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Auf Tour mit einer Schweizer Rockband: Jeder Konzertbesucher zählt

Seit 18 Jahren ist die Pink-Floyd-Tributband Crazy Diamond auf Achse. Und muss stets spitz kalkulieren, damit die Rechnung aufgeht. Am Konzert in Herisau in ein paar Wochen rechnet die Gruppe mit 400 Besuchern - und 3500 Franken Verlust.
Thomas Griesser Kym
Crazy Diamond in Aktion. Vor dem Drummer Sänger und Gitarrist Üse Junger, an den Keyboards links Dani Bucher. (Bild: Manuela Matt)

Crazy Diamond in Aktion. Vor dem Drummer Sänger und Gitarrist Üse Junger, an den Keyboards links Dani Bucher. (Bild: Manuela Matt)

1994 waren Pink Floyd letztmals auf Welttournee. Total gab die britische Rockband ihre Show vor 5,5 Millionen Konzertbesuchern zum Besten. Oder im Mittel 45000 pro Auftritt.

Anders Crazy Diamond. Normalerweise kommen ein paar hundert Zuschauer pro Auftritt. Dabei gilt die Band aus dem Züribiet unter Fans als eine der besten Pink- Floyd-Tributbands. Die siebenköpfige Formation spielt also lauter Songs ihrer Vorbilder. «Qualität ist uns wichtig», sagt Dani Bucher. «Und Herzblut. Wir wollen, dass der Funken zum Publikum überspringt.»

Nach zehn Jahren aus den roten Zahlen

Bucher spielt Keyboards und Saxofon und ist wie Gitarrist und Sänger Üse Junger Gründungsmitglied von Crazy Diamond. Die Band gibt es seit 18 Jahren, «und das Feuer brennt noch immer», sagt Junger. Alle Mitglieder der Band, die sich als semiprofessionell bezeichnet, gehen einem Broterwerb nach, doch auch mit Crazy Diamond will man schwarze Zahlen schreiben.

Die Anfangszeit war hart. «Aus den roten Zahlen gekommen sind wir erst nach zehn Jahren», sagt Junger. Zuvor hatten er und Bucher immer wieder privates Geld eingeschossen und Darlehen aufgenommen, um das Projekt am Laufen zu halten.

400 Zuschauer – und ein Verlust von 3500 Franken

Wie sieht die Buchhaltung der Band, die gerade auf Tour ist und auch in der Ostschweiz auftreten wird, heute aus? Für das Konzert im Casino Herisau am 2. November kalkuliert Bucher mit 400 Zuschauern – und ei­nem Verlust von 3500 Franken. Bei einem Preis von 43.30 Franken für ein Stehplatzticket können also ein paar Dutzend Zuschauer mehr oder weniger die Rechnung entscheidend beeinflussen.

Bisher hat die Band im Vorverkauf 200 Tickets abgesetzt. «Das ist besser als vor drei Jahren», als Crazy Diamond erstmals im Casino spielte, vor lediglich gut 200 Besuchern. Dabei war die Band extra nach Herisau gegangen, weil man zwei Jahre zuvor in der ausverkauften Grabenhalle in St.Gallen, die 300 Gäste fasst, an der Abendkasse 70 Interessierte hatte abweisen müssen.

Kooperation mit Stagelight AG

Auf der laufenden Tour hat die Band bereits zwei kleinere Konzerte in Seewen und Wetzikon vor 350 und 300 Zuschauern gegeben. Nun aber folgen sieben XL- oder, in Pratteln im Z7, gar XXL-Shows. Was ist der Unterschied? Bei diesen Big Shows arbeitet Crazy Diamond mit dem Herisauer Veranstaltungstechniker Stagelight zusammen. Das Unternehmen von Peter Lemmenmeier rückt jeweils mit Lichttechnik, Ausrüstung für Videoprojektionen und Beschallung an – ein ganzer Lastwagen, randvoll bis unters Dach.

Laut Bucher betragen die Fixkosten einer solchen XL-Show 15000 Franken. Davon sind 50 bis 60 Prozent für die Technik reserviert, wobei Stagelight auf dem Material einen erheblichen Rabatt gewährt. «Wir arbeiten mit ihnen bald zehn Jahre zusammen, und unsere Auftritte sind für sie eine technische Referenz», sagt Junger.

Die Arbeitstage sind lang

Der Rest der Fixkosten geht drauf für die Band, ihre eigenen Techniker und weitere Helfer, für das Management durch Bucher und Junger sowie für Verpflegung und Unterkunft. Total ist am Tag eines XL-Konzerts eine Crew von rund 20 Leuten am Werk.

Musiker, Sänger, Manager, Technikkoordinatoren - kurz: Mädchen für alles bei Crazy Diamond: Üse Junger (links) und Dani Bucher. (Bild: Benjamin Manser)

Musiker, Sänger, Manager, Technikkoordinatoren - kurz: Mädchen für alles bei Crazy Diamond: Üse Junger (links) und Dani Bucher. (Bild: Benjamin Manser)

«Wir zahlen pro Kopf eine geringe Tagespauschale aus», sagt Bucher. Diese teilt sich an einem Arbeitstag von 12 bis 14 Stunden in ei­nen nur noch kleinen Stundenlohn, den die Musiker und ihre weiteren Crewmitglieder mehrheitlich in neue Instrumente, Videomischpulte usw. investieren.

Kleinere Konzerte rechnen sich eher

XL-Shows müssen in einer Reihe gespielt werden, wie Junger sagt. Dann kann Stagelight die gleiche Technik mehrmals hintereinander verwenden, und nur so geht die Rechnung auf. An kleineren Konzerten wiederum, wo Crazy Diamond ohne Technikpartner arbeitet, wo keine Licht- und Videoshow zum Einsatz kommt, betragen die Fixkosten tiefere 6000 bis 7000 Franken. Zwar sind dann auch die Tickets billiger, doch Bucher sagt:

«Mit kleineren Konzerten können wir mehr Geld verdienen als mit grossen. Rein wirtschaftlich gesehen dürften wir nur in kleinen Clubs spielen.»

Doch: «Wir wollen uns immer weiterentwickeln, und Lights und Visuals waren auch bei Pink Floyd ein zentraler Baustein der Konzerte.» Manchmal zahlen sich für Crazy Diamond aber auch grössere Konzerte aus: «Wenn im Z7 in Pratteln zweimal 900 Leute kommen, fahren wir 5000 bis 6000 Franken Gewinn ein, was uns hilft, defizitäre Shows auszugleichen.»

Barbetrieb mal als Einnahmequelle, mal nicht

Normalerweise organisiert Crazy Diamond ein Konzert mit einem Veranstalter, der die Halle stellt und die Werbung besorgt, aber auch die Einnahmen aus dem Barbetrieb kassiert. In anderen Fällen, wo man keinen Veranstalter findet, bucht man den Saal selber, was zusätzlich kostet, dafür kann die Band aber auch mit dem Verkauf von Getränken und Snacks verdienen.

In Herisau hat man eine Kooperation mit dem lokalen Verein Insider-Events gefunden. Dieser beteiligt sich an der Saalmiete und hilft bei der Promotion. Im Gegenzug steht ihm die Einnahmen seines Barbetriebs zu.

Vor der DVD-Produktion leer geschluckt

Wie wichtig ist das Merchandising, also der Verkauf von T-Shirts oder CDs an Konzerten oder im Onlineshop? «Es ist ein wichtiger Zustupf», sagt Junger. Aber auch nicht mehr. Und gewisse Dinge brauchen Zeit, bis sie rentieren. So hat die Band von ihren beiden Auftritten im antiken Theater von Augusta Raurica 2014 eine Doppel-CD samt Bonus-DVD produziert.

Bei der Kalkulation im Vorfeld hatte die Band freilich leer geschluckt. «Allein das Kamerateam war nicht bezahlbar», sagt Junger. Nur dank eines Crowdfundings, mit dem die Band 30000 Franken einsammelte, und der Beigabe der Gagen konnte die 85000 Franken teure Produktion finanziert werden. Bisher sind von dem Album gut 1200 Stück à 39 Franken verkauft worden, was Einnahmen von 50000 Franken generiert hat. «Wir sind also noch immer im Minus», sagt Bucher.

Pink Floyd verdienen an Crazy Diamond mit

Bleibt ein weiterer Kostenpunkt: 10 Prozent des Ticketpreises müssen Crazy Diamond an die Suisa abgeben. Diese leitet das Geld als Tantiemen an Pink Floyd weiter. Und so verdienen die englischen Multimillionäre an jedem Konzert und an jedem ihrer Songs, den Crazy Diamond vor Publikum spielt, mit.

Anders tönt es bei der Zürcher Tributband: «Es kribbelt noch immer vor und bei jedem Auftritt. Unsere Resonanz wird grösser, und das ist unser Lohn», sagt der frühere Primarlehrer Junger, der sein Geld mit Gitarrenunterricht verdient. «Crazy Diamond ist mein Hobby Nummer eins, und dann kommt bis zur Nummer fünf nichts mehr.»

Hinweis: Crazy Diamond live im Casino Herisau, 2. November 2019, 20 Uhr. Tickets über starticket.ch.

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