Auf verschlungenen Pfaden

Die Fälle von falsch deklariertem Fleisch rücken das weit verzweigte Lieferantennetz in Europa in den Brennpunkt. Die Firmen und auch einzelne Behörden weisen die Schuld von sich.

Thorsten Fischer Denis Grigorescu
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Glied in der Lieferkette: Die französische Spanghero in Castelnaudary. (Bild: ap/Manuel Blondeau)

Glied in der Lieferkette: Die französische Spanghero in Castelnaudary. (Bild: ap/Manuel Blondeau)

BASEL/BUKAREST. Die Verunsicherung um das Fleisch in Lasagne-Produkten schlägt auf die Sortimente verschiedener Detailhändler durch. In der Schweiz hat Coop ein Produkt aus den Regalen genommen, um es zu überprüfen (siehe Kasten rechts). In Deutschland sind es die Supermarktketten Kaiser's Tengelmann und Real, die gewisse Produkte gestoppt haben. Auch hier werden interne Überprüfungen durchgeführt, wie «Spiegel online» berichtete.

Zum europäischen Skandal um falsche Fleischdeklarationen, der in Grossbritannien aufgeflogen war, findet die schweizerische Stiftung für Konsumentenschutz (SKS) klare Worte. «Mit dem Verkauf von billigem Pferdefleisch als Rindfleisch werden die Konsumenten auf das Gröbste getäuscht.» Der Fall zeige, dass die Kontrolle der Rohstoffe angesichts komplexer Warenströme zu leicht umgangen werden könne. Laut SKS wird ausserdem deutlich, dass die Schweiz auch hier keine Insel sei: Die hiesige Lebensmittelgesetzgebung sei weitgehend der EU-Gesetzgebung angeglichen, ebenso die Bestimmungen zur Rückverfolgbarkeit.

«Nicht aufweichen»

Die SKS zieht denn auch politische Schlussfolgerungen. Im Lebensmittelrecht – es wird im Frühling im Parlament beraten – dürften «keine Aufweichungen» betreffend stark verarbeiteter Produkte vorgenommen werden. Denn es gebe Bestrebungen, dass bei solchen Erzeugnissen das Produktionsland nicht mehr deklariert werden müsse.

Die internationale Tierschutzorganisation «Vier Pfoten» zeigte sich «erbost über das Vollzugsdefizit, aufgrund dessen billiges Pferdefleisch als Lasagne mit Rinderfleisch in europäische Supermärkte geraten konnte.» Das sei ein schwerer Rückschlag für den Verbraucherschutz, für den Tierschutz sowie die Vollzugsbehörden. Unbekannt ist laut der Organisation ausserdem, woher die Tiere stammten, ob von einem Hof, oder ob es sich um wild lebende Pferde oder gar herrenlose Pferde von der Strasse handle. Vier Pfoten forderte die EU-Kommission auf, die Kontrolle bei der Produktionskette für Fleischgewinnung auszubauen.

Rumänien wehrt sich

Angesichts der vielen Beteiligten im Fleischhandel und der Verarbeitung herrscht in der Schuldfrage ein eifriges Ping-Pong-Spiel. Die französischen Händler haben sich gegenseitig bereits die Verantwortung zugeschoben. Ebenso steht Rumänien, als Ausgangsort für das Fleisch, am Pranger. Doch das Pferdefleisch in britischen Rindfleischprodukten sei legal ausgeführt worden, sagen die Behörden in Bukarest. Das Fleisch stammt von einem, allenfalls auch zwei Schlachthöfen der Region. Die Umetikettierung zu Rindfleisch sei erst nach dem Export erfolgt, zeigt sich Bukarest überzeugt. Am Montag war Landwirtschaftsminister Daniel Constantin zusammen mit Ministerpräsident Victor Ponta und dem – rumänischen – EU-Agrarkommissar Dacian Ciolos vor die Presse getreten. Die betreffenden rumänischen Schlachthöfe hätten nicht gegen europäisches Recht verstossen, sagte Ponta. Constantin sagte, es gebe keine Hinweise, dass Pferdefleisch in Rumänien als Rindfleisch ausgegeben worden sei. Einer der betreffenden Schlachthöfe exportiere ausschliesslich Pferdefleisch, ein anderer exportiere schon seit sieben Jahren Pferdefleisch, neben anderem Fleisch.

In Rumänien schlachten 35 Schlachthöfe Pferde. Pferdefleisch ist deutlich billiger als Rindfleisch. In den ersten acht Monaten 2012 hatte das exportierte Pferdefleisch einen Durchschnittspreis von 2.20 €. Der Durchschnittspreis für exportiertes Rindfleisch dagegen betrug in der gleichen Zeit 3.70 €. Die Differenz zeigt, dass eine Umetikettierung – wo und aus welchen Gründen sie auch immer stattgefunden hat – lukrativ sein kann.