Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Nach Kritik an Facebook: Suche nach neuen Netzwerken läuft

Manipulation, Hasskommentare, Fake-News und Datenskandale: Soziale Netzwerke wie Facebook geraten immer mehr in die Kritik. Es ist Zeit, nach ethischen Alternativen zu suchen – nach Netzwerken, die tatsächlich «sozial» sind.
Philipp Bürkler
Anbieter wie Vero wollen neue Wege im Netz gehen. (Bild: Ant Palmer/Getty)

Anbieter wie Vero wollen neue Wege im Netz gehen. (Bild: Ant Palmer/Getty)

Mittlerweile sind weltweit 3,2 Milliarden Menschen auf sozialen Medien, jede Sekunde kommen etwa elf neue dazu. Etwas mehr als zwei Milliarden davon sind auf Facebook. Social Media beherrscht mittlerweile grosse Teile unserer Alltagskultur und hat ein Suchtpotenzial, weil durch das potenzielle Herunterscrollen nie ein wirkliches Ende in Sicht ist. Es geht immer weiter.

«Gewöhnlich wenden wir uns, wenn wir das Ende einer Seite erreichen, wieder einer anderen Aufgabe zu. Unendliches Herunterscrollen lässt diesen Stopp jedoch nicht mehr zu», sagt Adam Alter, Autor des Buches «Unwiderstehlich». Die Informationen fliessen buchstäblich unendlich.

Schwindendes Vertrauen und zunehmende Kritik

Zunehmend in die Kritik geraten Facebook, Instagram und Twitter, weil sie Hass und Falschinformation eine Plattform bieten. Der enorme Hass richtet sich gegen jegliche Art von Menschen: Frauen, Schwule, Flüchtlinge, Ausländer, Muslime, Juden, Lehrer oder auch Journalisten. Hass im Netz vergiftet den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Das Vertrauen von Facebook schwindet aber auch, weil es monströse Mengen an Daten seiner Nutzer sammelt und diese an Werbefirmen verkauft.

Der Cambridge-Analytica-Skandal hat weltweit aufhorchen lassen und bei vielen Menschen die Nutzung vom Facebook in Zweifel gezogen. Aral Balkan von Ind.ie, einer britischen Nonprofitorganisation, die offene Software entwickelt, sieht das Problem vor allem auch im unmenschlichen Geschäftsmodell solcher Firmen. Sie liessen uns zwar kostenlos ihre Produkte nutzen, hätten im Gegenzug aber Zugang zum grössten Datenschatz der Menschheitsgeschichte. «In der Technologie­industrie gilt, wenn ein Produkt kostenlos ist, sind die Nutzer das Produkt.» «Die meisten Technologieunternehmen wollen so viele Informationen ihrer Nutzer wie nur möglich. So funktioniert das Geschäftsmodell.»

Alternativen gibt es – aber taugen sie etwas?

Eine Möglichkeit, dem Datenhunger solcher Firmen und dem Hass auf solchen Plattformen zu entgehen, ist die Nutzung alternativer sozialer Medien. Es sind Plattformen, die keine Firmen sind, sondern dezentral organisiert und mit Spenden oder durch Gebühren finanziert werden. Die Facebook- und Twitter-Alternativen heissen Mastodon, Vero oder Raftr. Mastodon funktioniert ähnlich wie Twitter. Auch hier schreiben die Mitglieder kurze Nachrichten, mit denen sie Links, Bilder oder Videos posten können.

Allerdings bietet Mastodon dafür 500 Zeichen Platz, und nicht nur 280 wie bei Twitter. Die Tweets heissen «Toots», Retweets «Boosts», und es wird nicht gezwitschert, sondern «getrötet». Erfunden hat Mastodon der deutsche Programmierer Eugen Rochko aus rein ideeller Überlegung. Durch seine dezentrale Struktur kann Mastodon weder pleitegehen, noch verkauft oder von einer Regierung kontrolliert werden. Daten werden auch keine gesammelt. Im Gegensatz zu Facebook und Twitter gibt es auch fast keine Trolle, die Hass verbreiten, da die einzelnen Moderatoren auf ihren Kanälen sofort einschreiten könnten. Vero funktioniert ähnlich wie Facebook. Es ist werbefrei und stellt, anders als Twitter und Facebook, die Posts chronologisch dar, also in der Reihenfolge, wie sie gepostet wurden. «Wir glauben an die Notwendigkeit eines wirklich sozialen Netzwerkes, das die Menschen in den Mittelpunkt stellt ohne Algorithmen, Werbung und Bots», kündigt sich die Seite selbst an. Im Unterschied zu Facebook soll die Teilnahme bei Vero eine kleine Gebühr kosten. Wie viel ist noch nicht bekannt. Um möglichst viele Nutzer zu gewinnen, ist die Teilnahme bis auf weiteres kostenlos. Vero und Mastodon haben zurzeit je etwa eine Million Nutzer.

Finanzierung durch die Allgemeinheit?

Mastodon und Vero sind letztlich aber nicht viel mehr als gutgemeinte Alternativen zu den grossen sozialen Netzwerken. Wirklich durchsetzen werden sie sich wahrscheinlich vorerst nicht, da noch fast jeder bei Facebook ist. Wer sich neu bei Vero oder Mastodon anmeldet, hat keine oder nur wenige Freunde, wie ein Selbsttest zeigt. Ausserdem sind alternative Angebote zu kompliziert im Aufbau, weil sie von Programmierern entworfen werden, die nicht aus der Nutzerperspektive denken.

Echte Alternativen zu den grossen sozialen Netzwerken aus dem Silicon Valley dürften sich nicht so rasch etablieren. Dennoch muss sich in den kommenden Jahren etwas in Richtung echte «soziale» Netzwerke bewegen. «Soziale Netzwerke stellen heute eine wichtige Infra­struktur für unsere Gesellschaft dar, vielleicht müsste man sich überlegen, sie mit Steuergeldern zu finanzieren», sagt Balkans Mitarbeiterin Laura Kalbag von Ind.ie. Wichtig sei in diesem Fall jedoch, dass die Plattformen nicht durch die Regierungen selbst gesteuert würden. Bis es so weit ist, melden sich jede Minute 400 weitere Menschen bei Facebook an.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.