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Aufwärmen für die Abgeltungssteuer

Die Vorbereitung auf die Umsetzung der Abgeltungssteuer ist für die Banken mit viel Aufwand und hohen Kosten verbunden. Trotz allem befürworten sie die Steuerabkommen. Im Vorfeld zeigt sich: Die Zahl der Selbstanzeigen von steuerflüchtigen ausländischen Kunden nimmt zu.
Steuerflüchtige haben die Wahl: Vermögen mittels Selbstanzeige deklarieren und im Schweizer Depot lassen. Oder abziehen und in einem anderen Land oder unter der Matratze verstecken. (Bild: Reto Martin)

Steuerflüchtige haben die Wahl: Vermögen mittels Selbstanzeige deklarieren und im Schweizer Depot lassen. Oder abziehen und in einem anderen Land oder unter der Matratze verstecken. (Bild: Reto Martin)

Eines ist den Bankchefs gemeinsam: Alle befürworten die Abgeltungssteuer. Nicht, dass sie die Abkommen der Schweiz mit Deutschland, Österreich und Grossbritannien bejubeln. Die Steuer «schmälert die Vermögenswerte, steigert die Kosten und lässt die Marge tendenziell sinken», sagt Roland Ledergerber, Chef der St. Galler Kantonalbank (SGKB). Doch die Abkommen seien «ein gangbarer Kompromiss, der die Interessen aller beteiligten Staaten angemessen berücksichtigt». Am Beispiel des Abkommens mit Deutschland erläutert Ledergerber, Berlin erhalte «rasch und ohne grossen Aufwand substanzielle Steuermittel». Die Schweiz und ihre Banken wiederum «wahren die finanzielle Privatsphäre der Kunden».

«Kein einziger Steuerfranken»

Peter Hinder, Chef der Thurgauer Kantonalbank (TKB), hat diesen Frühling mit Ledergerber als Vertreter der Kantonalbanken deren Sicht vor der Ständeratskommission für Wirtschaft und Abgaben (WAK) geschildert. Für Hinder ist die Abgeltungssteuer «die einzige ausgearbeitete Lösung, welche die Vergangenheit abgilt und die Zukunft regelt sowie die Privatsphäre schützt». Ähnlich äussert sich Franz Würth, Sprecher von Raiffeisen Schweiz: «Es ist wichtig, dass die Privatsphäre geschützt bleibt.» Eine Alternative zur Abgeltungssteuer wäre der automatische Informationsaustausch, doch mit diesem «fliesst noch kein einziger Steuerfranken», gibt Ledergerber zu bedenken. Es käme zu einer Datenflut, die Steuererhebung wäre «viel weniger effizient».

Steuerflüchtige zeigen sich selber an

Starten soll die Abgeltungssteuer, so der Plan, am kommenden 1. Januar. Aber hier wie dort droht das Abkommen an politischem Widerstand zu scheitern. So fordert etwa die SPD höhere Steuersätze. Ledergerber dagegen will «keine weiteren Zugeständnisse» gewähren. Und auch Hinder spricht von «einer guten Lösung» – auch aus Sicht des Finanzplatzes Schweiz, obwohl schon die Abgeltungssteuer viel Arbeit gibt. Sie sei «sehr aufwendig in der Umsetzung», sagt Hinder. Er rechnet bei der TKB mit Kosten von 1,5 Millionen Franken für eigene und externe Ressourcen. Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz geht für seine drittgrösste Schweizer Bankengruppe von Kosten von 10 Millionen Franken aus – obwohl der Anteil ausländischer Kunden mit 3 Prozent relativ gering ist. Aber Raiffeisen ist mit fast 1100 Standorten landesweit tätig.

Wie viele ihrer Kunden punkto Steuern unehrlich sind, weiss keine Bank. Hinder registriert bei der TKB aber im Hinblick auf die Einführung der Abgeltungssteuer «eine deutliche Zunahme der Selbstanzeigen». Das zeigt sich daran, dass deutsche Kunden, die bisher Steuern hinterzogen haben, von ihrer Bank Dokumente benötigen zur Deklaration der Vermögen beim deutschen Finanzamt. Für Raiffeisen spricht Würth von «mehr Selbstanzeigen in beschränktem Umfang».

Keine Garantie für Steuerehrlichkeit

Abgesehen von einer Selbstanzeige hat der ausländische Kunde die Wahl, sein Geld abzuziehen. Keine Angaben zu Abflüssen macht Würth. «Keine signifikanten Veränderungen beim Geldfluss und keine übermässigen Abzüge» stellt Hinder fest. Nach wie vor gewinne die TKB auch neue Auslandkunden, und «seit 2010 nehmen wir keine unversteuerten Gelder mehr an». Wobei es für die Steuerehrlichkeit der Kunden allerdings keine hundertprozentige Garantie gibt. Bei der TKB sind laut letztjährigem Geschäftsbericht 13,7 Prozent aller Kundendepots in ausländischer Hand, davon 85 Prozent aus Deutschland.

Abfluss in Milliardenhöhe

Bei der SGKB sind im ersten Semester 2012 netto 370 Millionen Franken abgeflossen. Ledergerber spricht von strukturellen Abflüssen im Offshore-Geschäft. Dabei geht es einerseits um Gelder von Kunden aus Deutschland, Österreich und Grossbritannien. Zum anderen um Vermögen von Kunden mit Domizil USA, von denen sich die SGKB, wie die meisten anderen Banken, trennt. Ledergerber rechnet wie folgt: Kunden aus Deutschland haben bei der SGKB-Gruppe 3 Milliarden Franken deponiert, aus Österreich 1 Milliarde. Seit 2010, als die Steuerdebatte in Gang gekommen ist, dürften jährlich 5 bis 10 Prozent der Auslandgelder abfliessen, bis am 1. Januar die Abgeltungssteuer in Kraft treten soll. Rund um diesen Stichtag erwartet Ledergerber, dass nochmals 25 Prozent der noch verbliebenen undeklarierten Vermögen als Abgeltungssteuer abzuliefern sind. Wie hoch diese Vermögen dannzumal sind, weiss Ledergerber nicht. Er schätzt aber, dass insgesamt etwa ein Drittel der Vermögen von Deutschen und Österreichern abfliesst.

Viele Kunden ziehen es aber vor, ihr Geld nun zu deklarieren und auf Schweizer Konten zu lassen. Ledergerber weiss gar von Kunden, welche die Strafsteuern in Deutschland aus Geldern in der Heimat bezahlen, um ihr Vermögen in der Schweiz nicht antasten zu müssen. Insgesamt stammen bei der SGKB-Gruppe 30 Prozent der Vermögen von Ausländern, davon im Stammhaus überwiegend aus Deutschland und Österreich. Die Abgeltungssteuer ist laut Ledergerber verbunden mit externen Kosten von 1 bis 2 Millionen Franken und internem Projektaufwand von etwa 2000 Personentagen. Dabei geht es um Anpassungen der Informatik, der Kundendokumentationen, der Beratung, um Investitionen in die Fachkompetenz im Investment-Center usw.

Klar ist, dass die kritische Masse zunimmt, ab der es sich lohnt, Kunden aus einem Land zu betreuen. Klar ist auch, dass Deutsche und Österreicher weiterhin betreut werden. Sie werden aber wohl höhere Gebühren zahlen. «Der Mehraufwand für die Abgeltungssteuer muss in die künftige Preisgestaltung einfliessen», sagt Würth. Ledergerber ergänzt: «Generell muss jedes Preismodell verursachergerecht sein.» Thomas Griesser Kym

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