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Aufräumen nach dem Abgang von Spiesshofer

Peter Voser gibt sein Mandat beim Pharmakonzern Roche auf. Damit hat er mehr Zeit für seine Doppelrolle bei ABB.
Niklaus Vontobel
Ex-CEO Ulrich Spiesshofer (links) mit Präsident Peter Voser. (Bild: Ennio Leanza/Keystone (Zürich, 30. April 2015))

Ex-CEO Ulrich Spiesshofer (links) mit Präsident Peter Voser. (Bild: Ennio Leanza/Keystone (Zürich, 30. April 2015))

Um den Chefposten von ABB wird seit Wochen spekuliert. Mitte April gab der Industriekonzern bekannt, dass Ulrich Spiesshofer den Chefposten per sofort abgeben werde. Bald darauf wurden schon klingende Namen gehandelt wie die Chefs von Ericsson, von Volvo oder des Winterthurer Konzerns Sulzer. Nun kommt eine neue Variante hinzu.

ABB wird demnach nicht so schnell wie gedacht einen neuen Chef holen. Sondern Peter Voser könnte seine Doppelfunktion länger behalten: Verwaltungsratspräsident und Chef. Voser hatte nämlich beim Pharmakonzern Roche sein Mandat als Verwaltungsrat abgegeben, wie Roche bekannt gab. Voser tue dies, weil er nun bei ABB eine zusätzliche Rolle als Übergangschef habe.

Spiesshofer wollte sofort weg

Die Boulevard-Zeitung «Blick» fragte darum prompt: Braucht es Voser noch länger als Chef? Eine Börsenplattform titelte: «Verzögert sich die CEO-Suche?» Und in den Wirtschaftsmedien hiess es, ABB brauche mehr Zeit für die Suche nach einem «Visionär», der sich die ABB der Zukunft ausmalen könne.

ABB lässt derzeit viel Raum für Interpretationen. Mit Bestimmtheit sagen lässt sich eigentlich nur: Der Konzern informiert seit Mitte April nur scheibchenweise über seinen Chefposten. Damals konnte Voser beim Abgang von Spiesshofer keinen Nachfolger präsentieren, wie dies bei einem Weltkonzern üblich wäre. Auch gibt es keine offizielle Information dazu, ob Voser beispielsweise sein Mandat beim amerikanischen IT-Konzern IBM behalten wird. Aus dem Umfeld von Roche ist zu erfahren, er wolle in den nächsten Monaten alle Mandate ausserhalb von ABB ­abgeben. Diese Kommunikation lässt sich wohl am besten mit den Umständen von Spiesshofers Abgang erklären, wie sie aus unterrichteten Kreisen berichtet werden. Spiesshofer soll es abgelehnt haben, an Bord zu bleiben, bis ein Nachfolger gefunden sein würde. Wenn er gehen musste, wollte er gleich weg. Voser hätte es lieber anders gehabt.

Danach musste es schnell gehen. Voser blieb nichts anderes übrig, als ohne neuen Chef an die Öffentlichkeit zu gehen. Auch sonst konnte ABB nicht alle offenen Punkte klären. Wie eben die Frage, ob Voser seine übrigen Mandate behalten würde.

Neuer Chef wird weniger Macht haben

Der Entscheid zum Chefwechsel sei am Vorabend an der Verwaltungsratssitzung gefallen, sagte Voser im April. Er kehrte dann die Vorteile heraus: Die Nachfolgersuche werde sich nun einfacher gestalten. Man könne quasi in aller Öffentlichkeit auf die Suche gehen, ohne störende Gerüchte um die Position an der Spitze. Die Börse nahm den Rücktritt von Voser bei Roche gelassen auf. Der ABB-Kurs legte sogar etwas stärker zu, als es die übrigen Schweizer Bluechip-Unternehmen durchschnittlich taten.

Zu dieser Reaktion passt, dass der Chefposten in der umstrukturierten ABB nicht mehr die gleiche Bedeutung hat wie früher. Die Macht wird nach unten delegiert zu den Divisionen. Deren Chefs führen ihr Reich nun mehr oder weniger wie eigene Unternehmen. Diese Machtverschiebung soll beim Abgang von Spiesshofer ebenfalls eine Rolle gespielt haben, wie Beobachter berichten. Spiesshofer habe seine Divisionschefs weiterhin an der kurzen Leine führen wollen.

Dass ABB nun einen Visionär sucht, davon wird mancher Experte für Managementlehre hingegen abraten. Ein Experte empfahl schon vor Jahren, den Begriff «Vision» zu verbannen. Die Visionsmode habe bloss Persönlichkeitstypen viel Aufmerksamkeit verschafft, die früher keine Chance in gut geführten Unternehmen gehabt hätten.

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