Negativzinsen: SNB verzichtet auf Experimente

In der Schweiz deutet nach wie vor nichts auf ein baldiges Ende der Negativzinsen hin. Die Schweizerische Nationalbank hat mit ihren Entscheiden ihren aktuellen Kurs eher noch fester zementiert.

Daniel Zulauf
Drucken
Teilen
SNB-Präsident Thomas Jordan (rechts) und Vizepräsident Fritz Zurbrügg beim gestrigen Jahresend-Mediengespräch in Bern. Bild: Anthony Anex/Keystone (Bern, 13. Dezember 2018)

SNB-Präsident Thomas Jordan (rechts) und Vizepräsident Fritz Zurbrügg beim gestrigen Jahresend-Mediengespräch in Bern.
Bild: Anthony Anex/Keystone (Bern, 13. Dezember 2018)

Die lauter werdenden Klagen aus der Finanzindustrie über den Negativzins haben die Nationalbank zu keiner Kursänderung bewogen. Erwartungsgemäss hat die Nationalbank an ihrer letzten geldpolitischen Lagebeurteilung im laufenden Jahr den vor vier Jahren eingeschlagenen Kurs ­bestätigt und die Fortsetzung des Negativzins-Regimes mit den «bedeutenden Risiken» im internationalen Umfeld gerechtfertigt. Selbst für eine kleine Drehung an der Zinsschraube gibt es im Urteil des dreiköpfigen SNB-Direktoriums «keinen Grund».

Eine solche Massnahme wäre ein «starkes Signal», das die geldpolitischen Rahmenbedingungen erheblich beeinflussen könnte, erklärte SNB-Chef Thomas Jordan am Donnerstag in Bern an einer Pressekonferenz.

Länge des Negativzinses bleibt ungewiss

Der oberste Frankenhüter hat vor allem den Frankenkurs im Auge. Die SNB geht davon aus, dass sich der Franken im Zug einer Zinserhöhung stark aufwerten würde, zumal die Zinsdifferenz zum Euro jetzt schon sehr viel kleiner sei als in früheren Jahren. Eine weitere Verringerung der Zinsdifferenz würde die relative Attraktivität des Frankens als internationale Anlagewährung erhöhen und zu einer Aufwertung des Frankens führen. Dies würde nicht nur das Wirtschaftswachstum bremsen und die inter­nationale Wettbewerbsposition der Schweizer Exportindustrie schwächen, sondern – und vor allem – die ohnehin ungewöhnlich tiefe Inflation weiter senken.

Für das laufende Jahr geht die SNB unverändert von einer Teuerung von 0,9 Prozent aus. Für das nächste und übernächste Jahr rechnet sie unter der Annahme eines dannzumal immer noch unveränderten Leitzinses von –0,75 Prozent mit einer Inflation von nur noch 0,5 Prozent beziehungsweise 1 Prozent. Im Sommer hatte sie noch Teuerungsraten für 2019 und 2020 von 0,8 Prozent und 1,2 Prozent prognostiziert.

Als Grund für den gesenkten Ausblick nennt die SNB die tieferen Energiepreise. Eine Aufwertung des Frankens würde zu einer weiteren Verbilligung der Energieimporte führen und die Teuerung möglicherweise wieder unter die Nullgrenze absinken lassen. Vor diesem Hintergrund betonte Jordan den Grundauftrag der Nationalbank, der die Sicherung der Preisstabilität unter Berücksichtigung der konjunkturellen Entwicklung beinhaltet.

Wie lange das Negativzins-Regime bestehen bleibt, ist ungewiss. Die Europäische Zentralbank will frühestens im Sommer einen ersten Zinsschritt wagen. Doch möglicherweise wird sie dafür auch noch länger brauchen. Viele Ökonomen befürchten deshalb, dass die verkehrte Welt noch mehrere Jahre andauern könnte. In der Schweiz sind die Schäden dieser Zinspolitik im Immobilienmarkt erkennbar.

Fritz Zurbrügg, der im SNB-Direktorium die Verantwortung für die Überwachung der Finanzstabilität trägt, warnte einmal mehr vor den Ungleichgewichten im Hypothekar- und Immobilienmarkt. Im Bereich der Wohnrenditeliegenschaften, wo steigende Leerstände eine schärfere Preiskorrektur befürchten lassen, forderte er «gezielte Massnahmen» zur Eindämmung der Kreditvergabe. Solche würden derzeit geprüft. Ein bislang wenig beachtetes Risiko für die Stabilität des Finanzsystems sind auch die immer höheren Strafzahlungen, die den Banken für Missachtung von Geldwäschereivorschriften auferlegt werden. Zurbrüggs Aussagen zum Thema konnten nur als Aufforderung zu intensiven Kontrollen verstanden werden. Die Zuständigkeit dafür läge aber ­allein bei der Finma und nicht bei der SNB, sagte Zurbrügg.