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Augen auf beim Fischkauf

In der Migros stammt neuerdings der gesamte und im Coop praktisch aller Fisch aus nachhaltigen Quellen. Dennoch und trotz allerlei Zertifikaten ist längst nicht alles in Butter.
Thomas Griesser Kym
Gilt als nachhaltig: Thunfischfang mit der Angel vor den Malediven. (Bild: Monika Flückiger/Migros (Indischer Ozean, 17. Februar 2013))

Gilt als nachhaltig: Thunfischfang mit der Angel vor den Malediven. (Bild: Monika Flückiger/Migros (Indischer Ozean, 17. Februar 2013))

Fisch liegt im Trend und wird immer beliebter. In den vergangenen 25 Jahren ist die Menge der in der Schweiz konsumierten Fische und Meeresfrüchte um 60% auf 72 810 Tonnen gestiegen, wie der WWF vorrechnet. Pro Kopf ergibt das einen Jahresverbrauch von 8,8 Kilo. Die grösste Fischhändlerin der Schweiz ist die Migros. Sie und Coop als Nummer zwei setzen zusammen 70% allen Fischs hierzulande ab. Seit Anfang Monat ist die Migros laut eigenen Angaben die «erste Schweizer Detailhändlerin, die nur noch Fisch und Meeresfrüchte aus nachhaltigen Quellen verkauft». Nachhaltig bedeutet laut Migros, dass die Produkte «entweder ein Nachhaltigkeitslabel (Bio, ASC oder MSC) tragen» oder die Herkunft vom WWF als «empfehlenswert» oder «akzeptabel» eingestuft wird. Die Migros zeigt sich bemüht, das Angebot an zertifizierten Produkten kontinuierlich auszubauen. So betrage bei Zuchtfisch der Bio-Anteil 17% und der ASC-Anteil 19%. Beim Sortiment aus Wildfang seien bereits 59% MSC-zertifiziert. Insgesamt macht die Migros je die Hälfte des Umsatzes mit Fisch und Meeresfrüchten mit solchen aus Wildfang und mit solchen aus Aquakulturen. Sobald die Bestände eines Fisches in Gefahr kommen, liste man die entsprechenden Produkte aus.

Auch Coop baut sein Sortiment aus nachhaltigen Quellen ständig aus, wobei sich der Detailhändler der gleichen Kriterien bedient wie die Migros. Laut Coops jüngster Auswertung von September 2015 bis August 2016 stehen solche nachhaltigen Produkte mittlerweile für 99,8% des Gesamtumsatzes mit Fisch und Meeresfrüchten. Bei Wildfang betrage der Anteil des MSC-Labels 63,8%, bei Zuchtfisch ist laut Coop jeder dritte Fisch Bio, und 3,5% tragen das ASC-Label. Auch Coop betont: «Wir bieten keine Fische an, die vom Aussterben bedroht sind. Wir streichen überfischte Arten aus unserem Sortiment.» Und die Anteile an MSC- und Bio-Fisch nähmen zu.

Fisch «als nicht alltägliche Delikatesse» geniessen

Trotz aller Anstrengungen und Verbesserungen: «Der Schweizer Konsum ist nicht auf nachhaltigem Kurs», kritisiert der WWF. Ein grosser Teil des Angebots in der Schweiz stamme nach wie vor «aus kritischen Quellen». Konkret verbrauche unser Land viermal mehr Fische und Meeresfrüchte, als schliesslich auf den Tellern landen. Der WWF führt diese Verschwendung an Ressourcen zum grossen Teil auf den Beifang zurück, der bei manchen Fischereien bis zu 90% betrage. Besonders gravierend sei dieses Problem in der tropischen Crevetten-Fischerei, und just diese Krustentiere würden immer beliebter in der Schweiz.

Auch der Konsum von Fischen und Krustentieren aus Zucht hat laut WWF Schattenseiten. Produkte aus Aquakulturen machten in der Schweiz bereits ein Drittel der Gesamtmenge der verspeisten Fisch- und Meeresfrüchte-Produkte aus, Tendenz weiter steigend. Durch die Fütterung mit Fischöl und Fischmehl werden aber in der konventionellen Zucht mehr Fische und Meeresfrüchte verbraucht als gewonnen. So können laut WWF pro Kilo Fisch und Krustentiere aus Zucht bis zu vier Kilo Fisch aus Wildfang zur Fütterung verbraucht werden.

Der WWF rät Konsumenten, beim Einkauf Fische und Meeresfrüchte mit dem MSC- und dem Bio-Label sowie aus Wildfang aus Schweizer Seen zu bevorzugen. Zudem sollten sie «als nicht alltägliche Delikatesse» genossen werden. Noch resoluter handhabt die Tierschutzorganisation Fair-Fish das Thema. So sei der umwelt- und tierfreundlichste Fisch «der nicht gekaufte Fisch». Beim Fischessen gelte maximal einmal pro Monat – mehr gebe der Planet nicht her. Auch Fair-Fish empfiehlt Fische mit dem Bio-Label, gefolgt von solchen mit dem ASC-Label. Fair-Fish kritisiert aber, dass das Fischwohl kein ASC-Kriterium sei sowie die Verfütterung von Fisch aus Wildfang an die Zuchtfische unbefriedigend geregelt sei: So könne auch in einer ASC-Zucht mehr Fisch verfüttert werden, als sie produziert. Der ASC stellt solche Berechnungen in Frage, und punkto Tierwohl hält er fest: «Die ASC-Standards wurden nicht entwickelt als Fischwohlprogramm, sondern als Umwelt- und Sozialprogramm.»

Der WWF legt den Finger noch auf einen anderen wunden Punkt: «Besonders wenig Beachtung findet das Problem der Überfischung bisher in der Schweizer Gastronomie.» Zudem tut sich der Branchenverband schwer mit einer erweiterten Deklarationspflicht für Fisch, wie sie in der laufenden Revision des Lebensmittelrechts vorgesehen ist. Einst plädierte Gastrosuisse dafür, dass Angaben über die Herkunft des Fischs für das Restaurant freiwillig bleiben sollen, nun hält er diese Forderung für «nachvollziehbar».

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