AUFGERAPPELT: Liechtensteiner Banken im Aufwind

Die Geldinstitute haben die Vermögensabflüsse als Folge der Finanzplatz- und Steuerkrise kompensiert. Ihr Fokus richtet sich verstärkt auf Asien.

Günther Meier, Vaduz
Drucken
Teilen

Knapp zehn Jahre nach der Krise des Finanzplatzes Liechtenstein zeigen sich die Banken in guter Verfassung. Die verwalteten Vermögen übertrafen im Geschäftsjahr 2016 gesamthaft das Niveau vor der Krise. Einen rekordhohen Nettozufluss an Neugeld in Höhe von 11,7 Mrd. Fr. auf 152 Mrd. Fr. meldet die LGT Group, die dem Fürstenhaus gehört. Die VP Bank zeigt nur ein bescheidenes Plus an Kundengeldern von 7 Mio. Fr., sieht damit aber den Abfluss der letzten Jahre gestoppt. Die Landesbank ist mit einem Nettoabfluss von 65 Mio. Fr. noch nicht so weit, doch hat sich dieser gegenüber dem Vorjahr (–200 Mio. Fr.) gedrittelt. Die Abflüsse in den traditionellen Märkten, wozu die Landesbank die Nachbarstaaten zählt, hätten sich verlangsamt, während man von Märkten ausserhalb Europas Nettozuflüsse verbucht habe. Auch laut der BP Bank kam es vor dem «Hintergrund des regulatorischen Umfelds und der Steuerthematik in Europa» in dieser Region zu Abflüssen. Aus Asien habe man dafür Neugeldzuflüsse registriert.

Allenthalben herrscht für die nähere Zukunft kräftiger Optimismus. Während die LGT vergangenes Jahr eine Vermögensverwaltungsfirma akquiriert hat, die 8 Mrd. Fr. an Kundenvermögen beitrug, halten Landesbank und VP Bank weiter Ausschau nach Zukäufen, wofür sie sich gut genug kapitalisiert sehen.

Auch die Politik ist der Auffassung, dass sich der Bankenplatz Liechtenstein nach der Krise erholt hat. Regierungschef Adrian Hasler macht dafür in erster Linie das Bekenntnis zum automatischen Informationsaustausch verantwortlich. Die Anstrengungen der vergangenen Jahre zur rechtssicheren Umsetzung dieser Vorgaben hätten sich gelohnt. Liechtenstein gelte inzwischen als moderner Finanzplatz, der für Transparenz und Stabilität stehe, sagt Hasler.

Gut aufgestellt ist die Branche auch im Urteil Hans-Werner Gassners, neuer Präsident des Liechtensteinischen Bankenverbandes. Mit der Umsetzung der «Roadmap 2020», die Strategien zur Wahrnehmung des Fürstentums als stabiler Finanzplatz mit ausgewiesenen Kompetenzen im Private Banking enthält, sollte laut Gassner eine weitere Konsolidierung möglich werden. Punkten könne die Branche mit Liechtensteins AAA-Länderrating und der Ausrichtung des Finanzplatzes auf nachhaltige Anlagen für vermögende und institutionelle Kunden. Eine Stärke des Finanzplatzes sei auch, sämtliche Finanzbedürfnisse vermögender Kunden abdecken zu können.

Günther Meier, Vaduz