründer Mivital St.Gallen.

(Bild: Urs Bucher)

Die Weihrauchharz-Kristalle, die der päpstliche Sekretär nach St.Gallen gebracht hatte, waren dunkler und intensiver im Geschmack als der übliche Weihrauch. Von der seltenen Ernte sollte Mivital eine zehnprozentige Essenz herstellen. «Wir haben im Vorfeld experimentiert, nachdem wir den Anruf erhalten haben», sagt Strasser. Und tatsächlich ist es gelungen, diese kostbare Essenz herzustellen.

«Wir haben vereinfacht gesagt aus Rauch Wasser gemacht.»

Und warum bei Mivital? «Weil diese weltweit einzigartige Technologie mit reinen Naturstoffen nur von uns hergestellt werden kann», erklärt Strasser und zeigt auf den Bioreaktor, den das Mivital- Team selbst erfunden hat.

Weltgesundheitsorganisation hat ebenfalls angeklopft

Die Vorstellung, dass Bischöfe und Kardinäle und womöglich sogar der Papst täglich ein paar Tropfen der in St.Gallen hergestellten Weihrauchessenz zu sich nehmen, hat doch etwas, finden die zehn Mitarbeiter. Aber Strasser hat für den Vatikan noch mehr produziert. Ganz in der Tradition der Heiligen Drei Könige sind auch die Essenzen Weihrauch mit Myrrhe und Goldstaub wasserlöslich hergestellt worden.

Neben solch eher exotischen Aufträgen wartet im kommenden Jahr noch ein ganz anderes Projekt auf Mivital. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat angeklopft. Die WHO will testen, ob mit der hoch effektiven Technologie Medikamente für die ärmere Bevölkerung erheblich billiger werden können.

Weihrauch zeigt Wirkung

Zwei australische Forscherinnen haben in einer systematischen Übersichtsarbeit Studien zu Weihrauch bei Arthrose analysiert. Dabei berücksichtigten sie alle kontrollierten Studien, die bis August 2013 veröffentlicht worden waren. Letztlich haben sie vier Studien herangezogen. Aktuellere seriöse Studien konnten auch ein US-Forschungsteam 2018 nicht finden. In den vier Studien wurden die Teilnehmenden per Zufall auf zwei Gruppen aufgeteilt. Eine Gruppe erhielt ein Weihrauchpräparat, die andere Gruppe ein wirkstoffloses Scheinpräparat (Placebo). Zwei der vier Studien liefen über eine Dauer von 90 Tagen. Zu Studienende betrug der zusammengefasste Unterschied der Schmerzeinschätzung zwischen Weihrauch- und Placebogruppe etwa 17 Punkte auf einer Skala von 0 (kein Schmerz) bis 100 (grösstmöglicher vorstellbarer Schmerz). Zu ähnlichen Ergebnissen kamen auch die anderen zwei Untersuchungen, die nur 30 Tage lang liefen. Die Ergebnisse zeigen in Richtung Schmerzlinderung und Besserung der Einschränkung im Alltag. Die Forscherinnen betonen aber, dass weitere Untersuchungen nötig sind. (bor)

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