Auch Unternehmer müssen kreativ sein

Kunst und Wirtschaft scheinen getrennte Welten zu sein. Ein Kolloquium der Stiftung Unternehmerforum Lilienberg in der Reihe «Herausforderung Grenze» versuchte, die beiden Welten einander näher zu bringen.

Kaspar Enz
Merken
Drucken
Teilen
Festspiele, wie hier in St. Gallen, ziehen viele Gäste in die Region. (Bild: Urs Jaudas)

Festspiele, wie hier in St. Gallen, ziehen viele Gäste in die Region. (Bild: Urs Jaudas)

ERMATINGEN. David Lang ist Musiker, doch wenn er in seinem Heimatdorf das Klassik-Festival «Mammern Classics» organisiert, das morgen startet, muss er denken wie ein Unternehmer: Gastronomie, Sponsorensuche, Werbung, die Gagen wie die Übernachtung des Orchesters gilt es zu kalkulieren. Doch «die Frage, ob es ein Erfolg wird oder nicht, muss irgendwann hinter die Vision zurücktreten», sagte er gestern am Unternehmerforum Lilienberg.

Schwer zu beziffern

Das Kolloquium widmete sich dem Thema Kultur und Kunst als Wirtschaftsfaktor um den Bodensee. Zu beziffern ist der aber schwer, sagte die Konstanzer Journalistin Monique Würtz. Festivals und Konzerte, Ausstellungen und Museen zögen zweifellos Zehntausende in eine Stadt oder Region, die hier übernachten, essen oder Souvenirs kaufen. Allerdings habe sie an keiner der Hochschulen um den Bodensee eine Studie gefunden, die aufrechnet, was ein Museum oder ein Festspiel an Wertschöpfung generiere. «Das scheint niemand zu untersuchen», sagte sie.

Geschäftsfeld Kunst

Doch Kunst bringt nicht nur der Tourismusindustrie Aufträge, wie Monique Würtz am Beispiel des Kreuzlinger Metallbauunternehmens Neuweiler AG aufzeigte. Es konstruierte die Skulpturen des Künstlers Johannes Dörflinger, die 2007 den Grenzzaun in Kreuzlingen mit der Kunstgrenze ersetzten. Dieser Auftrag sei damals für das Unternehmen überraschend gekommen, zog aber sogleich Folgeaufträge nach sich: So erhielt die Neuweiler AG den Zuschlag für ein deutlich grösseres Projekt in Basel und arbeitete auch schon für den St. Galler Künstler Roman Signer.

Eine Zusammenarbeit von Künstlern und Unternehmern könne fruchtbar sein, sagte Monique Würtz im anschliessenden Gespräch. «Denn Unternehmer leben auch davon, kreativ zu sein.» Wichtig sei aber, dass Künstler und Unternehmen zusammenpassen.

Die richtigen Themen finden

Rainer Vollkommer, Direktor des Liechtensteinischen Landesmuseums, hat kaum Probleme, für seine Ausstellungen Sponsoren zu finden. Das habe auch mit der Auswahl der Themen zu tun, sagte er. Ein Beispiel sei die Ausstellung über Mathematik, die sich an ein junges Publikum richtete. Denn «wie bekommen wir Nachwuchs, der sich für Mathematik begeistert», das fragten sich viele Industriebetriebe, sagte Vollkommer – weshalb diese Unternehmen die Ausstellung auch gerne unterstützen würden. Was sich auch auszahle, meinte er. «Unsere Ausstellung war in den ersten zehn Tagen schon auf 100 Internet-Portalen erwähnt.»