Aufseher kuschen vor Goldman

Eigentlich soll die US-Notenbank die Banken überwachen. Doch vor der wichtigsten Bank Goldman Sachs haben die Zentralbanker offensichtlich Angst.

John Dyer
Merken
Drucken
Teilen

BOSTON. Goldman Sachs hat das Umfeld fest im Griff. Offenbar auch die Bankenaufseher der New Yorker Niederlassung der US-Notenbank Fed. Eine ehemalige Fed-Angestellte hat Tonbänder mit 46 Stunden Aufzeichnungen von Verhandlungen der Fed-Aufseher mit Goldman-Managern öffentlich gemacht. Wie Carmen Segarra sagt, aus Ärger über die Fed. Sie war 2011 eingestellt, aber nach nur sieben Monaten wieder entlassen worden. Nach ihrer Meinung wegen ihrer Beschwerden bei Vorgesetzten, dass man gegenüber Goldman Sachs zu weich sei.

Übertriebene Scheu vor Risiken

Die Aufnahmen wurden 2012 gemacht, nachdem Professor David Beim in einer Studie festgestellt hatte, dass die New Yorker Fed «an einer Kultur leidet, die geprägt ist von ungenügender Einzelinitiative und vom Fehlen ständiger Kommunikation. Es gibt dort eine übertriebene Scheu vor Risiken.»

Die Veröffentlichung hat die Wall Street aufgeschreckt. Kritiker sprechen davon, dass die Regulatoren beeinflusst worden seien, und sie die Interessen der Wirtschaft, die sie eigentlich beaufsichtigen sollen, über die der Öffentlichkeit stellten. Ein Beispiel ist das Verhalten von Segarras Vorgesetztem Michael Silva. In der Vorbereitung auf ein Treffen mit Bankern von Goldman Sachs, bei dem es um Unregelmässigkeiten einer Vereinbarung mit der Banco Santander zur Verringerung der vorgeschriebenen Eigenkapitalquote ging, mahnte Silva seine Mitarbeiter zu offensivem Verhalten an. Die Transaktion sei «legal, aber dubios». Man werde Goldman Sachs hart befragen. Auf dem Tonband hört man etwas anderes. Silva beschränkte sich auf technische Fragen. Und ein namentlich nicht genannter Fed-Mitarbeiter warnte sogar: «Wir wollen doch Goldman nicht entmutigen, solche Dinge künftig offen zu legen.» In einem anderen Gespräch sagte ein Goldman-Banker den Aufsehern unverblümt: «Wenn die Kunden nur reich genug sind, dann gelten bestimmte Konsumentengesetze für sie nicht mehr.» Segarra äusserte ihre Verwunderung und erhielt von einem Kollegen die Antwort: «Das haben Sie gar nicht gehört.»

Senatorin fordert Untersuchung

Die Fed bestreitet die Vorwürfe. Man arbeite entschlossen daran, die Aufsicht über die Finanzinstitutionen effizient auszuüben, und deren «Sicherheit und Solidität» zu gewährleisten. Die Senatorin Elizabeth Warren, eine Kritikerin der Wall Street, fordert jetzt eine Untersuchung im Kongress, ob die Fed Goldman Sachs und anderen Banken eine «Freikarte zum Verstoss gegen Gesetze» gebe.