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Kommentar

Ferienkürzung bei Valiant: Die Argumente der Bankführung überzeugen nicht

Die Begründung der Valiant Bank für die Kürzung der Ferientage bei älteren Mitarbeitenden ist nicht ehrlich. Es geht nicht um die Gleichstellung der Angestellten, sondern um die Kosten.
Rainer Rickenbach
Rainer Rickenbach

Rainer Rickenbach

Mit weniger Ferientagen für ältere Mitarbeitende tut die Valiant Bank sich selbst keinen Gefallen. Auch gegen aussen wirft die Ferienkürzung mehr Fragen auf als sie beantwortet. Etwa diese: Wie sollen denn die Arbeitszeitmodelle mit dem von den Arbeitgeberverbänden gerne beschworenen höheren Rentenalter aussehen, wenn schon bei den 56- bis 65-Jährigen die Schraube angezogen wird?

Dass die betroffenen Valiant-Angestellten den Entscheid der Bankführung ohne lautstarke Proteste hinnehmen, ist verständlich. Alleine in den zurückliegenden sechs Jahren gingen im Schweizer Bankgewerbe schätzungsweise 12000 Arbeitsplätze verloren. Da beschränkt man sich besser darauf, die Faust im Sack zu machen. Denn die Aussichten auf dem Arbeitsmarkt sind wenig verlockend, erst recht für die älteren Semester.

Die Einschränkung der Erholungszeit dürfte bei den meisten langjährigen Mitarbeitenden als Zeichen von geringerer Wertschätzung ankommen. Diese wiederum leistet Vorschub zur vorzeitigen «inneren Kündigung» – ein hoher Preis für den Arbeitgeber wegen ein bis fünf zusätzlichen Ferientagen pro Jahr. Die offizielle Begründung der Bankführung, alle Altersklassen gleich behandeln zu wollen, ist mit Blick auf die mit zunehmendem Alter zweifellos wichtiger werdenden Erholungszeiten nicht schlüssig.

Aufschlussreich sind viel mehr die Hinweise der Valiant Bank auf das Recht zur Teilzeitarbeit sowie die Möglichkeit, zwanzig zusätzliche Ferientage mit Lohneinbussen «kaufen» zu können. Sie bedeuten einen Schritt in Richtung der sogenannten Bananenkarrieren mit sinkenden Gehältern in den letzten paar Arbeitsjahren. Der Schritt muss nicht falsch sein. Denn die hohen Pensionskassenbeiträge zum Beispiel sind mitverantwortlich dafür, dass es die 55-Jährigen und Älteren auf dem Arbeitsmarkt schwer haben. Vor diesem Hintergrund ist es immer noch besser, Ende Monat etwas weniger auf dem Lohnkonto zu haben, als sich an ein Arbeitsvermittlungszentrum wenden zu müssen. Wenn die «Bananenkarriere» Absicht der Valiant-Führung war, hätte sie diese aber beim Namen nennen sollen, anstatt am Ferientaggefüge zu schrauben und es kühn als Akt von mehr Gerechtigkeit darzustellen.

Die Reaktionen auf den Ferienentscheid der Bank mit dem lila Logo fielen in den sozialen Medien zum Teil gehässig aus. Der Tenor: Valiant spart auf Kosten der Altersgruppe, die sich wegen ihrer schlechten Chancen auf dem Arbeitsmarkt am wenigsten wirksam zur Wehr setzen kann.

Das stimmt zwar. Die Valiant Bank als unsoziales Geldhaus an den Pranger zu stellen, wird ihr indes nicht gerecht. Denn sie hat kaum Anteil daran, dass Tausende von älteren Bankfachleuten den Anschluss an die Arbeitswelt verloren haben. Es sind vor allem die Grossbanken, die nach der Finanzkrise und dem Fall des Bankgeheimnisses mit Hilfe der Digitaltechnologie massenhaft Arbeitsstellen strichen oder ins Ausland verlegten. Bei der Jagd nach Produktivität sank zudem die Hemmschwelle, auch langjährige, ältere Mitarbeitende vor die Tür zu stellen – ausgestattet mit zunehmend kargen Abgangsentschädigungen. Dass die Grossbanken aktiv Know-how abbauen und gleichzeitig lautstark den Mangel an Fachkräften beklagen, ist eine der traurigen Pointen dieser Strategie.

Im Vergleich dazu ist das strengere Ferienregime bei Valiant recht harmlos. Der Nachgeschmack wäre aber weniger schal, wenn die Bankführung mit dem wahren Grund argumentiert hätte: Um die Altersgerechtigkeit geht es dabei nicht, sondern darum, Lohnkosten zu sparen.

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