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Angebote für Haus und Garten und Aufbruch ins digitale Zeitalter: Wie sich die Landi-Läden fit für die Zukunft machen

Die früheren Bauernläden wandeln sich immer mehr zu einem konkurrenzfähigen Detailhändler. Nun will die übergeordnete Ostschweizer Laveba-Genossenschaft auch bei Dienstleistungen stärkere Akzente setzen.
Thomas Griesser Kym
«Der Konsument hat heute eine andere Erwartung an die Landi», sagt Peter Bruhin, Chef der Laveba-Genossenschaft. (Archivbild: Ursula Häne)

«Der Konsument hat heute eine andere Erwartung an die Landi», sagt Peter Bruhin, Chef der Laveba-Genossenschaft. (Archivbild: Ursula Häne)

Vereinzelt gibt es sie noch. Die Landi-Läden, wie sie einst waren. Unterge­bracht in alten Gebäuden, das Sortiment vorwiegend landwirtschaftlich. Das sind Läden für die Bauern, kommt einem in den Sinn. Dieses traditionelle Bild findet man beispielsweise im Laden Bernhardzell. Oder in jenem in Wil. Dort scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Der ­Laden hat eine Rampe, er ist klein, eng, unübersichtlich, vollgestopft.

Doch das ist weitgehend die Vergangenheit: «Der Konsument hat heute eine andere Erwartung an die Landi», sagt Peter Bruhin in seinem Büro hoch oben im Neumarkt in St.Gallen. Er ist Vorsitzender der Geschäftsleitung der Laveba-Genossenschaft. Der Name ist brandneu. Bis vor kurzem hiess Laveba LV-St.Gallen und viel früher Landverband. Das Unternehmen, gegründet 1899 als bäuerliche Genossenschaft zur Selbsthilfe, blickt auf eine 120-jährige Geschichte zurück.

«Im Moment sind wir noch zu sehr ein Händler und sehr stark auf Produkte fixiert»: Peter Bruhin, Chef der Laveba-Genossenschaft. (Bild: Benjamin Manser)

«Im Moment sind wir noch zu sehr ein Händler und sehr stark auf Produkte fixiert»: Peter Bruhin, Chef der Laveba-Genossenschaft. (Bild: Benjamin Manser)

Weitherum tätig

Der Historie und der Herkunft zum Trotz: Auch dieses Unternehmen muss sich für die Zukunft rüsten. Vor zwei Jahren hat der LV-St.Gallen einen internen Strategieprozess angestossen. Die Frage lautete, inwieweit man den Herausforderungen gerecht werden könne. Beispielsweise betreffend Digitalisierung. Oder dem veränderten Kundenverhalten. «Es ist uns nie richtig gelungen, die Marke LV ausserhalb der Landwirtschaft bekannt zu machen», sagt Bruhin.

«Ausserdem wird das Wort St.Gallen unserem Tätigkeitsgebiet nicht gerecht.»

In der Tat: Der Genossenschaftsverband vereint Landi-Genossenschaften und Landi-AG nicht nur im Kanton St.Gallen, sondern auch in beiden Appenzell, Glarus, Liechtenstein sowie im Oberthurgau und in Ausserschwyz.

«Wir müssen aus Sicht des Kunden denken»

Ein neuer Name musste also her. Dass Laveba eine gewisse Ähnlichkeit zu Landverband aufweist, ist laut Bruhin ein hübscher Nebeneffekt. Laveba ist zusammengesetzt aus den jeweils zwei Anfangsbuchstaben der Wörter langfristig, verbindlich und bahnbrechend. Konkret geht es um die drei Leitsätze «langfristig gemeinsam erfolgreich sein», «verbindlich den Menschen im Fokus haben» und «bahnbrechend neue Wege gehen».

Auch Bruhin ist sich bewusst, dass ein neuer Name, ein neues Logo und flotte Sprüche allein nicht genügen. Gefordert ist vielmehr ein unternehmerisches Umdenken. «Landi und Agrola funktionieren sehr gut und sind auch wirtschaftlich erfolgreich», sagt Bruhin. Aber bisher sei der Kunde zu wenig im Mittelpunkt gestanden. Das soll sich ändern: «Wir müssen aus Sicht des Kunden denken, und wir wollen als innovativ wahrgenommen werden.»

Wärme und Mobilität verkaufen

Dazu will Bruhin Dienstleistungen forcieren und dafür auch die Digitalisierung nutzen. Ziel sei es, dem Kunden Lösungen anzubieten, und das womöglich noch bevor dieser das Problem sieht. «Im Moment sind wir noch zu sehr ein Händler und sehr stark auf Produkte fixiert.» Ein Beispiel: Heute verkauft die Landi einem Bauern Hilfsstoffe für dessen Felder. Künftig will man etwa Wetterdaten oder Daten über den Zustand der Vegetation nutzen, um den Bauern über den idealen Zeitpunkt etwa im Kampf gegen Schädlings- oder Pilzbefall zu informieren. So könne man auch den Einsatz der Hilfsstoffe optimieren, sprich verringern.

Ähnliches schwebt Bruhin bei Agrola vor. Statt wie heute Heizöl und Treibstoffe wolle man künftig Wärme und Mobilität verkaufen. Konkret: «Fossile Energien sind ein Auslaufmodell, für Heizungen früher, im Verkehr später, weil sich noch keine Alternative durchgesetzt hat.» Deshalb spielen Fotovol­taik und Stromtankstellen eine immer grössere Rolle, und man plane auch Wasserstofftankstellen, sagt Bruhin.

Immer mehr Artikel auch für Haus und Garten

«Unsere Delegierten erwarten gespannt Resultate», sagt der Laveba-Chef aufgrund «mehrheitlich positiver Reaktionen» an der jüngsten Versammlung in Nesslau, und «unter unseren Mitarbeitenden herrscht Aufbruchstimmung». Bruhin weiss aber, dass es auch neue Beschäftigte brauchen wird.

«Wir haben das Fachwissen, aber für digitale Anwendungen benötigen wir entsprechende Spezialisten.»

Zudem werde man künftig mit Forschungs- und Bildungseinrichtungen sowie Start-ups kooperieren.

Parallel zu diesen Anpassungen des Geschäftsmodells treibt die Landi das Ladenkonzept 2.0 voran. In dessen Rahmen werden Landi-Läden modernisiert, vereinheitlicht und erweitert, und das Sortiment wird auf den neusten Stand gebracht. Dieser Umbau passiert unter Federführung der Landi Schweiz, die auch den zentralen Einkauf besorgt, landesweit. Bauern, die der Landi ihre Ernte liefern, sind noch immer Kunden für Saatgut, Dünger, Heugabeln usw., aber mittlerweile macht Laveba 70 Prozent des Umsatzes mit nichtbäuerlichen Kunden. Deshalb gibt es neben Produkten für Hof, Feld und Stall immer mehr Artikel auch für Haus und Garten.

Der Erfolg gibt Laveba recht:

«Die Landi ist in den vergangenen Jahren stärker gewachsen als der Schweizer Detailhandel.»

Der Umbau ist auch in der Ostschweiz sichtbar. Bereits sind mehrere Landi-Läden nach dem Konzept 2.0 um- oder neu gebaut worden. In Bütschwil ist die Landi im März an einen Standort mit doppelter Ladenfläche gezügelt, jene in Bazenheid ist jüngst eröffnet worden, mit dreifacher Ladenfläche als Ersatz für den alten Standort in Kirchberg. Und die Landi in Wil? Sie wird geschlossen, sobald ein Neubau, voraussichtlich in Gloten, bewilligt und erstellt ist.

Ufa-Futterwerk wird ausgebaut

Das UFA-Mischfutterwerk in St.Margrethen stösst laut Laveba-Chef Peter Bruhin mit einer Jahresproduktionsmenge von 110'000 Tonnen an seine Leistungsgrenze. Deshalb wird die Silokapazität für Fertigfutter mit einer dritten Verladelinie erweitert. So kann man die Jahresproduktion um 20000 Tonnen steigern. Für die dritte Linie werden 4,5 Millionen Franken in Gebäude und Technik investiert. Sie soll Ende dieses oder Anfang nächsten Jahres in Betrieb gehen. Die Getreidesammelstelle in Niederuzwil ist veraltet und wird wegen zu grosser Unterhaltsarbeiten nicht weiter betrieben. (T. G.)

Die Ostschweiz fährt ein Sonderzügli

Vor 25 Jahren haben sechs der damals acht landwirtschaftlichen Genossenschaftsverbände in der Schweiz zum Agrarkonzern Fenaco fusioniert. Diesem fern blieben der LV-St.Gallen (neu Laveba) und der Genossenschaftsverband Schaffhausen (GVS). Laveba- Chef Peter Bruhin erklärt den Erhalt der Eigenständigkeit so: «Wir wollen das Geld, das wir verdienen, lieber hier in der Ostschweiz für Investitionen ausgeben.»

Die Organisationen pflegten aber ein gutes Einvernehmen. Fenaco, Laveba und GVS setzen in ihren jeweiligen Wirtschaftsgebieten die nationalen Konzepte Landi (Detailhandel) und Agrola (Energie) um, während der Lebensmittelhändler Volg vollständig von Fenaco verantwortet wird. Volg beliefert auch die Tankstellenshops der Agrola, die normalerweise Top-Shop heissen, im Laveba-Gebiet aber bisher namenlos waren. Laut Bruhin ist geplant, sie mit Laveba- Shop zu benennen. Vergangenes Jahr setzte die LV-Gruppe 553 Millionen Franken um, annähernd 10 Prozent mehr als 2017. Der Betriebsgewinn stieg um 23 Prozent auf 15,3 Millionen. Die Gruppe hat rund 500 Mitarbeitende und bildet gegen 50 Lernende aus. (T.G.)

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